In Dülken begingen die St. Matthias-Schützen ein stolzes Jubiläum

Die St. Matthias-Schützenbruderschaft e.V. Dülken – Boisheimer Straße dürfen in diesen Tagen auf eine bewegte, 400-jährige Geschichte zurückblicken. Ein besonderes Jubiläum, welches besondere Aufmerksamkeit verdient.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Dülken – Nach einem musikalischen Auftakt eines ehrwürdigen Wochenendes im Dülkener Bürgerhaus mit der Band „Kings for a day“, fand das 400-jährige Jubiläum der St. Matthias-Schützenbruderschaft e.V. Dülken – Boisheimer Straße ihren Höhepunkt am Sonntag nicht nur mit einer Festmesse, sondern ebenfalls einem Festzug durch die Dülkener Innenstadt und einem Festakt, nachdem das Sommerbrauchtum gemeinsam gemütlich an diesem Tag ausklingen konnte.

Foto: Rheinischer Spiegel

Ein Jubiläum, welches auf vier Jahrhunderte zurückblickt hat viele Hürden überwunden, kann viel berichten und zeigt auf, wie stark die Gemeinschaft der Schützen ist. „Glaube, Sitte und Heimat“ haben die Zeit überdauert und sind heute wichtiger denn je. „Viele Festlichkeiten werden durchgeführt, so manch einer mag sich fragen, ob das noch zeitgemäß ist in Zeiten von Corona, Krieg und Energiemangel. Doch wenn wir uns die Freude nehmen lassen würden, dann wären wir arm, denn wir könnten unsere Freude und Freundlichkeit nicht mit anderen teilen“, so Wolfgang Genenger, frisch gebackener König der Schützen in Viersen-Rahser und stellvertretender Bundesschützenmeister im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, der in der Festmesse Glückwünsche überbrachte und das Teilen in der heutigen Zeit besonders hervorhob.

Teilen, in einer Zeit, in der man zusammenstehen müsse, nicht nur innerhalb der Bruderschaft, sondern innerhalb der ganzen Gesellschaft. „Wir wissen nicht, was uns erwartet, wir wissen nicht was kommt. Können wir uns noch ein Getränk im Festzelt leisten? Oder die Eintrittskarten?“

Foto: Rheinischer Spiegel

Es sei wichtig auch weiterhin an die zu denken, denen es nicht so gut geht – hier, bei unseren Nachbarn, der Ukraine und auf der ganzen Welt. Er schloss mit dem Textauszug der Bläck Fööss. „Drink doch ene met, stell disch net esu ann, du steihst he die janze Zick eröm. Häste och kei Jeld, dat es janz ejal, drink doch met un kümmer disch net drüm.“ An andere denken, andere sehen und teilen, damit die Gemeinschaft weiterhin stark in die Zukunft blicken kann.
Er vergaß dabei nicht den nordrhein-westfälischen Finanzminister Dr. Marcus Optendrenk zu begrüßen, der als einer der Ehrengäste an diesem Morgen die Feierlichkeiten begleitete.

Foto: Rheinischer Spiegel

1621 gegründet als Gemeinschaft von wehrfähigen Männern zum Schutz gegen äußere Gefahren ist diese Aufgabe der Schützenbruderschaften längst – hoffentlich – Vergangenheit. Damals allerdings, drei Jahre nach Beginn des dreißigjährigen Krieges war dies Anlass die „löblige Schützenbruderschaft des Hl. Apostoli Matthia zu Boßheim-Nette“ zu gründen. Auch in Friedenszeiten pflegten die Mitglieder den Geist der Brüderlichkeit und Geselligkeit stets in gegenseitiger Hilfe.

„Wie das gesamte öffentliche Leben im Mittelalter, so waren auch die Bruderschaften von einer tiefen Religiosität geprägt, weshalb sich auch die Gründer unserer Bruderschaft ausdrücklich unter den Schutz eines Heiligen gestellt haben. Unter den Schutz des Hl. Matthias, der als einziger von allen Aposteln in deutscher Erde ruht und zu dessen Reliquien im Silberschrein in der Matthiaskirche zu Trier seit altershehr viele Pilgerscharen ziehen. Eine feste Einbindung in das kirchliche Leben war von daher selbstverständlich“, berichtet die heutige St. Matthias-Schützenbruderschaft e.V. Dülken – Boisheimer Straße in ihrer Chronik. Der Fortbestand der Bruderschaft ist belegt durch eine Silberplakette aus dem Jahre 1702 und die älteste noch vorhandene Fahne aus dem Jahre 1707. Wie die meisten Bruderschaften dieser Zeit, ruhte das Bruderschaftsleben zwar während kriegerischer Auseinandersetzungen, doch die Schützen fanden stets wieder zusammen, bis ab etwa 1912 ein Stillstand einkehrte.

Politische Wirren, wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Kriegsjahre machten dem Brauchtum schwer zu schaffen und so fand 1924 das vorerst letzte Schützenfest statt. Erst 1957 sollte diese Tradition wieder aufleben dürfen. „Kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges wurde sogar der Name „Schützenbruderschaft“ von den Behörden verboten. In den Jahren des Krieges mussten viele der einst sehr aktiven Bruderschaftler ihr Leben lassen. Bei einem ersten zaghaften Neubeginn im Jahr 1947 zählte die „St. Matthias-Bruderschaft“ noch 30 Mitglieder“, erinnert die Chronik. Ein Neubeginn war ab dem Jahre 1959 möglich mit der Weihe einer neuen Fahne. Doch es sollte noch bis zum Jahre 1970 andauern, bis die Bruderschaft wieder aktiv feiern und ihren damaligen König Josef Wolfs beglückwünschen konnte.

Foto: Rheinischer Spiegel

Besonders erwähnenswert ist der in späteren Jahren errichtete Schießstand, der heute noch in Betrieb ist. Längst ist die Bruderschaft auch kein reiner Männerverein mehr und so fanden auch weibliche Mitglieder Zugang – sogar mit einer weiblichen Schießsportabteilung (www.st-matthias-bruderschaft.de).

„Wenn die St. Matthias-Bruderschaft, wie auch alle anderen historischen Schützenbruderschaften, in ihrem christlichen Selbstverständnis Schwankungen unterworfen ist, so gründet sie sich doch unverändert auf dem christlichen Zeugnis. Sie wacht selbstkritisch darüber, dass das hochherzige Engagement für die Ideale ihrer Gründer – Brüderlichkeit und bereitwillige Hilfe für andere – nicht nachlässt. Für uns gilt das Wort von Kardinal Höffner: „Tradition heißt nicht, Asche aufbewahren, sondern Feuer am Brennen zu halten!“ (nb)