Eltern zahlen im Kreis Viersen bis zu 768 Euro monatlich für einen Kita-Platz. Die Kosten variieren je nach Bundesland, Kommune, Betreuungsumfang, Eltern-Einkommen. Das reicht von kostenlos in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, bis über 1.000 Euro monatlich in manchen Städten.
Kommentar von Peter Josef Dickers
Kreis Viersen – Die Elternbeiträge sind zum Teil einkommensabhängig. Oft gibt es Zuschüsse. In Städten mit hohen Kosten wie in München, auch in NRW, werden 150 bis 400 Euro pro Halbtag, über 1.000 Euro im Ganztag fällig.
Meine Mutter fragte nicht nach Kindergartenplatz für mich. Die angespannte Personalsituation in heutigen Kindergärten, auch die Kosten, überfordern manche Eltern. Sie wissen nicht, wie sie die Ausfälle verkraften und sich selbst um ihre Kinder kümmern sollen. Meine Mutter hätte möglicherweise eine Antwort gewusst aus Sicht ihrer Zeit, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Hätte es den Begriff „allein erziehend“ schon gegeben, wäre er wörtlich zu verstehen gewesen.
An wortreiche Klagen von ihr kann ich mich nicht erinnern. Mit wenig war sie aufgewachsen. Mit wenig war sie zufrieden. Sie lebte das Mögliche, Alltägliche, ein Leben, wie es kam. An Überfluss litt niemand.
Natürlich wünschen wir uns vergangene Zeiten nicht zurück. Dennoch darf man darüber nachdenken, ob selbstverständlich ist, was heute möglich und rechtens ist. Eltern haben das Recht auch ihr Leben zu leben und nicht nur für das Wohlergehen ihrer Kinder verantwortlich zu sein.
Dennoch werden Mängelmelder freigeschaltet. Persönliche Ansprüche und Erwartungen stellt man nicht infrage. Schüler sind überfordert, beklagen psychische Belastungen. Jede dritte Ausbildung wird abgebrochen und die „Nummer gegen Kummer“ angewählt.
Vor allem junge Menschen waren in der Silvesternacht in der Bar „Le Constellation“ im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana anwesend, als es zur Feuerkatastrophe kam. 40 Menschen starben, über einhundert, darunter viele Deutsche, wurden verletzt. Eine 15-Jährige gehörte zu den jüngsten Besuchern und überlebte mit schwersten Verbrennungen.
Mit den Kitakosten hat das natürlich nichts zu tun. Vielleicht doch ein wenig? Einer Studie zufolge reicht vielen Menschen das Bürgergeld nicht aus. Sie leihen Geld von Familienmitgliedern oder von Banken und verwenden es zur Deckung täglich anfallender Kosten, zum Kauf von Lebensmitteln, für Konsumzwecke oder für Kleidung.
Uns ist zu wünschen, dass nicht nur Kitakosten zahlbar, zumutbar bleiben. Auch das Leben insgesamt kann und darf nicht an Zeiten meiner Mutter gemessen werden. Bescheidenheit, Zurückhaltung, Genügsamkeit zählen nicht zu Begriffen, die uns leicht über die Lippen gehen. Sich mit weniger begnügen, auch nicht. Vielleicht denken wir trotzdem darüber nach. (opm)


Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.
„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.




