Gesellschaftshaus der Gesellschaft Erholung in Viersen

Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden, begleitet von der industriellen Entwicklung, innerhalb der preußischen Rheinprovinz Bürgergesellschaften, die zu gemeinsamen Festen und kulturellen Abenden baten. 1877 entstand auf dieser Grundlage die bekannte Gesellschaft Erholung Viersen, die noch heute an der Bahnhofstraße zu ihren Veranstaltungen einlädt.

Viersen/Sehenswürdigkeit Der Erbauer des Hauses Bahnhofstraße 36 in Viersen (1883, Casinostraße 30) war der Fabrikant und Unternehmer Ewald Corty. Der Mönchengladbacher Architekt Wilhelm Weigelt, der auch den Umbau des Gebhard´schen Kontorgebäudes zum Rathaus der Stadt Viersen geleitet hatte, wurde mit der Planung und Ausführung des Neubaus beauftragt.

Der Bauherr Ewald Corty wurde 1834 als Sohn des Arztes Dr. Johann Heinrich Mathias Corty und der Helena Sartigen in Viersen geboren.
Einer seiner Paten war der in Viersen bekannte Christian Mengen. Im Jahre 1869 heiratete Corty die Tochter des aus Burgwaldniel stammenden Arztes Dr. Aloys Schmitz – Joanna Gertrud Thekla Schmitz. Am 03.10.1870 wurde der Sohn Johann Heinrich Ewald Corty geboren.

Stadtschützenzug, links im Bild das Gesellschaftshaus der Gesellschaft Erholung Viersen. – Foto: Privatarchiv Olaf Josten

Ewald Corty sen., mit vollem Namen Johann Franz Ewald Corty, wurde später in seiner Heimatstadt Viersen ein bekannter und geachteter Bürger, der sich als Fabrikant und Unternehmer einer Textilfabrik einen Namen machte. Sein Unternehmen hatte um 1900 ca. 350 Mitarbeiter. Ewald Corty wurde als Abgeordneter in den preußischen Landtag berufen sowie als Handelsrichter beim Handelsgericht in Mönchengladbach.
Corty war seiner Heimatstadt ein großzügiger Spender und wurde auch für den „Roten Adlerorden“ vorgeschlagen. Später führte sein Sohn das Unternehmen fort. Ewald Corty jun. baute sich auf der Wilhelmstr. 6 ein neues Haus. 1915 verstarb dieser infolge einer Operation.

Die Villa Corty auf der Casinostraße erwarb nach dem Tode von Ewald Corty sen. im Jahre 1923 Walter Kaiser, der Sohn des Viersener Kommerzienrates Josef Kaiser. Er ließ das Gebäude vor allem im Inneren um- und einen Teil des Daches zur Dachterrasse ausbauen. 1932 kaufte die Gesellschaft Erholung e. V. das Gebäude, nachdem das vorherige Gesellschaftshaus (Ecke Hauptstraße/Lambersartstraße) an den Gastronomen Schlunken veräußert worden war.

So gab es auf der Bahnhofstraße von 1932 bis 1938 zwei Gesellschaftshäuser, nämlich das der Gesellschaft Casino mit der Hausnummer 14 und das der Gesellschaft Erholung mit der Hausnummer 36.
Die Gesellschaft Casino löste sich 1938 auf und verkaufte ihre Immobilie, die im 2.Weltkrieg bei schweren Luftangriffen zerstört wurde, an die NSDAP, die hier das „Stadthaus III“ einrichtete. (Reinhard Busch)

Foto: Rheinischer Spiegel

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