Am heutigen Mittwoch, Aschermittwoch, beginnt die Fastenzeit. Viele Schulen laden zu einem besonderen Gottesdienst ein. Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie das Lehrerkollegium sind eingeladen. Auf Wunsch wird dort das Aschenkreuz gespendet.
Von Peter Josef Dickers
Literarisches – Das Aschenkreuz erinnert daran, dass wir unser Leben nicht festhalten können. Alles, was ist, geht zu Ende. Aber es entsteht neues Leben. Unser eigenes Leben trägt dazu bei.
Ich erinnere mich an eine Begebenheit, die lange zurückliegt, aber unvergessen geblieben ist.
Zum ersten Mal zeichnete ich Personen am Aschermittwoch mit Asche ein Kreuz auf die Stirn. Mein Dienst in der Pfarre hatte vor einigen Monaten begonnen. Zunächst verlief alles nach Plan. Kinder und Erwachsene standen oder knieten vor mir und empfingen als Zeichen ihrer Vergänglichkeit ein Kreuz auf der Stirn. Traditionell verwendet man Asche von verbrannten Palmzweigen des Vorjahres. Wir hatten entschieden, Masken und Luftschlangen zu Asche werden zu lassen und beim Aschenkreuz zu verwenden.
Eine Ordensfrau kniete vor mir, Kopf und Gesicht weitgehend verhüllt mit dem Ordens Habit, nur Augen, Nase und Mundpartie unbedeckt. Wo das Aschenkreuz anbringen? Ich wagte einen Versuch Richtung linke Wange. Abwehrendes Handzeichen. Gleiche Reaktion, als ich auf der rechten Back das Kreuz anbringen wollte. Sollte ich fragen: „Wo hätten Sie es gern?“ „Würden Sie bitte die Haube abnehmen? Ich zögerte. Überlegungen, wie die Festung zu stürmen war, konnte ich keiner spontanen Idee überlassen. Die Ordensfrau blieb stumm, „verschlossen.“. Ich blickte in ein regloses Gesicht.
Überraschend bot sie Hilfestellung an. Mit der rechten Hand wies sie nach oben. Ich suchte Blick-Kontakt. Vergeblich. Ihre Augen blieben demutsvoll nach unten gerichtet. Offensichtlich bestand sie auf dem Aschenkreuz. Sie streckte einen Arm in die Höhe und wies auf eine Stelle hin, wo sich unter der Haube vermutlich ihr Kopfhaar befand, versteckt wie Juwelen in der Vitrine. Ich schloss daraus, dass in jener Gegend die angemessene Stelle für das Zeichen Ihrer Bußfertigkeit war.
Ob es sich so verhielt, wusste nur sie. Ob sich ihre Mienen aufhellten, als das Kreuz angekommen war, verbarg der Schleier. Über Gedankengänge einer Ordensfrau soll selbst der liebe Gott nicht Bescheid wissen.
Der Vorgang sprach sich als schlagzeilenträchtige Nachricht herum. Der Trottel hätte wissen müssen, wie verschlüsselte Beziehungen entschlüsselt werden. Mit dem Makel musste ich leben.
Bis zum nächsten Aschermittwoch blieb mir ein Jahr Zeit zum Üben. (opm)


Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.
„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.




