Griechisch-orthodoxe Klänge wehten zwischen kunstvollen Dülkener Kirchenfenstern

In der stillen Strenge des Karfreitags, wie ihn die Ostkirche an diesem Wochenende begeht, erklangen am gestrigen Abend griechisch-orthodoxe Gesänge in der katholischen Pfarrkirche St. Cornelius. Wo sonst rheinischer Katholizismus in Dülken den Takt bestimmt, versammelten sich Gläubige der griechisch-orthodoxen Tradition, um das Gedächtnis der Kreuzigung Christi in jener liturgischen Dichte zu begehen, die für das orthodoxe Osterfest charakteristisch ist.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Viersen-Dülken – Eingeladen hatte die griechisch-orthodoxe Gemeinde aus Mönchengladbach und dem Kreis Viersen, deren Mitglieder zahlreich erschienen waren. Die räumliche Gastfreundschaft einer katholischen Kirche für einen orthodoxen Gottesdienst ist dabei mehr als eine pragmatische Lösung: Sie verweist, leise, auf die ökumenische Annäherung, die im Alltag oft unspektakulär, aber wirksam geschieht.

Foto: Rheinischer Spiegel

Die Liturgie leitete Pater Konstantinos von der Pfarrei „Άγιος Νικόλαος – Sankt Nikolaus“ in Mönchengladbach. In der orthodoxen Kirche markiert der Karfreitag – streng genommen der „Große Freitag“ – den Höhepunkt der Passionszeit. Anders als in westlichen Traditionen ist er eingebettet in eine Abfolge von Gottesdiensten, die sich über Tage erstrecken und in ihrer Symbolik die gesamte Heilsgeschichte verdichten. Klagegesänge, Prozessionen und die Verehrung des Epitaphios, jenes mit Blumen geschmückten Tuches, das den toten Christus symbolisiert, stehen im Zentrum.

So wurde auch in Dülken dieser traditionelle Ritus sichtbar in den Stadtraum ausgeweitet: In einer Prozession trugen die Gläubigen den Epitaphios durch die Straßen; ein stilles, zugleich eindrucksvolles Zeugnis gelebter Frömmigkeit. Für einen Moment verschob sich damit die Grenze zwischen Kirchenraum und Öffentlichkeit; der Karfreitag wurde aus der Liturgie heraus in den Alltag der Stadt hineingetragen.
Der Kirchraum selbst wandelte sich unter den Gesängen, deren Melodik sich von der gewohnten Klangwelt katholischer Liturgie deutlich unterscheidet. Die Gläubigen folgten den Riten mit einer Selbstverständlichkeit, die aus gelebter Tradition erwächst. Für Außenstehende hingegen eröffnete sich ein Einblick in eine Form christlicher Frömmigkeit, die zugleich fremd und vertraut wirkt.

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Das orthodoxe Osterfest, das sich nach dem julianischen Kalender richtet und daher meist später als das westliche gefeiert wird, gilt als das höchste Fest des Kirchenjahres. Es ist weniger von der stillen Einkehr als vielmehr von einer dramatischen Steigerung geprägt: Auf die Trauer des Karfreitags folgt die nächtliche Auferstehungsfeier, die traditionell erst spät am Samstagabend beginnt und liturgisch bereits den Übergang zum Ostersonntag markiert. Dass die Feier in den Abendstunden des Samstags angesetzt ist, folgt dieser alten Ordnung: In der Dunkelheit wird das Licht der Auferstehung erwartet und schließlich verkündet.

Die nächste Messe zum griechisch-orthodoxen Osterfest wird daher am heutigen Samstag von 19.45 bis 22.00 Uhr erneut in St. Cornelius gefeiert. Alle Gläubigen sind hierzu herzlich eingeladen – Kalí anástasi.

Der Gottesdienst am Karfreitag blieb dem ernsten Charakter des Tages verpflichtet. Doch gerade in dieser Ernsthaftigkeit zeigte sich eine stille Verbundenheit, die über konfessionelle Grenzen hinausweist. Die Mauern der Kirche, die seit Jahrhunderten katholische Frömmigkeit beherbergen, boten Raum für eine andere Ausdrucksform – und ließen zugleich spürbar werden, wie nah sich der Glaube in seinem Kern ist. (sk)

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