Durchs Fenster geflattert: Fledermaus sorgt in Dülken für Aufregung

Ein lauer Sommerabend in Dülken – eigentlich wollte Martina H. mit ihrer Familie nur gemütlich den Abend ausklingen lassen. Doch plötzlich huschte ein dunkler Schatten durchs Wohnzimmer.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Dülken – Ein Flügelschlag, ein kurzer Aufschrei – und schon war klar: Hier hat sich ein ganz besonderer Gast eingeschlichen. Eine junge Fledermaus hatte den Weg durch das gekippte Fenster gefunden und sorgte für reichlich Aufregung bei der Familie. „Wir wussten gar nicht, wie wir reagieren sollen“, erzählt die Hausdame noch immer leicht aufgeregt. „Erst war da der Schreck – und dann die Faszination. So nah sieht man eine Fledermaus ja sonst nie!“

Doch was tun, wenn das kleine Nachttier plötzlich zwischen Couch und Bücherregal seine Kreise zieht? Genau das passiert momentan häufiger – und dafür gibt es eine einfache Erklärung: Im August und September sind besonders viele Jungtiere unterwegs. Sie erkunden die Welt und suchen nach neuen Quartieren. Ein gekipptes Fenster wirkt für sie wie ein verlockender Spalt – als Spaltenbewohner fühlen sie sich dort magisch hingezogen.

Wichtig: Keine Panik!

  • So aufregend der Besuch auch ist – gefährlich ist er nicht. Fledermäuse sind harmlos, sie beißen oder attackieren niemanden. Viel wichtiger ist es, Ruhe zu bewahren:
  • Nicht versuchen, die Fledermaus im Flug zu fangen! Das könnte für das Tier lebensgefährlich enden.
  • Oft reicht es, das Fenster weit zu öffnen, das Licht auszuschalten – und schon findet die Fledermaus meist von selbst hinaus in die Nacht.

Wenn sie nicht von selbst hinausfliegt

Hat man den Eindruck, dass das Tier schon länger in der Wohnung ist oder gar nicht mehr fliegen kann, gilt: sichern – aber richtig!

  • Am besten eine kleine Schachtel (z. B. Teeschachtel) mit Luftlöchern und etwas Küchenpapier nutzen.
  • Handschuhe anziehen oder ein weiches Tuch verwenden, um das Tier vorsichtig aufzunehmen.
  • Ganz wichtig: Anschließend unbedingt einen Experten kontaktieren! Fachkundige Hilfe gibt es unter www.fledermaus.nrw.

Auf keinen Fall sollte die Fledermaus einfach dann wieder draußen abgesetzt werden – nur ein geschulter Blick kann beurteilen, ob das Tier gesund ist. Besonders dann, wenn es verletzt ist oder Kontakt mit Hund oder Katze hatte, ist eine sofortige Behandlung lebenswichtig.

Hat sich einmal eine Fledermaus in die Wohnung verirrt, sollte man auch in den Tagen danach wachsam sein. Denn manchmal locken die Tiere mit ihren Rufen ihre Artgenossen an. Fenster also lieber geschlossen halten oder mit Fliegengitter absichern – und auch in Vasen, Eimern oder offenen Rohren nachsehen, ob sich nicht doch ein weiterer kleiner Flieger verirrt hat.

Martina und ihre Familie jedenfalls haben nach dem ersten Schreck vor allem eins gespürt: Staunen.
„Es war ein unglaubliches Erlebnis – so nah an einem wilden Tier, das man sonst nur in der Dämmerung am Himmel flattern sieht. Und es hat uns bewusst gemacht, wie wichtig es ist, solche Tiere zu schützen.“

Vielleicht ist der nächtliche Überraschungsbesuch ja auch eine Erinnerung daran, dass wir Menschen unseren tierischen Nachbarn mit Respekt und Vorsicht begegnen sollten. Denn Fledermäuse sind keine Plagegeister – sie sind faszinierende Jäger der Nacht, die dringend unsere Hilfe brauchen. (nb)

Foto: biancamentil/Pixabay