Wie kann die Schule junge Menschen bestmöglich auf eine sich rasant verändernde Welt vorbereiten? Mit dieser Leitfrage beschäftigten sich die Gymnasien Mönchengladbachs und Jüchens bei einer gemeinsamen Großveranstaltung in der Bischöflichen Marienschule.
Mönchengladbach – Unter dem Motto Zukunft LERNEN kamen rund 800 Vertreter aus den Kollegien, der Bildungsforschung, Stadtverwaltung, Wissenschaft sowie Schüler und Eltern am Bunten Garten zusammen.
Die Konferenz ist ein Schulterschluss der Gymnasien beider Kommunen. Statt isolierter Einzelprojekte setzen die Schulen bewusst auf Austausch und Vernetzung. Die Veranstaltung ist in eine langfristig angelegte Strategie eingebettet, mit der die Städte die Qualitätsentwicklung stärken und Lehrkräfte in Transformationsprozessen unterstützen möchten.
Für die in dieser Form ungewöhnliche Veranstaltung gab es prominente Unterstützung – und so eröffneten Schulministerin Dorothee Feller und Oberbürgermeister Felix Heinrichs den Kongress und richteten Grußworte an die Teilnehmenden.
Den wissenschaftlichen Hauptimpuls lieferte Prof. Dr. Anne Sliwka von der Universität Heidelberg. Die Bildungsexpertin gilt als eine der prägenden Stimmen in der aktuellen Schulentwicklungsdebatte im deutschsprachigen Raum. In ihrem Vortrag zeigte die Wissenschaftlerin Perspektiven auf, wie Lernen zeitgemäß gestaltet und die Schulorganisation neu gedacht werden kann.
Im Zentrum des Tages standen dann konkrete Herausforderungen des Schulalltags. In rund 80 Workshops und Diskussionsrunden ging es unter anderem um den sinnvollen Einsatz digitaler Technologien und Künstlicher Intelligenz im Unterricht, um demokratische Wertevermittlung im Schulkontext sowie um die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus.
Darüber hinaus wurden Fragen der Lehrerprofessionalisierung, der mentalen Gesundheit und der Haltung im pädagogischen Beruf aufgegriffen. Ziel des Tages war es, nicht nur theoretische Konzepte zu diskutieren, sondern unmittelbar nutzbare Ansätze für die Praxis mitzunehmen.
Daran anschließend widmeten sich zum Beispiel Johanna Koch und Marvin Kamphausen vom Alumniverein der SchulBrücken e.V., einem europäischen Jugendprojekt, und Reinhard Bitter, Lehrer am Hugo-Junkers-Gymnasium, in ihrem Workshop ‚Demokratiespiele‘ dann auch dem Thema, wie das Konzept der Demokratie über Spiele im Unterricht vermittelt werden kann.
Sie fragten die Besucher ihrer Veranstaltung, was der Brettspiel-Klassiker ‚Die Siedler von Catan‘, eine Schulklasse und die Zukunft der Stadt Mönchengladbach miteinander zu tun haben? Die Antwort: Eine ganze Menge, zumindest dann, wenn man sich auf das Projekt Demokratiespiele einlässt, das bereits kurz vor den Sommerferien 2025 am Hugo-Junkers-Gymnasium Station machte. Die mediale Berichterstattung führte zu einer Vernetzung mit dem Schulamt und einer Einladung zum Bildungskongress.
Die Veranstaltung verlief für die Teilnehmer sehr unterhaltsam und kam mitten aus dem Leben, denn während des Workshops wurde deutlich, wie viel Potenzial in einem legendären Brettspiel-Liebling stecken kann. Schon mit dem ersten Würfelwurf stellte sich nämlich die Frage, was Straßenbau, Rohstoffhandel und strategische Entscheidungen mit Politik und mit unserem Zusammenleben in der Vitus-Stadt konkret zu tun haben? Im Nachgang zu einer Spielrunde der teilnehmenden Pädagogen entwickelten sich aus dem Spielklassiker, der schon 30 Jahre alt ist, während und vor allem nach dem Spiel intensive Diskussionen über Gerechtigkeit, Regeln und Verantwortung.
Marvin Kamphausen, Projektmoderator unter dem Dach der Deutschen Nationalstiftung in Hamburg, begleitet seit vielen Jahren europäische Jugendbegegnungen. Mit dem noch neuen Angebot der ‚Demokratiespiele‘, das vom Alumniverein der SchulBrücken gemeinsam mit der Vespasian-Gesellschaft entwickelt wurde, möchte er politische Bildung in Schulen oder in Jugendzentren niedrigschwellig ermöglichen.
„Ob Ressourcenknappheit, faire Startbedingungen oder Protektionismus – im Spiel ‚Catan‘ steckt eine ganze Menge Politik“, berichtete Kamphausen. „Es geht darum, Parallelen zur Wirklichkeit zu entdecken und ins Gespräch zu kommen.“ In der anschließenden Reflexion stellten sich die teilnehmenden Lehrer schließlich die entscheidende Frage: Was können schon Schüler am ‚Spielbrett der Stadt Mönchengladbach‘ tun, damit unser Zusammenleben gelingt, gerade mit Blick auf die Landtagswahlen in diesem Jahr?
„Zumal die Parallelen zur Realität frappierend sind“, erklärte Lehrer Reinhard Bitter. Er setzt auf das ‚peer-to-peer-Prinzip‘: Junge Erwachsene bereiten andere junge Menschen darauf vor, selbst aktiv zu werden – als Gesprächspartner, Vermittler, Demokratieförderer. „Catan“, so sieht er es, „ist ein Türöffner. Wenn wir über Gerechtigkeit, Regeln und Verantwortung sprechen, ist der Weg zu politischen Fragen plötzlich ganz kurz“.
Für die Bildung der Zukunft in den Nachbarstädten Mönchengladbach und Jüchen war der Kongress ein großer Erfolg, daran glauben auch die Pädagogen des Hugo-Junkers-Gymnasiums. Denn während das Kollegium intensiv in den zahlreichen Workshops mitarbeitete, Lehrer Reinhard Bitter mit Referent Marvin Kamphausen, einem Absolventen des ‚Hugos‘, einen Workshop leitete, war das liberale Traditionsgymnasium an der Brucknerallee auch noch an anderer Stelle zentral vertreten. Birgit Sommer, die mit einer Gruppe Kollegen der anderen Schulen den Bildungskongress maßgeblich organisierte, begrüßte am Eingang mit leidenschaftlichem Einsatz hunderte Teilnehmer – und das an ihrem Geburtstag.
Schulen, Lehrkräfte und Einrichtungen, die Interesse an einem ‚Demokratiespiele‘-Projekttag haben, können sich über die Website informieren und mit Blick auf die Wahlen der Zukunft eine Durchführung buchen: www.demokratiespiele.de. (opm)





