Ob wir die aktuelle Tagespresse, Nachrichten im Fernsehen oder Radio oder einschlägige Verlautbarungen der Politik wahrnehmen, immer wieder werden wir darauf hingewiesen, dass wir in herausfordernden Zeiten leben, ja sogar vor einer „Zeitenwende“ stehen.
Viersen – Der russische Angriffskrieg in der Ukraine, die daraus resultierende Ressourcenknappheit auch bei uns und der ausufernde Preisanstieg fokussieren unser Denken und Handeln. Viele leiden unter der Situation, für andere ist es ein Jammern auf hohem Niveau, weil der gewohnte Standard nicht mehr zum gleichen Preis zu haben ist.
Dabei gerät eine Gruppe mehr und mehr aus dem Blick. Es sind die Mitmenschen, die noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf haben und das schon seit langer Zeit. Für sie bedeutet die momentane Krisensituation, dass selbst das Wenige, das ihnen blieb, noch weiter reduziert wird. Menschen ohne Wohnung brauchen gerade in diesen Zeiten unsere Unterstützung, um ein Leben in Würde zu führen. Im Rahmen des von der Bundesregierung begründeten „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ erhofft sich MOWO e.V., dass sich auch das Wohnangebot für von Obdach- und Wohnungslosigkeit betroffene Menschen verbessert. Die Bundearbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe erklärt zum Bündnis: „Mit dem „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ hat sich die Bundesregierung erneut zur Beseitigung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis 2030 verpflichtet. Deswegen erwartet die BAG W, dass nun unverzüglich konkrete Anstrengungen unternommen werden, um das Elend auf der Straße, die unhaltbaren Zustände in vielen Notunterkünften, die verdeckte Wohnungslosigkeit zu beseitigen und wohnungslose Menschen dauerhaft Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zu eröffnen“.
Vor 35 Jahren gründete sich der Verein „Menschen ohne Wohnung“ aus einem aktuellen Anlass heraus: An Heiligabend im Jahre 1984 übernachteten drei wohnungslose Männer im Rohbau des Maximilian-Kolbe-Hauses. Die Pfarre organisierte Hilfe. Hieraus entwickelte sich die Trägerschaft für das Oscar-Romero-Haus, einer Wohneinrichtung für alleinstehende, wohnungslose Männer. Das Haus wurde 2015 an den Rheinischen Verein übergeben.
Seitdem konzentriert sich MOWO auf die Beschaffung von Wohnraum für Obdachlose, der in Zusammenarbeit mit anderen sozialen Einrichtungen an diesen Personenkreis weitervermietet wird.
Dieses Konzept der Wohnraumbeschaffung ist zwingend notwendig. Die von MOWO durchgeführte Untersuchung „Keine Wohnungen für Wohnungslose“ hat gezeigt, dass Wohnungslose und Transferleistungsempfänger*innen kaum Chancen auf die Anmietung von Wohnraum haben. Es gibt seit 2017 im Kreis Viersen rund 26 % weniger verfügbare Wohnungen für diesen Personenkreis.
Der Verein hat aus diesem Grund mehrere Wohnungen angemietet, die an wohnungslose Menschen untervermietet sind. „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir auf diesem Wege weitere Vermieter*innen finden würden, die uns Kleinstwohnungen zur Anmietung zur Verfügung stellen“, so Martina Maaßen, Vorsitzende von MOWO e.V.
Anlässlich des 35-jährigen Bestehens von Menschen ohne Wohnung e.V. hat der Verein zur Unterstützung seiner Arbeit einen Kunstdruck aufgelegt. Hierfür konnte der bekannte Zeichner, Illustrator und Maler Martin Lersch gewonnen werden. Der Offsetdruck „Sinnender Klingsor“ – entstanden 2009/10 im Rahmen von Illustrationen mit Farbstiften und Chinatusche zu Hermann Hesses Roman „Klingsors letzter Sommer“ – auf Recycling-Karton, im Format 33×33 cm, ist signiert und nummeriert, hat eine Auflage von 70 Exemplaren und kann zum günstigen Preis von 35,00 € bei Menschen ohne Wohnung e.V. (mowo-viersen@online.de / 02162-24627)sowie in der Buchhandlung Im Kaisereck, Rathausgasse 3 in Alt-Viersen erworben werden.
Martin Lersch stammt aus Mönchengladbach, lebt seit 2006 in Goch. In Viersen ist er unter anderem bekannt durch seine Bemalung einer großen Wand in der Albert Vigoleis Thelen-Bibliothek. (opm)





