Für einen Vormittag verwandelte sich die Aula der Johannes-Kepler-Schule in eine Bühne des Profi-Sports. Wo sonst Unterricht, Projekttage und Informationsveranstaltungen stattfinden, dominierten nun Pucks, Hockeyschläger und schwarz-gelbe Farben das Bild. Mit Lucas Lessio und Simon Thiel waren zwei Spieler der Düsseldorfer EG zu Gast und gaben rund 150 Schülerinnen und Schülern einen Einblick in den Alltag des Leistungssports – nahbar, humorvoll und mit deutlicher rheinischer Färbung.
Von RS-Redakteurin Saskia Köhler und Rita Stertz
Viersen-Süchteln – Eingeladen waren sämtliche Klassen des sechsten Jahrgangs sowie jene Jugendlichen der Klassen sieben bis zehn, die Anfang Februar am sogenannten „Schools Day“ teilgenommen hatten. Am 6. Februar hatten sie in Düsseldorf ein Ligaspiel besucht; der Gegenbesuch der Profis in der Schule bildete nun den Abschluss dieses Projekts. Zwei Stunden lang erlebten die Jugendlichen ein ebenso strukturiertes wie lebendiges Programm, das sportliche Wettbewerbe mit persönlichen Gesprächen verband.

Im Mittelpunkt standen vier Spielstationen, die auf der Bühne aufgebaut waren und das Publikum immer wieder einbezogen. Ein Quiz stellte Fragen zu Sport, Allgemeinwissen und Eishockeyregeln, verlangte Konzentration und Schnelligkeit. Beim Fußballdart, einer Mischung aus Zielschießen und Geschicklichkeitsspiel, ging es um Treffsicherheit. Beim Puckstapeln mussten möglichst viele Pucks in kurzer Zeit zu einem stabilen Turm aufgeschichtet werden – eine Übung, die Feinmotorik ebenso erforderte wie Teamkoordination. Besonders viel Heiterkeit löste jedoch das eigens betitelte „R(h)ein-Derby“ aus. Hier balancierten Schülerinnen und Schüler Tennisbälle auf Hockeyschlägern und transportierten sie in schwarz-gelbe Behälter. Auf einem Motiv prangte ein DEG-Männchen, das augenzwinkernd ein Logo des Rivalen aus Krefeld in einen Mülleimer beförderte – eine ironische Anspielung auf die traditionsreiche Rivalität zwischen Düsseldorf und dem KEV. Die Sticheleien blieben sportlich; Gelächter überwog jede Form von Ernst.
Durch das Programm führten zwei Jugendliche aus der Schülerschaft selbst: Daria aus der zehnten Klasse und Max aus der achten. Max spielt aktiv Eishockey in Grefrath und brachte entsprechend Fachkenntnis mit, wenn es um Taktik, Trainingsumfänge oder Spielsysteme ging. Daria hingegen ist bekennende Dauerkarteninhaberin beim KEV – und sah sich nun in der Rolle, ausgerechnet Profis der Düsseldorfer EG zu interviewen. Dass sie dabei ein Lessio-Trikot aus dessen Krefelder Zeit trug, entging weder dem Publikum noch dem Spieler. Denn Lessio hatte bis zur vergangenen Saison noch beim KEV unter Vertrag gestanden. Die Konstellation verlieh dem Vormittag zusätzliche Würze und wurde von allen Beteiligten mit Humor aufgenommen.

In den Gesprächsrunden gewährten die Profis Einblicke in ihre Laufbahnen. Lucas Lessio berichtete von seiner Draft-Erfahrung im Jahr 2011 und schilderte Unterschiede zwischen dem nordamerikanischen Eishockey und den europäischen Ligen – vom Spieltempo über die kleinere Eisfläche bis hin zur physischen Intensität. Simon Thiel zeichnete seinen Weg aus dem Nachwuchsbereich in Mannheim in den Profisport nach und sprach über seine Auszeichnung als bester U21-Spieler der DEL2-Saison 2021/22. Beide Spieler beschrieben den Trainingsalltag als strukturiert und fordernd: Kraft- und Athletikeinheiten am Vormittag, Eistraining, Videoanalysen, Auswärtsfahrten über mehrere hundert Kilometer. Auch weniger glamouröse Aspekte kamen zur Sprache – etwa die Notwendigkeit, sich in neuen Teams schnell einzufügen, Wohnungen zu wechseln oder mit Leistungsdruck umzugehen.
Auf die Frage aus dem Publikum, ob man als Eishockeyprofi „reich“ werde, antworteten beide differenziert. Nur ein kleiner Teil der Spieler verdiene Summen, die langfristige finanzielle Sicherheit garantierten; für viele sei Disziplin im Umgang mit Geld ebenso wichtig wie sportliche Leistung. Die Offenheit, mit der die Profis auf persönliche und bisweilen direkte Fragen reagierten, verlieh der Veranstaltung Authentizität.
Nach dem Bühnenprogramm bildete eine ausgedehnte Autogrammstunde den Abschluss. Geduldig signierten Lessio und Thiel Trikots, Brotdosen, Hefte und Eintrittskarten, posierten für Fotos und führten kurze Einzelgespräche. Immer wieder bildeten sich kleine Trauben von Schülerinnen und Schülern, die noch eine taktische Frage stellen oder ein Selfie aufnehmen wollten. Die Nähe zu den Profis schien für viele der Jugendlichen der eindrücklichste Moment des Tages zu sein.
Die Düsseldorfer EG, 1935 gegründet, zählt zu den traditionsreichen Standorten des deutschen Eishockeys und tritt derzeit in der DEL2 an. Neben dem Profibetrieb engagiert sich der Verein seit Jahren in der Nachwuchsarbeit und öffnet mit Formaten wie dem „Schools Day“ gezielt die Arenatüren für Schulklassen und Vereine. Der Besuch in Viersen-Süchteln fügte sich in diese Strategie ein, Sport als Erfahrungsraum unmittelbar zugänglich zu machen.
Die Johannes-Kepler-Schule wiederum, eine MINT-Schule NRW mit rund 700 Schülerinnen und Schülern und etwa 45 Lehrkräften, setzt ihren Schwerpunkt auf technisch-naturwissenschaftliche Bildung. Ein schuleigener Makerspace, moderne Informatik- und Technikräume sowie Projekte digitaler Bildung prägen das Profil. Zugleich engagiert sich die Schule in der Erinnerungskultur und gehört zu den Mitgründern der Virtuellen Gedenkstätte Viersen. (sk)





