Candelaria: Ziel der Pilger ist die schwarze Madonna

Der kleine Fischerort Candelaria an der Küste von Teneriffa ist einer der bedeutendsten katholischen Wallfahrtsorte der Kanaren. Hier, in der Basílica de Nuestra Señora de la Candelaria, wird die schwarze Madonna, die Virgen de la Candelaria, aufgewahrt, die Schutzheilige der Kanaren.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Teneriffa/Spanien – Direkt am Meer, an der Südostkirche der Vulkaninsel Teneriffa, liegt das kleine Fischerdorf Candelaria. In jedem Jahr wird der Ort nicht nur von den Tinerfeños, den Einwohnern der Insel, besucht, ebenfalls zahlreiche Pilger aus dem Ausland besuchen den bedeutendsten katholischen Wallfahrtsort der Kanaren um die schwarze Madonna zu sehen, die 100 Jahre vor Ankunft der Spanier von den Ureinwohnern, den Guanchen, am Strand gefunden worden sein soll.

Hier trennt sich die Legende von der Forschung, die direkt mit zwei Thesen die Herkunft der Statue ergründet. So wird davon ausgegangen, dass die Figur 1826 von einer Sturmflut aus einer Kapelle fortgerissen wurde oder, was für viele wahrscheinlicher ist, dass zwei Missionare die Marienfigur mitbrachten. Die häufigsten Berichte verweisen auf die Zeitspanne von 1390 bis 1405.

Foto: Rheinischer Spiegel

Die Legende dagegen erzählt von der angespülten Figur am Strand von Güímar, in der die Männer zunächst eine Frauengestalt erkannten. Den Guanchen war es nicht erlaubt eine Frau ohne Begleitung anzusprechen. Einer der Männer hob einen Stein auf und wollte ihn werfen, damit die Frau den Strand verlassen würde, doch sein Arm erstarrte ohne einen Wurf tätigen zu können. Sein Begleiter versuchte mit einem Steinkeil festzustellen, ob in dem „Körper“ noch Leben war, als seine Haut tiefe Schnittwunden bedeckten.

Mystische Kräfte waren am Werk, da waren sie sich sicher, als sie erkannten, dass es sich um eine Holzfigur handelte. Erschrocken von den Ereignissen berichteten sie ihrem Stammesführer von der Figur, der die Figur persönlich am Strand betrachtete und sie mit in die Höhle Chinguaro nahm. Als er sie erblickte, verfiel er ihrer Schönheit und als der verletzte Guanche die Figur berührte heilten augenblicklich seine Wunden. Ihr zu Ehren steht noch heute am Kreuz am Strand.
Wallfahrten finden besonders am 2. Februar und am 14. sowie 15. August statt.

Foto: Rheinischer Spiegel

1446 wurde mit der Höhle Achbinico ein Ort der Verehrung für die Marienfigur geschaffen und nach der Eroberung der Insel durch die Kastilier wurde ein Altar errichtet, an welchem katholische Taufen durchgeführt wurden. 1526 wurde die Figur in eine neu errichtete Kapelle überführt, die Höhle erhielt den neuen Namen Cueva de San Blas. Vier Jahre später wurde das Marienbildnis gemeinsam mit der Kapelle einem Dominikanerorden übergeben und ein Kloster errichtet, in welchem die Pilger zur Ruhe fanden.

König Philipp II. erklärte sich im Jahre 1596 zum Schutzherrn der Figur, seit dieser Zeit übernahmen die spanischen Könige aus Tradition diese Aufgabe. Am 26. März 1599 erklärte Papst Clemens VIII. die Jungfrau von Candelaria zur Schutzpatronin des Bistums Kanarische Inseln, welches zu dieser Zeit noch alle Inseln umfasste. Dennoch, auch nach der Aufteilung der Inseln in zwei Bistümer bestätigte Papst Pius IV. 1867 die Figur als erste Schutzheilige beider Diözesen.

Foto: Rheinischer Spiegel

Langsam wurde es eng in der Kapelle, die zudem verfiel und so wurde im Jahre 1669 eine dreischiffige Basilika an der Stelle der Kapelle erbaut. Während der Bauzeit wurde die Figur zurück in die Höhe gebracht und dort verehrt. 1672 wurde die Klosterkirche eingeweiht und die Figur zurückgebracht. 1705 wurde das Marienbildnis aus Sicherheitsgründen nach San Christóbal de La Laguna gebracht, als es zu einem Erdbeben und einem Ausbruch des Vulkans de Las Arenas in Arafo kam. Dort verblieb sie für fünf Monate und musste ebenfalls 1789 erneut weichen, als ein Feuer Kloster und Basilika zerstörte. Bis zur Fertigstellung einer neuen Klosterkirche 1803 wurde die Figur erneut in der Höhle des heiligen Blasius verehrt und ebenfalls der Bau einer Wallfahrtskirche begann, der 1818 aus Geldmangel eingestellt wurde.

Im Herbst 1826 tobte ein Unwetter über Teneriffa und Wassermassen rissen mehrere Häuser mit sich. Ebenfalls die noch nicht fertiggestellte Basilika war betroffen. Hierbei wurde nicht nur ein Teil der Ausstattung der Kirche in das Meer gespült, auch die Figur verschwand in den Wellen.
Nach dem Vorbild des Originals wurde 1827 der Bildhauer Fernando Estévez von den Dominikanern beauftragt eine neue Figur zu schaffen, die 1830 eingesegnet wurde. (dt)

Die Bronzefiguren der Stammesfürsten (Menceys) am Strand von Candelaria zählen ebenfalls zu den begehrten Fotomotiven. Foto: Rheinischer Spiegel