Alter Friedhof an St. Remigius wird zur grünen Oase im Herzen Viersens

Wer in den vergangenen Jahrzehnten am alten Friedhof hinter der Kirche St. Remigius vorbeiging, nahm ihn allenfalls als stillen, beinahe vergessenen Ort wahr. Zwischen knorrigen Bäumen und vermoosten Grabsteinen wirkte er eher wie ein Relikt aus einer anderen Zeit – stimmungsvoll, aber kaum einladend. Doch dieser Zustand wird sich nun grundlegend ändern.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming

Viersen – Der historische Friedhof, ein Stück lebendiger Stadtgeschichte, wird in den kommenden Wochen umfassend neugestaltet und künftig als gepflegter Erinnerungs- und Begegnungsort in der Innenstadt erstrahlen. Was zunächst wie ein kleines Vorhaben wirkt, ist tatsächlich ein bedeutender Schritt für den Erhalt und die Aufwertung eines der ältesten kulturhistorischen Orte Viersens. Der alte Friedhof, der auf Gräber aus dem 17. bis frühen 20. Jahrhundert zurückblickt, war einst die zentrale Begräbnisstätte der katholischen Gemeinde St. Remigius. Im 19. Jahrhundert mehrfach erweitert, diente er bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts als letzte Ruhestätte für Generationen Viersener Bürgerinnen und Bürger.

In den 1990er Jahren wurde ein Teil des Friedhofsgeländes in das Außengelände der angrenzenden Kindertagesstätte integriert – der verbleibende Bereich jedoch blieb erhalten und wurde seither zum stummen Zeitzeugen einer bewegten Stadtgeschichte. Historiker und Heimatfreunde widmeten sich immer wieder der Aufarbeitung seiner Geschichte, etwa in Vorträgen oder Stadtführungen. Dennoch drohte das Areal zunehmend in Vergessenheit zu geraten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Das nun begonnene Sanierungs- und Umgestaltungsprojekt ist das Ergebnis einer beispielhaften Zusammenarbeit: Die katholische Kirchengemeinde St. Remigius hat gemeinsam mit der Sparkasse Krefeld, den Sparkassen-Stiftungen im Kreis Viersen und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) ein Konzept entwickelt, das gleichermaßen historische Würde bewahrt und zeitgemäße Nutzung erlaubt. Neben finanzieller Unterstützung bringen die Projektpartner auch denkmalpflegerisches Know-how ein – eine Kombination, die dem sensiblen Ort gerecht wird.

Die planerische Gestaltung stammt aus der Feder des renommierten Büros Hermanns Landschaftsarchitektur/Umweltplanung aus Schwalmtal. Der Entwurf schafft die Balance zwischen Respekt vor dem historischen Kontext und einer einladenden, offenen Gestaltung für heutige Besucher.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Zentrale Maßnahme: Ein neu angelegter, befestigter Weg wird künftig quer über das Friedhofsgelände führen. Nicht nur erleichtert er den Zugang für Spaziergänger, sondern macht den Friedhof auch zu einem sicheren Verbindungsweg – auch bei Dunkelheit, denn erstmals wird das Gelände beleuchtet. Eine durchdachte Wegführung soll die Grabstätten respektvoll einrahmen und gleichzeitig Raum zum Verweilen bieten.

Besonders sensibel wird mit den vorhandenen Grabmalen umgegangen. Viele der historischen Steine stehen heute nicht mehr an ihrem ursprünglichen Platz – eine Folge jahrzehntelanger Veränderungen und Umnutzungen. Statt sie zu ignorieren oder zu entfernen, werden sie nun neu angeordnet. Ziel ist ein harmonisches Gesamtbild, das die geschichtliche Bedeutung der einzelnen Grabstätten würdigt und gleichzeitig die Lesbarkeit des Friedhofs als Ensemble wiederherstellt.

Was hier entsteht, ist weit mehr als ein Denkmal vergangener Zeiten: Der alte Friedhof wird zu einem Ort des Nachdenkens, des Lernens – und auch der Begegnung. Ein grüner Rückzugsort im Zentrum Viersens, der Einheimischen wie Besuchern offensteht. Die Wiederherstellung und behutsame Umgestaltung zeigen, wie historische Orte auch im 21. Jahrhundert lebendig bleiben können – wenn man sie mit Sorgfalt behandelt. Die Umsetzung beginnt in den kommenden Wochen, die Fertigstellung ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Viersen darf sich auf ein neues altes Kleinod freuen – still, würdevoll und künftig wieder sichtbar für alle. (nb)