Im Dülkener Bürgerhaus schunkelten die Jecken mit der KV De Üüle

Als sich am gestrigen Samstagabend die Türen des Bürgerhauses Dülken öffneten, lag etwas Besonderes in der Luft. Nicht nur Konfetti, Parfüm und der Duft frisch gezapften Bieres mischten sich unter die erwartungsvollen Jecken, sondern auch ein spürbares Gefühl von Neuanfang und Aufbruch.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Leo Dillikrath

Dölke – Der Kappenabend des Karnevalsvereins De Üüle war mehr als nur eine weitere Veranstaltung im närrischen Kalender – er war ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich dieser Verein nach einem schweren Jahr mit Wucht, Würde und ganz viel Lebensfreude zurückgemeldet hat.

Noch in der vergangenen Session hatte ein interner Vorfall den Verein bis ins Mark erschüttert. Ein ehemaliges Vorstandsmitglied hatte die Vereinskasse geplündert, das Vertrauen war beschädigt, die Zukunft ungewiss. Doch was an diesem Abend im Dülkener Bürgerhaus zu erleben war, erzählte eine andere Geschichte: eine Geschichte von Zusammenhalt, neuem Mut, frischem Engagement und echtem karnevalistischem Herzblut. Ein neu gewählter Vorstand hatte Verantwortung übernommen, Sponsoren hatten Vertrauen gezeigt, Helferinnen und Helfer hatten angepackt – und vor allem hatte der Verein wieder ein Programm auf die Beine gestellt, das dem Namen De Üüle alle Ehre machte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Schon der feierliche Einmarsch setzte den Ton für den Abend. Unter Applaus, Jubelrufen und geschwenkten Hüten zog der Verein in den Saal ein, begleitet von Musik, Lichtern und diesem unverwechselbaren Kribbeln, das nur der Karneval erzeugen kann. Das Publikum – eine bunte Mischung aus Vereinsmitgliedern, Familien, Freunden, Unterstützern und eingefleischten Dülkener Jecken – erhob sich von den Plätzen und ließ die Üüle hochleben. Die Begrüßung war herzlich, persönlich und geprägt von Dankbarkeit: Dank an alle, die geblieben sind, geholfen haben und an den Verein geglaubt haben, auch als es schwierig war.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Für einen ersten emotionalen Höhepunkt sorgte eine Überraschung aus den eigenen Reihen der Dülkener Karnevalsfamilie. Marcus Schacht vom Vaterstädtischen Verein Dülken griff zum Mikrofon und brachte dem Publikum ein musikalisches Geschenk mit. Sein Gesang war mehr als nur eine Einlage – er war ein Zeichen der Verbundenheit zwischen den Vereinen, ein musikalischer Handschlag und ein hörbares „Ihr seid nicht allein“.

Ein besonders feierlicher Moment folgte mit der Ehrung von Wesley Stobbe. Frank Gramberg, Regionalpräsident des Regionalverbandes Linker Niederrhein der Föderation Europäischer Narren, überreichte ihm den „Narr von Europa“ in Bronze. Die Laudatio zeichnete den Weg eines jungen Karnevalisten nach, der seit 2018 Mitglied bei De Üüle ist. Begonnen hatte Stobbe als Tänzer in der großen Tanzgarde, später war er Teil der gemischten Garde. Über Jahre hinweg hatte er mit Disziplin, Leidenschaft und Ausstrahlung das Publikum begeistert und die Garden bereichert. Inzwischen trägt er als zweiter Kassierer Verantwortung im Vorstand.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Karneval lebt von Tanz – und davon gab es an diesem Abend reichlich. Die drei Garden des Vereins De Üüle zeigten eindrucksvoll, was monatelanges Training, Teamgeist und Begeisterung auf die Bühne bringen können. Präzise Schritte, strahlende Gesichter, farbenfrohe Kostüme und mitreißende Choreografien ließen das Publikum immer wieder aufspringen. Jeder Auftritt war ein eigenes kleines Feuerwerk, getragen von Stolz und Freude, wieder vor heimischem Publikum stehen zu können.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Auch die Politik war an diesem Abend vertreten – und zwar in karnevalistisch bester Stimmung. Die stellvertretende Bürgermeisterin Simone Gartz richtete ein Grußwort an den Saal, würdigte das Engagement des Vereins und betonte die Bedeutung des Ehrenamts für das gesellschaftliche Leben in Dülken.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Ein besonderer Gänsehautmoment war der gemeinsame Tanz der Kapellengarde Süchteln mit den Üüle-Garden. Bereits in der vergangenen Session hatte diese Kooperation begeistert, und auch diesmal zeigte sich, wie verbindend der karnevalistische Tanz sein kann. Musikalisch ging es anschließend mit ordentlich Druck auf den Lautsprechern weiter. Beng K.O.X aus Schwalmtal brachte Party, Power und ein großes Herz für Mallorca mit nach Dülken. Der Vollblut-Entertainer, der längst fester Bestandteil der feierwütigen Szene zwischen Playa de Palma und deutschen Festhallen ist, verwandelte das Bürgerhaus in eine brodelnde Partyzone. Hits wie „Malle wir lieben dich“, „Düsenjet“ und „3 Tage Kopf aus“ gehören zu seinem Programm.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Sportlich-elegant wurde es mit dem Solistenmedley der Tanzsportgemeinschaft Zons e.V. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer zeigten karnevalistischen Tanzsport auf hohem Niveau, mit Ausdruck, Technik und spürbarer Leidenschaft. Später setzte die Showtanzgruppe der TSG Zons noch einen drauf und bewies eindrucksvoll, warum der Verein mit seinen über 80 Mitgliedern bei Turnieren des BDK und der VKAG regelmäßig überzeugt. Hinter den Kulissen – das wurde an diesem Abend deutlich – steht eine starke Gemeinschaft aus Trainerteam, Nähteam und Betreuern, die den Erfolg erst möglich macht.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Natürlich durften auch die Tollitäten nicht fehlen. Sowohl das Dülkener Kinderprinzenpaar, Prinz Nico I. und Prinzessin Marie I., als auch das amtierende Prinzenpaar, Prinz Ralf I. und Prinzessin Sandra I., gaben sich die Ehre und brachten neben närrischem Glanz auch gesangliche Beiträge samt Tänzen mit auf die Bühne. Strahlende Kinderaugen, funkelnde Ornate und das ehrwürdige Prinzenornat sorgten für echtes Karnevalsflair.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Für emotionale Töne sorgte zudem Sängerin Chantal Will. Die 36-jährige Solokünstlerin aus der Zülpicher Börde überzeugte mit einer Stimme, die Erfahrung und Gefühl transportierte. Ihre musikalische Laufbahn, die bereits vor mehr als 20 Jahren begann und sie über Bands und das Karnevalsduo „Domhätzjer“ bis zur Solokarriere führte, war in jedem Ton spürbar.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Mitreißend war ebenfalls der Auftritt der Showtanzgruppe Lollipop aus Nettetal. Seit 1994 aktiv, inzwischen mit mehr als 20 Tänzerinnen stark, präsentierte sich die Gruppe temperamentvoll, präzise und voller Ausstrahlung. Auch sie sind wettkampferprobt – und das sah man jeder Bewegung an.

Den krönenden Abschluss lieferte die kölsche Mundart-Band Volljaas aus der Nordeifel. Der Name war Programm: Mit Vollgas, Leidenschaft und „Spass an d’r Freud“ brachten die fünf Musiker den Saal endgültig zum Kochen. Spätestens beim gemeinsamen Singen, Schunkeln und Tanzen war klar: Dieser Kappenabend war geglückt. Als die letzten Töne verklangen und im Saal noch lange „Dreemoal Gloria tibi Dülken“ und „Wenn die Üüle wühle“ zu hören waren, stand fest: De Üüle sind lebendig, jeck und fest verankert im Herzen des Dülkener Karnevals. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath