Industrieumsätze im Kreis Viersen gestiegen: Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bereitet aber Sorgen

Am Mittleren Niederrhein gehen die Industrieumsätze zurück, während sie im Kreis Viersen steigen. Von Oktober bis Dezember lagen die Umsätze der Industriebetriebe im Kreis über dem Niveau des Vorjahresquartals.

Kreis Viersen – Das Gesamtjahr 2025 schließt im Kreis Viersen ebenfalls mit einem leichten Plus ab – auch hier sieht es in der Region schlechter aus. Das zeigt eine Analyse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein auf der Basis von IT.NRW-Daten. „Geopolitische Krisen, handelspolitische Konflikte und die sinkende Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland sorgen weiterhin für eine mäßige Auftragslage der Industrie. Dementsprechend entwickeln sich die Umsätze nur schwach“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Insbesondere für die Chemische Industrie verlief das vierte Quartal enttäuschend.

Im vierten Quartal meldeten die Industriebetriebe im Kreis Viersen nominal einen Umsatzzuwachs von 6,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die Auslandsumsätze sind im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,4 Prozent gestiegen. Die Inlandsumsätze stiegen mit 6,4 Prozent. „Dass die Industrieumsätze im Kreis Viersen zulegen, ist ein positives Signal. Gleichzeitig dürfen wir nicht übersehen, dass die Umsätze in der Region insgesamt rückläufig sind“, sagt Steinmetz. „Die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit bleibt eine zentrale Aufgabe für die Bundesregierung.“ Die gesamte Region Mittlerer Niederrhein verzeichnet im vierten Quartal ein Minus von 7,1 Prozent.

Ein Blick auf die Branchen zeigt, dass insbesondere die Chemische Industrie und die Metallerzeugung im vierten Quartal deutliche Umsatzeinbrüche meldeten. Im vierten Quartal 2025 sank der Umsatz der Chemischen Industrie in der Region im Vergleich zum Vorjahresquartal um 18,8 Prozent. Auch die Metallerzeugung verzeichnete einen Umsatzrückgang von 3,9 Prozent beim Gesamtumsatz. Insbesondere der Inlandsumsatz gab nach. Er sank um 13,6 Prozent. Immerhin stabil ist der Umsatz der Ernährungsindustrie. Positiv entwickelt sich dagegen die Herstellung von elektrischen Ausrüstungen mit einem Plus von 23,7 Prozent und die Herstellung von Metallerzeugnissen mit einem Plus von 19,8 Prozent. „Diese beiden Branchen sind im Kreis Viersen überdurchschnittlich vertreten, während die energieintensiven Industrien weniger bedeutend sind. Deshalb schneidet der Standort besser ab als die Region“, so Steinmetz.

Mit Blick auf das Gesamtjahr 2025 fällt das Fazit verhalten aus: Insgesamt verzeichnete die Industrie im Kreis Viersen ein Umsatzplus von 1,9 Prozent im Vergleich zu 2024. „Das ist eine nominale Entwicklung. Berechnet man Preissteigerungen mit ein, bleibt von einem Wachstum kaum etwas übrig“, so Steinmetz. In der Region Mittlerer Niederrhein insgesamt lag das Minus bei 2,9 Prozent. Die Entwicklung war etwas schlechter als in NRW insgesamt. Hier lag das Minus bei 2,5 Prozent.

Insbesondere die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Standortbedingungen in Deutschland gegenüber internationalen Konkurrenten bereitet Sorgen. „Es fehlen weiterhin langfristige Maßnahmen zur spürbaren Verringerung der Energie- und Arbeitskosten. Die Produktionskosten sind in Deutschland viel zu hoch“, erklärt Steinmetz. Klar ist auch: Die kurzfristigen Maßnahmen zur Begrenzung der Energiepreise haben erst Anfang 2026 eingesetzt und haben sich dementsprechend im vergangenen Jahr noch nicht ausgewirkt. Gasintensive Unternehmen müssen zudem aufgrund der Steigerung des Gaspreises auf den Weltmärkten infolge des Iran-Kriegs nun schon wieder höhere Kosten befürchten. „Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass vor allem mittel- und langfristig die Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen sichergestellt ist. Diesbezüglich gibt es seit Jahren Konzepte, aber keine Umsetzung“, so Steinmetz.

Nicht einmal ein Konzept gibt es dagegen aus Sicht von Steinmetz zur Begrenzung der Lohnnebenkosten. „Die steigenden Sozialabgaben treiben die Arbeitskosten immer weiter in die Höhe. Die Politik muss deshalb gegensteuern und die Sozialabgaben wirksam begrenzen – etwa indem sie Fehlanreize zur Frühverrentung abbaut.“ (opm)