Die Kostümsitzung der Roahser Jonges wurde zum närrischen Wintermärchen

Fastelovend im Winterkleid hieß es auch gestern Abend in Viersche. Der Schnee hatte sich hartnäckig gehalten, die Kälte kroch durchs Roahser, und vielerorts wurde der Wunsch laut, das Thermometer möge endlich wieder Plusgrade anzeigen. 
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming

Viersche-Roahser – Doch im Winterfestzelt der KG Roahser Jonges 1936 e.V. spielte das Wetter schnell keine Rolle mehr. Hier wurde gelacht, getanzt, gesungen und geschunkelt, bis die klirrende Kälte draußen vergessen war. Die Kostümsitzung entpuppte sich als ein mitreißender, farbenfroher Abend voller karnevalistischer Emotionen, getragen von Herzblut, Tradition und einer tiefen Liebe zur 5. Jahreszeit.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

DJ Detlef Belk sorgte von Beginn an für den passenden musikalischen Rahmen und stimmte das Publikum mit Karnevalsklassikern und aktuellen Hits auf einen langen Abend ein. Durch das Programm führten die beiden Sitzungspräsidenten Wolfgang Genenger und Lothar Beeck, die mit Charme, Erfahrung und spürbarer Verbundenheit zur Gesellschaft den roten Faden des Abends hielten.

Mit dem feierlichen Einmarsch der Gesellschaft und dem Kinderkarneval nahm die Sitzung ihren Anfang. Unter großem Applaus zogen die jüngsten Aktiven der KG Roahser Jonges ins Winterzelt ein und bewiesen eindrucksvoll, dass der Karneval hier Zukunft hat. Im Mittelpunkt standen dabei Kinderprinz Moritz I. und Kinderprinzessin Caro I. (Funk), die gemeinsam mit der Kinderprinzengarde und der Tanzgarde die Bühne eroberten. Die beiden Geschwister, zwölf und vierzehn Jahre alt, verkörpern den Kinderkarneval der Roahser Jonges wie kaum andere. Von Kindesbeinen an sind sie tief verwurzelt im Vereinsleben, engagiert, neugierig und voller Begeisterung für alles, was Gemeinschaft ausmacht.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ihr Sessionslied „Karneval im Pulverschnee“, griff nicht nur den winterlichen Rahmen auf, sondern spiegelte auch ihre persönliche Leidenschaft wider. Wintersport, Natur, Bewegung und Abenteuer – all das fließt in ihre närrische Regentschaft ein. Moritz, sonst als Kommandant der Kinderprinzengarde gewohnt, den Takt anzugeben, und Caro, die seit ihrer Mini-Zeit als Tänzerin begeistert auf der Bühne steht, strahlten pure Lebensfreude aus.

Der anschließende Gardetanz der Tanzgarde setzte ein erstes tänzerisches Ausrufezeichen des Abends. Mitreißende Schrittfolgen zeugten von intensiver Trainingsarbeit. Unter der Leitung von Leonie Herfeldt, Elke Schröer-Herfeldt und Greta Walter präsentierten Emma Aust, Emilie Beckers, Lara Beckers, Gina-Iolie Böckels, Amelie Breme, Mila Gersch, Jette Karschkes, Diana Lesych, Milana Lesych, Laura Meusen, Jana Nöllner, Carla Pelzer, Josefine Scarlata, Finja Stolarov, Liona Theloy, Luisa Theloy und Annalena Vieten einen Auftritt, der mit viel Applaus belohnt wurde.

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Mit Harry & Achim folgte ein Programmpunkt, der im rheinischen Karneval seit jeher für sichere Lacher steht. Ihr klassisches Zwiegespräch lebte von Schlagfertigkeit, perfektem Timing und einer liebevoll-bissigen Beobachtung des Alltags. Rede und Gegenrede wechselten sich in rasantem Tempo ab, kein Stichwort blieb unbeantwortet, keine Pointe ohne Nachschlag. Spontan, frech und stets am Puls des Publikums spielten sich die beiden in einen regelrechten Rederausch, der das Winterzelt zum Toben brachte.

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Unter tosendem Applaus öffneten sich dann die Reihen im Winterzelt, und das Prinzenpaar der Narrenherrlichkeit Viersen zog ein. Begleitet vom Viersener Tambour Corps 1925, das mit kraftvollem Trommelwirbel und präzisem Marschrhythmus den feierlichen Rahmen setzte, marschierten Prinz Wolfgang III. und Prinzessin Estefania I. ein. Der Klang der Trommeln, das Schmettern der Fanfaren und das rhythmische Klacken der Stiefel ließen keinen Zweifel daran, dass nun der königlich-närrische Moment des Abends erreicht war.

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Mit jedem Schritt wuchs die Spannung im Zelt, die Blicke richteten sich geschlossen auf das närrische Regentenpaar. Strahlende Gesichter, funkelnde Augen und eine sichtbare Freude über das Wiedersehen mit ihrem Volk prägten den Einzug. Ihr Auftritt wurde natürlich komplettiert von ihrer Begleitung der Prinzengarde der Narrenherrlichkeit Viersen, die ebenso die Tanzbeine schwang wie auch ihre Regimentstochter Anna-Lena.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Mit „Ne Spätzünder“ betrat anschließend ein Redner die Bühne, der sich längst einen festen Platz in den Programmen der Session erarbeitet hat. Frank Friederichs überzeugte mit einer gelungenen Mischung aus lauten Pointen und feinem Humor. Seine Beobachtungen aus dem Alltag, präzise formuliert und mit viel Gespür für Zwischentöne vorgetragen, sorgten für anhaltendes Gelächter. Die Erfahrung früherer Auftritte war deutlich spürbar, ohne dass die Frische verloren ging.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Tänzerisch ging es weiter mit den Roahser Funken. Seit ihrer Gründung im Sommer 2023 haben sie sich in kürzester Zeit zu einem festen Bestandteil des Viersener Karnevals entwickelt. Auch in dieser Session präsentierten Alexia Burokostas, Lina Hindrichs, Emily Kerl, Sophie Luhnen, Anna Maintz, Marie Prohl, Joyce Volkmann und Lea Wittke unter der Leitung von Trainerin Maike Gütjens einen Gardetanz voller Energie, Leidenschaft und Präzision. Passend zum Sessionsmotto „Verliebt en oser Viersche“ strahlte der Auftritt Heimatverbundenheit und jugendliche Dynamik aus.

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Mit den Funky Marys erreichte die Stimmung im Zelt einen neuen Höhepunkt. Fünf Frauen, fünf Stimmen und eine geballte Ladung Bühnenpräsenz füllten den Raum. Andrea Schönenborn, Yvonne Schönenborn, Tabea Scholdan, Anja Keul und Melissa Lübke begeisterten mit kraftvollen Songs, harmonischem Gesang und einer mitreißenden Show, die keinen Gast auf den Plätzen hielt.

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Ein weiterer Höhepunkt des Abends waren natürlich die Roahser Wibbels. Seit ihrem Debüt 2011 sind sie aus dem Viersener Karneval nicht mehr wegzudenken. Mit immer neuen Ideen, viel Humor und großer Spielfreude präsentierten Jakob Beeck, Lothar Beeck, Oskar Beeck, Arno Blasius, Sebastian Lennartz, Torsten Lennartz, Jonas Schiffer, Michael Schiffer und Max Schroeren ihren diesjährigen Auftritt. Trainiert von Eva Maria Telgen und Julia Blasius, überzeugten sie mit einem Auftritt voller Glitzer, Konfetti und jecker Lebensfreude, der eindrucksvoll zeigte, warum sie Generationen von Zuschauern begeistern.

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Im festlichen Rahmen der Sitzung wurden anschließend verdiente Karnevalisten geehrt. Wolfgang Genenger erhielt die Urkunde zum Ehrenvorstandsmitglied für seine langjährigen Verdienste um die KG Roahser Jonges. Mit großem Applaus wurden zudem neue Ehrensenatoren ernannt. Christoph Grundmann wurde für sein unermüdliches Engagement im Kinderkarneval, seine Unterstützung der Gesellschaft und seine Leidenschaft für den karnevalistischen Nachwuchs gewürdigt. Bernd Gütjens, seit Jahrzehnten eine tragende Säule hinter den Kulissen, erhielt Anerkennung für seine vielfältigen Beiträge – von der Lichttechnik über Bühnenbau bis hin zu seinen kreativen Ideen für die Wibbels. Nicole Schiffer, deren Lebensweg eng mit der KG verbunden ist, wurde für ihr jahrzehntelanges Engagement im Hintergrund geehrt, das den Verein bis heute prägt.

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Übrigens, natürlich wollen wir auch eine Ehrung der Roahser Prinzengarde nicht verschweigen, diese nämlich bedachte Lothar Woters mit der Ehrenauszeichnung der Prinzengarde in Gold für 22 Jahre Treue und Standfestigkeit zur Garde.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Mit dem Einzug der Roten Funken Köln hielt ein Stück kölscher Karnevalsgeschichte Einzug ins Winterzelt. In ihren markanten rot-weißen Uniformen präsentierten sich die Mitglieder des ältesten Traditionskorps des Kölner Karnevals und erinnerten an die tiefe Verwurzelung des Fastelovends in Brauchtum und Geschichte. Mit stolz geschwungenen Fahnen, funkelnden Knöpfen und markanten Uniformdetails erzählten sie ganz ohne Worte von über 200 Jahren Karnevalsgeschichte. Der Fokus der Session 2026, „ALAAF — Mer dun et för Kölle“, spiegelte sich dabei in Haltung, Auftreten und Ausstrahlung der Mitglieder wider, die den Fastelovend nicht nur repräsentieren, sondern leben.

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Musikalisch wurde es anschließend mit Cologne Unplugged. Die sechs Musiker überzeugten mit handgemachter Musik, starken Stimmen und gefühlvollen Arrangements. Kölsche Töne, deutsche Popmusik und bekannte Klassiker verschmolzen zu einem stimmungsvollen Set, das bewusst auf Effekte verzichtete und den Fokus ganz auf die Musik legte. Doch das bedeutete keinesfalls weniger Energie: Ganz im Gegenteil, die sechs Musiker verwandelten den Winterzeltboden in eine vibrierende Tanzfläche, die vom ersten Ton an den Funken der guten Laune übersprang.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Hendrik Brock am Gesang, Ansgar Anter-Biz an Gitarre und Gesang, Jens Buttler an Drums und Percussion, Dennis Kleimann an Gitarre und Gesang, Luca Busch am Bass und Gesang sowie Julien Freundt am Keyboard vereinten ihre jahrelange Erfahrung zu einer authentischen, mitreißenden Performance. Ihr Repertoire spannte einen weiten Bogen: von kölschen Tönen aus der Heimat über deutsche Popmusik bis hin zu bekannten Schlagern. Klassiker wurden neu interpretiert, große Hits bekamen frische Arrangements, und jede Note, jeder Gesangspart transportierte die Freude an der Musik direkt auf das Publikum.

Cologne Unplugged bewies, dass handgemachte Musik live jeden Effekt ersetzen kann. Ob stimmungsvolle Ballade, mitreißender Partyhit oder kölsche Hymne – die Band traf den Nerv der Karnevalsfreunde, die sich vollkommen auf den Rhythmus einließen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Mit der Fauth Dance Company Gentleman zog noch einmal geballte Energie auf die Bühne. Die Viersener Tänzer sind eben richtige heimische Gewächse und präsentierten sich nicht nur als visuelles Highlight, sondern rissen das Publikum mit purer Energie und Dynamik mit. Frisch, wild und ungebändigt interpretierten sie den Karneval auf ihre ganz eigene, moderne Art: Hier trafen temporeiche Streetdance-Elemente auf moderne, rhythmische Schritte. Musikalisch begleitet von treibenden Beats und fetzigen Karnevalshits, wirbelten sie über die Bühne, wechselten mit atemberaubender Geschwindigkeit zwischen langsamen, eleganten Bewegungen und explosiven, mitreißenden Passagen.

Die Fauth Dance Company bewies einmal mehr, dass Tanz im Karneval weit mehr ist als reine Darbietung: Es ist ein Erlebnis, das verbindet, ansteckt und elektrisiert. Die jungen Männer kombinierten Showelemente, perfektes Timing und eine gehörige Portion Humor zu einer Performance, die gleichermaßen technisch beeindruckend wie unterhaltsam war. Mit jedem Takt, jedem Rhythmus und jeder Bewegung wurde spürbar: Karneval ist Bewegung, Karneval ist Energie, Karneval ist hier und jetzt.

Als Tacheles die Bühne betrat, war schnell klar: Jetzt gibt es kein Halten mehr. Mit dem selbstbewussten Motto „Alles kann – Stimmung muss!“ entfachten die sechs Musiker vom ersten Ton an ein närrisches Feuerwerk, das das Winterzelt in kürzester Zeit in eine brodelnde Karnevalsarena verwandelte. Frontmann Rainer Schuster führte mit launiger Moderation, spitzer Zunge und rheinischem Augenzwinkern durch den Auftritt und nahm das Publikum sofort mit auf eine musikalische Achterbahnfahrt, bei der Richtung und Tempo jederzeit wechseln konnten.

Rainer Schuster, Franz Branntwein, Helwig-Maria Pingelmann, der schüchterne Schorsch, Elvis Massimiliano Maserati und Magic Manni schlüpften dabei in ihre skurrilen Bühnenfiguren, jede mit eigenem Charakter, eigenen Macken und unverwechselbarer Ausstrahlung. Zwischen Trompetenstößen, Gitarrenriffs, Schlagzeuggewittern und überraschenden musikalischen Wendungen verschmolzen Karnevalsklassiker, Schlager, Pop-Hits, Evergreens und eigene Kompositionen zu einem wilden Mix, der scheinbar mühelos alle Genregrenzen sprengte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Kaum war ein Lied angespielt, wurde schon mitgesungen, mitgeklatscht und geschunkelt. Mal verwandelte sich das Zelt in einen riesigen Chor, mal in eine tanzende Menge, die sich lachend und ausgelassen im Rhythmus bewegte. Spontane Einwürfe, kleine Wortgefechte auf der Bühne und absurde Aktionen sorgten immer wieder für überraschende Momente und lautes Gelächter. Tacheles spielte nicht nur für das Publikum, sondern mit ihm – jeder im Zelt wurde Teil der Show.

Die Zeit verging wie im Flug, getragen von guter Laune, Humor und einer ausgelassenen Atmosphäre, die den Geist des Karnevals in Reinform widerspiegelte. Auf den Stühlen hatte sowieso selten jemand gesessen und so entfaltete sich eine Party, die viel zu schnell ein Ende mit dem beginnenden Sonntag fand. Doch, wenn es am Schönsten ist, soll man ein Ende finden … neeee … denn gleich geht es wieder los im Roahser mit der dritten Sitzung in Alt-Viersche an diesem Wochenende. Und dann wird garantiert weitergefeiert … (sk)