Engelsburg: Mausoleum, Festung und römisches Museum

Als Mausoleum fand die Engelsburg in Rom ihre ursprüngliche Bedeutung. Später zu einer Kastellburg und einem Gefängnis umgebaut, beherbergt sie heute ein Museum.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Rom/Italien – Für den römischen Kaiser Hadrian (177 – 138 n. Chr.) entstand die Engelsburg in Rom, die schon als Mausoleum an eine Festungsanlage erinnerte. Noch zu Hadrians Lebzeiten wurde im Jahr 136 mit dem Bau begonnen, der im Jahr 139 unter Antonius Pius beendet werden konnte. Erreichbar wurde das Castel Sant’Angelo oder auch Mauseleo di Adriano durch die bereits 133 n. Chr. erbaute, heutige Engelbrücke.

Doch das Mausoleum sollte nicht nur Kaiser Hadrian eine letzte Ruhestätte bieten, ebenfalls seine Frau Sabina, Kaiser Antoninus Pius und seine Frau Faustina, Kaiser Lucius Verus, Kaiser Mark Aurel, Kaiser Commodus, Kaiser Septimius Severus und Kaiser Marcus Aurelius Antoninus Bassianus, besser bekannt als Caracall wurden hier beigesetzt.

Der Name geht auf das Jahr 590 zurück, als Rom unter der Pest litt. Die Legende erzählt, dass Papst Gregor I. über dem Mausoleum die Erscheinung des Erzengels Michael gesehen haben soll, der das Schwert des göttlichen Zorns in die Scheide zurücksteckte und damit das Ende der Pest ankündigte. Tatsächlich fand die Pest ein Ende und so erinnert eine Statue des Engels Michael auf der Spitze der Festung an diese Begebenheit. Ursprünglich stand dort die Marmorstatue von Raffaello da Montelupo von 1577 bis 1752, diese ist heute im Innenhof, dem Cortile dell’Angelo, zu besichtigen, seit 1752 ziert die Spitze die von Peter Anton von Verschaffelt entworfene Bronzestatue.

Engelsburg Rom
Foto: Rheinischer Spiegel

Als die Stadtmauer verstärkt wurde, wurde das Mausoleum als Zitadelle in die Befestigungen integriert, im 6. Jahrhundert erfuhr die Engelsburg ihre Bedeutung mit einem Ausbau als Stützpunkt zur Kontrolle der Stadt.
Unter den Päpsten VI. und Nikolaus V. wurde die Engelsburg nochmals umgebaut, dieses Mal zu einer Festung, in der die Päpste sich prächtig ausgestattete Gemächer einrichteten. Sixtus V. schuf hier eine Schatzkammer, die einen Teil des Geheimarchivs umfasste. Zudem bestand ein Verbindungsgang (Passetto) zum Vatikan, diente die Engelsburg doch als Zufluchtsort bei Gefahr. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang die große Plünderung Roms (Sacco di Roma) durch die Truppen von Kaiser Karl V. im Jahr 1527. Papst Clemens VII. nutzte den Verbindungsweg und hielt einen Monat lang seinen Widerstand in der Engelsburg – und ebenfalls Pius VII. nutze die Engelsburg zur Flucht vor Napoleon Bonaparte.

Während der Inquisition diente die Engelsburg als Gefängnis, bis sie Ende des 18. Jahrhunderts von den Päpsten nicht mehr stetig berücksichtigt wurde und dann im 19. Jahrhundert von Soldaten der französischen Republik beschlagnahmt wurde. 1870 ging sie in den Besitz des italienischen Staates über und diente als Gefängnisfestung.

Engelsburg Rom
Foto: Rheinischer Spiege

Zu einem Museum wurde die Engelsburg in 1906, heute noch ist hier eine der prächtigsten Papstwohnungen, die Sala Paolina aus dem 16. Jahrhundert zu besichtigen. Das Gebäude kann in fünf Ebenen unterteilt werden, die Gefängnis, Lagerräume, militärische Bereiche, päpstliche Gemächer und Museum beinhalten. Auf der vierten Ebene befindet sich das Papstappartement mit manieristischen Fresken, unter anderem geschaffen durch Giulio Romano und Perino del Vaga, sowie die Schatzkammer (Sala del Tesoro), das reich verzierte Privatbad Clemens VII. (La Stufa) und die Terrasse mit dem Bronzeengel und der Armsünderglocke, die an die Grausamkeit der Welt und Vergänglichkeit des Schönen erinnern soll. In 58 Sälen können neben der Geschichte der Engelsburg ebenfalls Möbel, Waffen und Gebrauchsgegenstände besichtigt werden.

Im frühen 20. Jahrhundert erhielt das Bauwerk Bekanntheit durch die Oper Tosca von Puccini, in welcher sich die Darstellerin von der Engelsburg aus in den Tod stürzt. Ebenfalls Dan Brown bediente sich der Engelsburg als Kulisse in seinem im Jahr 2000 erschienenen Roman Illuminati, in welchem sich ursprünglich die Geheimgesellschaft in der Festung traf und ebenfalls der Attentäter hier Zuflucht gefunden hatte. Weitere Informationen zu aktuellen Öffnungszeiten und Eintrittspreisen sind auf der offiziellen Webseite der Engelsburg (castelsantangelo.beniculturali.it) einsehbar. (cs)