Wenn das Josefshaus lacht: In Soetele kennt der Karneval kein Alter

Mit jeder Menge Herzblut hat die dritte Seniorensitzung des Festausschusses Süchtelner Karneval und der Senioren Miteinander-Füreinander Süchteln am vergangenen Donnerstag das Josefshaus in eine fröhlich pulsierende Narrenhochburg verwandelt. Den Gästen wurde ein prall gefüllter Nachmittag aus Musik, Tanz, Humor und Emotionen geboten.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Rita Stertz

Soetele – Die dritte Süchtelner Seniorensitzung hatte von der ersten Minute an klar gemacht, dass hier nicht nur gefeiert, sondern gelebt wird. Was folgte, war ein karnevalistischer Nachmittag voller Musik, Tanz, Emotionen und ehrlicher Nähe – getragen von generationsübergreifender Begeisterung und einer Atmosphäre, die den Karneval so nahbar und lebendig machte wie selten zuvor.

Mit sicherem Gespür für Tempo, Pointen und Stimmung führten Detlef Belk und Karl-Ludwig „Lucki“ Hollweck durch das Programm. Zwei Moderatoren, die nicht nur durch Worte verbanden, sondern mit Herz und Haltung den roten Faden spannten. Mal augenzwinkernd, mal herzlich, immer nah am Publikum – genau so, wie es eine Seniorensitzung braucht, die diesen Namen verdient.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Den ersten kraftvollen Akzent setzte das Trompetercops Schwarz-Weiß Mönchengladbach 1992 unter der Leitung von Bianca Ebeler. Die Trompeten schmetterten, die Trommeln trugen den Rhythmus direkt in den Bauch, Marsch und Moderne verschmolzen zu einer Klangkulisse, die das Josefshaus augenblicklich auf Betriebstemperatur brachte. Man sah mitwippende Füße, klatschende Hände und Gesichter, die sich an frühere Karnevalszüge erinnerten. Musik als Zeitmaschine … flüsterte eine Seniorin vorne an der Bühne. Sie sollte das Corps noch häufiger an diesem Nachmittag bewundern können, begleiteten sie doch jeck die verschiedenen Einzüge auf die Bühne.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Emotional tief verankert im Programm war der Auftritt des Shanty-Chors von Senioren Miteinander-Füreinander Süchteln. In bunten Kostümen, ein Durchschnittsalter von 77 Jahren, aber eine Stimmkraft, die mühelos den Raum füllte. Unter der musikalischen Leitung von Axel Büsch und Oliver Zentgraf entfaltete sich eine Klangwelt, die nach Salzluft, Fernweh und Gemeinschaft schmeckte. Seit 17 Jahren besteht der Chor inzwischen, und jede Note erzählte von dieser Geschichte.

Von den ersten Proben im März 2009, angestoßen durch einen einzigen Anruf von Irmtrud Thelen, bis hin zu großen Auftritten, Benefizkonzerten und dem Neustart nach der Pandemie. Die Shantys, einst Arbeitslieder der Seeleute, wurden hier zu Lebensliedern. Man spürte, wie sehr diese Musik verbindet – Sänger untereinander, Bühne und Saal, Vergangenheit und Gegenwart. Manche Augen glänzten verdächtig, als die Refrains durch den Raum rollten.

Dann gehörte die Bühne ganz Karl-Ludwig „Lucki“ Hollweck – und der Saal wusste sofort: Jetzt wird es ehrlich, scharf beobachtet und urkomisch. Büttenrede hat nichts mit Geburtsjahr, sondern alles mit Timing, Haltung und Lebenserfahrung zu tun. Schon mit seinen ersten Sätzen hatte er das Publikum fest in der Hand. Er erzählte vom Älterwerden, von Erwartungen der Gesellschaft und von den Tücken der Bürokratie – treffsicher, selbstironisch und nah am Alltag. „Mit 60“, so Hollweck augenzwinkernd, „zählst du schon zur Risikogruppe – und laut Rentenversicherung sollst du dann mit 70 am besten noch malochen.“ Als er schließlich von seinem Arztbesuch berichtete, hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Die Untersuchung habe ein Organversagen ergeben, erklärte Lucki mit unschuldigem Blick – auf die Nachfrage, welches Organ denn betroffen sei, habe der Arzt trocken geantwortet: „Deine Leber ist am Arsch.“ Der Saal tobte, lachte, klatschte und erkannte sich in jeder Pointe wieder.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Nahtlos schloss sich die Kapellengarde des Festausschusses Süchtelner Karneval unter der Leitung von Michelle Cremer an. Moment, da hatten sich doch noch andere Farben unter das bekannte Gelb-Schwarz gemischt. Richtig, auch Tänzerinnen der KV De Üüle aus Dölke waren gerne auf der Bühne zu Gast, um gemeinsam mit ihrem Medley zu brillieren. Und noch jemand stach heraus … das Süchtelner Kinderprinzenpaar, welches, wenn sie nicht gerade regieren, das Tanzbein gekonnt schwingt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Noch spektakulärer wurde es beim anschließenden Showtanz der Süchtelner Tanzgarde: Eine fantasievolle Reise in den Central Park Zoo nach New York, inklusive Freiheitsstatue, Großstadtflair und augenzwinkerndem Fernweh. Die Bühne verwandelte sich in eine pulsierende Metropole – und das Publikum ging begeistert mit auf diese Reise.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Nach diesem musikalischen Anker wurde es weiterhin bunt, quirlig und wunderbar lebendig, als die Bambini-Garde und die Kleine Garde der KG De Brook Müerkes die Bühne eroberten. Kleine Füße, große Wirkung. Mit erstaunlicher Disziplin und strahlenden Gesichtern zeigten die Jüngsten, dass Karneval in Süchteln eine Zukunft hat – und was für eine. Jeder Sprung, jede Drehung wurde mit herzlichem Applaus belohnt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Auch das 57. Süchtelner Kinderprinzenpaar sorgte anschließend für Gänsehaut. Prinz Jonas II. und Prinzessin Hannah II. standen auf der Bühne wie zwei junge Sonnen. Stolz, aufgeregt, aber vollkommen in ihrem Element. Jonas, sportlich, neugierig, voller Energie, Hannah, ehrgeizig, tänzerisch, mit einem Lächeln, das mühelos den ganzen Saal einnahm. In ihren Worten, Gesten und Blicken lag spürbar, wie sehr sie diese Rolle genießen und wie ernst sie sie zugleich nehmen. Unterstützt von ihrem Vorsitzenden Dominic Manz wurde deutlich: Diese beiden tragen die Tradition der KG De Brook Müerkes nicht nur weiter, sie füllen sie mit neuem Leben.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Besonders bewegend wurde es beim Programmpunkt „Süchtelner mit Herz“. Im Solotanz berührte das Mariechen ebenso wie die Rede von Marc Eßer. Worte, die nicht pathetisch waren, sondern ehrlich. Die Spendenübergabe an Senioren Miteinander-Füreinander Süchteln machte deutlich, dass Karneval hier nicht an der Bühnkante endet. Solomariechen Kimberley Zimmermann setzte diesem Moment mit ihrem Tanz einen emotionalen Glanzpunkt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Mit donnerndem Applaus und spürbarer Erwartung zog anschließend das Dreigestirn des Festausschusses Süchtelner Karneval gemeinsam mit der strahlenden Süchtelner Prinzengarde in den Saal ein. Prinz Nicolai I., Jungfrau Thomas „Thomina“ und Bauer Uwe präsentierten sich als geschlossenes Trio, das trotz unterschiedlicher Charaktere eine gemeinsame Botschaft verkörperte: Karneval lebt von Persönlichkeit, Hingabe und echter Verbundenheit zur Stadt. Prinz Nicolai I. strahlte diese Mischung aus Herzlichkeit und Bodenständigkeit aus, die man nicht inszenieren kann. Als langjähriger Karnevalist, ehemaliger Vorsitzender des Festausschusses, Fußballer aus Leidenschaft und Wirt der Bürgerklause kennt er das Vereinsleben Süchtelns aus jeder Perspektive. Seine Prinzenwürde war kein Amt auf Zeit, sondern die Erfüllung eines lange gehegten Herzenswunsches.

Glanzvoll, schillernd und mit augenzwinkerndem Charme setzte Jungfrau Thomas „Thomina“ den bewussten Kontrast. Als Unternehmer, Familienmensch und bekennender Karnevalist brachte er nicht nur Farbe, sondern auch Haltung auf die Bühne. Zwischen Pailletten, Perücke und hohen Schuhen bewegte sich Thomina mit einer Selbstverständlichkeit, die gleichermaßen unterhielt und beeindruckte. Seine Auftritte verbanden Showtalent mit feinem Humor und einer Portion Selbstironie – ein Spiel mit Rollenbildern, das den karnevalistischen Geist von Freiheit und Verwandlung lebendig machte. Dabei blieb stets spürbar, dass hinter der schillernden Fassade echtes Engagement und große Leidenschaft für den Süchtelner Karneval standen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Für Ausgleich, Erdung und ruhige Stärke sorgte Bauer Uwe, der als dritter im Bunde die perfekte Balance herstellte. Verwurzelt im Vereinsleben, geprägt von jahrzehntelangem ehrenamtlichem Einsatz, stand er für Verlässlichkeit und Beständigkeit. Ob als ehemaliger Prinz, langjähriger Sitzungspräsident, Handballtrainer beim ASV Süchteln oder in seinem Beruf als Schornsteinfegermeister – Uwe van de Venn brachte Erfahrung, Ruhe und Authentizität in das Dreigestirn ein. Dabei hatte der Festausschuss Süchtelner Karneval zudem noch eine Überraschung für den Seniorenkarneval, konnten doch durch ein WDR-Radio-Gewinnspiel 1.000 Euro übergeben werden. So viel Ehre, so viel jecke Freude … das i-Tüpfelchen setze Laura, das Mariechen der Süchtelner Prinzengarde. Ne, Soetele is doch immer widder schön.

Für musikalische Abwechslung sorgte anschließend Detlef Belk selbst. Mit eigenen Songs und bekannten Titeln aus Karneval, Schlager und Party brachte er das Josefshaus noch einmal in Bewegung. Mitsingen, Schunkeln, Klatschen – niemand blieb außen vor.

Nun fehlt aber doch noch etwas … und das soll hier einen eigenen Absatz in der Nachlese erhalten … nämlich die Ehrung verdienter Karnevalistinnen und Karnevalisten. Besonders feierlich war die Übergabe der Ehrenurkunde an Hildegard Jabs für 45 Jahre Mitgliedschaft im Festausschuss Süchtelner Karneval durch Udo Pöltzig, Vorsitzender des Festausschusses Süchtelner Karneval – ein Lebenswerk im Zeichen des Frohsinns. Karl-Ludwig Hollweck durfte sich zudem über die Auszeichnung „Narr mit Herz“ der KG Süchtelner mit Herz freuen – sichtbar gerührt, sichtlich stolz.

Als sich nach rund vier Stunden langsam die Reihen lichteten, blieb dieses Gefühl zurück, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein. Kein lauter Abschied, sondern viele Umarmungen, warme Worte und das sichere Wissen: Karneval in Süchteln lebt – generationenübergreifend, herzlich und voller Seele. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz