Die aktuellen Temperaturen sorgen für ein beeindruckendes Naturschauspiel, denn mittlerweile ist die Krötenwanderung am Niederrhein gestartet. Die größte Gefahr geht für die Tiere allerdings nicht von Fressfeinden, sondern vom Straßenverkehr aus.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen
Kreis Viersen – In einigen Regionen Deutschlands wandern Kröten, Frösche, Molche und Unken bereits von ihren Winterquartieren zu den Laichgewässern um sich dort zu paaren. Auch hier am Niederrhein beginnt die Krötenwanderung. Sobald die nächtlichen Temperaturen auf mehr als fünf bis sechs Grad ansteigen erwachen die Amphibien aus ihrer Starre und sorgen für einiges an Arbeit bei engagierten Tierschützern.
Grund hierfür ist der Wanderweg der Tiere, der häufig über Straßen und dort zum Tode führt. Dabei sterben die Wanderer nicht nur unter den Autoreifen, ebenfalls eine große Geschwindigkeit ist Auslöser für einen zu hohen Luftdruck, der die Organe von Kröten oder Fröschen platzen lässt. Die Tiere verenden qualvoll.
Im Süchtelner Fritz- und Salbruch gilt deshalb ein besonders aufmerksamer Blick auf die Straße, auch am Schwalmtaler Heidweiher ist Vorsicht geboten. Wo andernorts lange Amphibienschutzzäune aufgestellt werden müssen, die mehrmals täglich nicht nur kontrolliert werden, sondern an denen die Tiere auch eingesammelt und zur anderen Seite gebracht werden, bietet sich an anderer Stelle die Möglichkeit von Pollern, die von den Ehrenamtlern bis Mitte April täglich abgebaut und wieder aufgestellt werden. Auf die Sperrung der Wirtschafswege weisen zudem Hinweisschilder hin.
Ebenfalls die Stadt Willich ist aktiv: Darum werden wie in den vergangenen Jahren in dieser Phase Teile des Nierswegs zwischen der Venloer Straße (L 29) und dem Mühlenbruch sowie der Wirtschaftsweg In der Donk zwischen Am Buschhof und dem Donkweg gesperrt.
Udo Hormes aus dem Team „Umwelt und nachhaltige Stadtentwicklung“ im Geschäftsbereich Stadtplanung erläutert, dass Amphibien derzeit fast im gesamten Stadtgebiet wandern. „Auf Fahrten im Bereich von Wirtschaftswegen sollte grundsätzlich verzichtet werden – und im übrigen Stadtgebiet auf Amphibien insbesondere während der Dämmerung und in der Nacht sollte man Rücksicht nehmen“, so Hormes.

Mehr als 43.000 verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten und rund 70 verschiedene Lebensräume bilden die Grundlage für den Artenreichtum in Nordrhein-Westfalen. Auch in Nordrhein-Westfalen ist der Verlust an biologischer Vielfalt weiterhin hoch. Rund 45 Prozent der untersuchten Tier-, Pilz- und Pflanzenarten stehen in Nordrhein-Westfalen auf der „Roten Liste“ – sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben.
Die Ursachen des Artenrückgangs und des Verlustes biologischer Vielfalt sind menschengemacht: Neben den Folgen des Klimawandels gehören hierzu die Zerstörung, Belastung und Zerschneidung naturnaher Lebensräume und der fortschreitende Flächenfraß. (opm/dt)


