Die Bürgermeisterwahl in Viersen bleibt spannend: Am Sonntag setzte sich CDU-Kandidat Christoph Hopp mit 45,7 Prozent der Stimmen deutlich an die Spitze, verfehlte jedoch knapp die absolute Mehrheit. Nun tritt er am 28. September in der Stichwahl gegen SPD-Herausforderer Peter Schmitz an, der 25,07 Prozent auf sich vereinte. Für Hopp ist es die zweite Chance – und zugleich ein neuer Aufbruch. Doch, wer ist Christoph Hopp und was will er für Viersen erreichen? RS-Redakteurin Sabrina Köhler hat nachgefragt.
Viersen/Kommentar – Christoph Hopp ist bei der diesjährigen Kommunalwahl als klarer Favorit aus der ersten Wahlrunde hervorgegangen. Doch eine Stichwahl könnte das Ergebnis noch drehen. Für Hopp ist diese Ausgangslage kein Grund zur Nervosität, sondern vielmehr ein weiterer Ansporn. Der 57-Jährige, der bereits 2020 kandidierte und damals nur knapp an der Amtsinhaberin scheiterte, zeigt sich kämpferisch und voller Tatendrang. Seine Botschaft ist klar und einprägsam: „Zukunft. Möglich. Machen.“
Hopp ist ein Mann, der seine Heimatstadt in- und auswendig kennt. Geboren am 28. Dezember 1968 in Viersen, verbrachte er seine gesamte Kindheit und Jugend hier, besuchte Grundschule und Gymnasium vor Ort und absolvierte schließlich ein Lehramtsstudium für Französisch und Geschichte in Köln und Düsseldorf. Nach dem Referendariat war er Lehrer an Realschule und Gymnasium, seit 2015 ist er Schulleiter des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums in Viersen. Seine berufliche Laufbahn zeigt – er bringt Führungserfahrung aus einem Bereich mit, der täglich Zukunft gestaltet. Und dennoch ist er weit mehr als nur Schulleiter – er ist jemand, der die Stadt als Ganzes im Blick hat, der seit Jahren ehrenamtlich aktiv ist, sei es im Vorstand der Rheinischen Direktorenvereinigung, im Rotary-Club oder im Förderverein der Festhalle. „Die Schule ist für mich eine Berufung“, sagt er. „Doch jetzt will ich Verantwortung in einem größeren Rahmen übernehmen: für die ganze Stadt.“
Sein Engagement für Viersen ist längst nicht nur beruflicher Natur. Seit 2019 gehört er dem Stadtrat an, inzwischen sitzt er in vier Ausschüssen und hat sich als Stimme des Dialogs etabliert. In Gesprächen mit Bürgern fällt auf, dass Hopp zuhört, dass er ernst nimmt, was an ihn herangetragen wird, und dass er dabei stets lösungsorientiert denkt. Politik ist für ihn kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um den Alltag der Menschen zu verbessern. Wer mit ihm spricht, merkt sofort: Hier kandidiert kein Berufspolitiker, sondern ein leidenschaftlicher Lokalpatriot.
Privat ist Hopp seit über 30 Jahren mit seiner Frau Patricia verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Söhne, Jonas und Johan, beide sind mittlerweile selbst Lehrer. Die Familie beschreibt er als seinen „Rückhalt und Energieanker“. Wenn er nicht für Schule oder Politik unterwegs ist, findet man ihn am heimischen Herd. Kochen ist seine Leidenschaft, gerne auch international – von französischer Küche bis zu asiatischen Currys. Urlaub führt ihn oft nach Südfrankreich, in die Provence, wo er nicht nur das Essen, sondern auch die Geschichte und Kultur aufsaugt.
Auch die Musik spielt eine Rolle: In jungen Jahren war Hopp Keyboarder in einer Band mit dem Namen „Stonehenge“. Und Fußball? Klar: Als echter Niederrheiner schlägt sein Herz für Borussia Mönchengladbach. Sein sportliches Vorbild ist allerdings kein Spieler, sondern ein Trainer: Lucien Favre. „Er hat gezeigt, wie man ein Team mit kluger Aufstellung stark machen kann. Das ist auch als Bürgermeister der richtige Weg.“

Wenn man Hopp fragt, was er als Bürgermeister ändern möchte, sprudeln die Ideen nur so aus ihm heraus. Er will Viersen nicht nur verwalten, sondern gestalten, eine Stadt schaffen, die in allen vier Stadtteilen lebens- und liebenswert ist, die Tradition und Moderne vereint und die für die kommenden Jahrzehnte bestens aufgestellt ist. Seine Vision ist eine Stadt, die attraktiv ist für Familien, für junge Menschen, für Senioren und für Unternehmen. Er spricht von mehr Grünflächen, von modernen Einkaufsmöglichkeiten, von einem lebendigen Rathausmarkt, von Kulturveranstaltungen, die über die Grenzen hinausstrahlen. Er will, dass Viersen nicht nur ein Ort ist, den man kennt, weil man dort wohnt, sondern ein Ort, den man gerne besucht und auf den man stolz ist.
Konkret heißt das: Boisheim soll seinen dörflichen Charakter bewahren, zugleich aber noch attraktiver für junge Familien werden – mit Kita, Grundschule und guter Nahversorgung. In Dülken möchte er das gastronomische Angebot ausbauen, damit sich das historische Städtchen zu einem echten Treffpunkt entwickelt. Süchteln sieht er als Ort für Kleinkunst und Einzelhandel, während er die Viersener Innenstadt durch neue Konzepte, moderne Geschäfte und einen belebten Rathausmarkt wieder in den Mittelpunkt rücken will. Überall soll bezahlbarer Wohnraum entstehen, generationenübergreifendes Wohnen soll gefördert werden, und leerstehende Ladenlokale könnten zu Wohnungen umgebaut werden, damit das Stadtbild lebendiger wird.
Doch Hopp denkt nicht nur an das Wohnen und die Innenstädte. Er weiß, dass Viersen eine moderne Verwaltung braucht, die nicht als Hürde empfunden wird, sondern als Partner. Er möchte dafür sorgen, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen unkompliziert, freundlich und schnell erledigen können. Digitalisierung soll die Behördengänge erleichtern, Anträge sollen zügiger bearbeitet werden. Für Hopp ist es unverständlich, dass viele Menschen den Kontakt mit dem Rathaus scheuen, weil sie zu lange warten oder von Schreibtisch zu Schreibtisch geschickt werden. Er will eine Verwaltung, die bürgernah und serviceorientiert arbeitet, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motiviert sind und stolz darauf Gestalter dieser Stadt zu sein.
Auch das Thema Sicherheit liegt ihm am Herzen. Hopp ist überzeugt: Eine Stadt kann nur dann lebendig sein, wenn sich die Menschen sicher fühlen. Deshalb plant er, den Busbahnhof und andere neuralgische Orte durch Videoüberwachung sicherer zu machen. Er möchte mehr Straßenbeleuchtung installieren, Streetworker einsetzen und die Arbeit von Vereinen und Kulturprojekten nicht an den Rand drängen, sondern mitten in der Stadt sichtbar machen. Integration, so Hopp, müsse gelingen, damit neue Mitbürger nicht in Parallelwelten abdriften. Musterbeispiele gelungener Integration will er öffentlich hervorheben, um Vorbilder und Orientierung zu schaffen.
Ebenfalls wirtschaftlich will er Viersen nach vorne bringen. Für ihn ist der Bürgermeister gleichzeitig Wirtschaftsförderer Nummer eins. Er möchte neue Unternehmen in die Stadt holen, bestehende Betriebe stärken, Gewerbeflächen entwickeln und Genehmigungsverfahren beschleunigen. „Investitionen brauchen Vorfahrt“, sagt er. Dazu gehört auch, regelmäßig den Kontakt zur Wirtschaft zu suchen, Unternehmertreffen zu organisieren und ein Strukturkonzept für neue Gewerbegebiete wie den Ransberg zu erarbeiten. Seine Devise: Wer als Stadt attraktiv für Unternehmen ist, schafft nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Einnahmen, die wiederum in Schulen, Straßen und Kultur fließen können.
Ein weiteres Herzensthema von Hopp ist die Sauberkeit und das Erscheinungsbild der Stadt. Er möchte, dass Viersen blüht – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Kreisverkehre, Eingangsbereiche und öffentliche Plätze sollen schöner gestaltet werden, lokale Unternehmen und Vereine sollen eingebunden werden. Aktionen wie „Viersen blüht“ will er dauerhaft etablieren und nicht nur als kurzfristige Effekte stehen lassen. Gleichzeitig denkt er an die Natur: das Süchtelner Wildgehege soll modernisiert werden, Wald und Natur sollen durch Lehrpfade erlebbar gemacht werden, und die Möglichkeit eines Baggersees als Naherholungsgebiet möchte er ernsthaft prüfen.
Doch Hopp will nicht nur an Infrastruktur, Verwaltung und Wirtschaft arbeiten, er denkt auch an den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Für ihn ist Viersen eine Stadt, die menschlicher werden muss, die gegen Einsamkeit kämpft, die die Jugend einbindet und die Kultur stärkt. Er möchte Partnerschaften mit europäischen Städten wieder aufleben lassen und neue hinzufügen, um gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten ein Zeichen für Zusammenhalt und Verständigung zu setzen. Viersen soll eine Kulturhauptstadt am Niederrhein bleiben, ein Ort, an dem Musik, Theater und Kunst ihren Platz haben. Und auch die älter werdende Bevölkerung hat er im Blick: Krankenhäuser und Gesundheitszentren sollen gestärkt werden, damit die medizinische Versorgung langfristig gesichert bleibt.
Sein Programm ist umfassend und ambitioniert, doch es wirkt nie abgehoben. Es ist durchzogen von praktischen Vorschlägen, vom klaren Blick auf die Bedürfnisse der Menschen in der Stadt. Hopp redet nicht von großen Visionen ohne Bezug, er spricht von Dingen, die den Alltag direkt betreffen: sichere Straßen, einladende Plätze, schnelle Behördenwege, neue Wohnungen, mehr Kultur. Es sind Ideen, die zeigen, dass er zuhört, wenn Bürger ihm erzählen, wo der Schuh drückt.
Bei aller Ernsthaftigkeit verliert Hopp aber nie die menschliche Seite aus den Augen. Er ist Familienmensch, leidenschaftlicher Hobbykoch, Frankreichliebhaber, Musikfreund und Borussenfan. Wer ihm begegnet, spürt, dass er kein abgehobener Politiker ist, sondern einer von hier, einer, der die Sorgen kennt, weil er sie selbst erlebt hat. Das macht ihn nahbar, greifbar, authentisch.
Nun steht die Entscheidung bevor. Am 28. September entscheidet sich, ob Christoph Hopp tatsächlich ins Viersener Rathaus einzieht. Der erste Wahlgang hat gezeigt, dass viele Bürgerinnen und Bürger ihm zutrauen, die Stadt zu führen. Mit 45,7 Prozent der Stimmen liegt er klar vor seinem Herausforderer. Doch Stichwahlen haben ihre eigenen Gesetze. Hopp selbst blickt mit Zuversicht auf den Wahltermin: „Die Unterstützung aus dem ersten Wahlgang ist ein starkes Signal. Jetzt geht es darum, noch mehr Menschen von unserem Weg zu überzeugen.“ Ob er es schafft, wird sich am 28. September zeigen. (sk)

Anmerkung der Redaktion: Wie bereits eingangs erwähnt, handelt es sich um einen Kommentar der Redakteurin. Ein Kommentar ist ein journalistischer Text, der dazu dient eine Meinung auszudrücken. Darin gibt der Autor seine Einschätzungen oder Anmerkungen zu einem bestimmten Thema oder einer aktuellen Nachricht wieder. Im Mittelpunkt steht dabei die persönliche Stellungnahme des Autors, die den Kern des Textes ausmacht.




