Erfolgreiche Premiere: Erstes Viersener Wechselcafé stärkt digitale Souveränität

Volles Haus im Grünen Büro, lebendige Diskussionen und ganz praktische Umstiege: Am 1. März hat sich Viersen erstmals am bundesweiten DiDay, dem „Digital Independence Day“, beteiligt. Ziel ist es, digitale Dienste großer, vor allem amerikanischer Konzerne durch europäische und gemeinwohlorientierte Alternativen zu ergänzen oder zu ersetzen. Organisiert wurde das erste Viersener Wechselcafé vom Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen.

Viersen – Schon in der Vorstellungsrunde wurde deutlich, wie groß das Bedürfnis nach digitaler Selbstbestimmung ist und wie verbreitet zugleich die Unsicherheit. „Endlich nicht mehr alleine sein mit dem Thema“, brachte eine Teilnehmerin die Stimmung auf den Punkt.
Inhaltlich ging es zunächst um die Geschäftsmodelle großer Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok, deren Algorithmen darauf ausgerichtet sind, Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange im eigenen System zu halten. Tim Kröber zeigte auf, wie dadurch Abhängigkeiten entstehen und welche Alternativen es gibt.

Ein zentraler Impuls war das sogenannte +1-System. „Niemand muss von heute auf morgen alles löschen“, erklärte Kröber. „Das +1-System heißt: Ich installiere zusätzlich eine freie Alternative und beginne Schritt für Schritt, mein Netzwerk dorthin mitzunehmen.“

Gerade beim Thema Messenger wurde das Dilemma deutlich: „Was nützt mir ein neues Chat-System, wenn Familie, Freunde und Kolleginnen bei WhatsApp bleiben?“ Die Empfehlung des Wechselcafés: parallel ein datenschutzfreundliches Angebot wie Signal nutzen und Kontakte behutsam einladen. Noch während der Veranstaltung entstand eine Signal-Gruppe, in der sich die Teilnehmenden künftig über ihre Erfolge und Hürden austauschen wollen.

Ruth Roettges stellte in einem weiteren Vortrag das Fediverse vor, ein föderiertes Netzwerk aus tausenden unabhängigen Servern, die über das ActivityPub-Protokoll miteinander verbunden sind.
„Ich entscheide mich für eine Instanz und kann trotzdem mit allen anderen kommunizieren“, erläuterte Roettges. Ob Kurznachrichten, längere Beiträge, Podcasts, Videos oder Blogs: Unterschiedliche Software-Angebote koexistieren gleichberechtigt. „Diese Dezentralität ist gelebte digitale Demokratie“, so Roettges weiter. „Keine zentrale Plattform kontrolliert alles. Das schafft Transparenz, Vielfalt und Resilienz.“

Zum Abschluss der Veranstaltung widmete sich die grüne Ratsfrau Isabelle Rietz dem Thema Künstliche Intelligenz. Sie zeigte sowohl die Potenziale als auch die Risiken auf.
„KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz für menschliche Verantwortung“, betonte Rietz. Ergebnisse müssten kritisch geprüft werden. „Wer KI-generierte Inhalte veröffentlicht, sollte das transparent kennzeichnen. Digitale Souveränität bedeutet auch, mit neuen Technologien reflektiert umzugehen.“

Die positive Resonanz bestärkt die Veranstalterinnen und Veranstalter: Eine Folgeveranstaltung ist bereits geplant. Bis dahin nutzt die neu gegründete Signal-Gruppe die Zeit, um Schwerpunkte festzulegen und erste konkrete Wechsel-Aktionen umzusetzen.
Das erste Viersener Wechselcafé hat gezeigt: Digitale Unabhängigkeit beginnt im Kleinen wächst aber schnell, wenn Menschen sich zusammentun. (opm)