Literarisches: Es ist bald Advent. Doch es weihnachtet schon

Zeit der Erwartung. Vorbereitung auf die Ankunft Christi. So war es gedacht. Obwohl Advent und nicht Weihnachten ist, weihnachtet es überall, als sei seine Ankunft bereits vollzogen.
Von Peter Josef Dickers

Literarisches – „Es kommt ein Schiff geladen“ mit Leckereien und Gourmet-Weihnachtsstollen. „Wir wissen, wie es schmeckt.“ Shoppen und Wohlbefinden am Glühweinstand. Kommerz-Kalender statt Advents-Kalender. Es schade der Gesellschaft, die Adventszeit künstlich zu verlängern, mahnen kritische Stimmen.

Vermarktungsstrategie steht im Vordergrund. „Hier können Sie bis Heiligabend einkaufen.“ Vorweihnachtliche Konsumkultur. Am nötigen Kleingeld fehlt es nicht. Es ist die umsatzstärkste Zeit des Jahres. Man weiß, dass es sich lohnt. Davon sich abkoppeln will man nicht.

Das Fest der unbegrenzten Möglichkeiten ist keine geruhsame Zeit. Die Paketbranche ist gerüstet. Lieferketten befürchten Engpässe, wenn Weihnachtsmärkte nicht rechtzeitig mit Waren beliefert werden, und bedauern, dass sie am Totensonntag geschlossen bleiben. Stress im Advent. Das Vorhaben „Wir schenken uns nichts“ scheitert am Konsumrausch.

„Christmas World. Größte Weihnachtsshow der Niederlande.“ Innenstädte verwandeln sich in Märchenwelten. Stimmungsvolle Lichter, Holzhütten verzaubern den Schlossvorplatz. Kulinarische Köstlichkeiten und wärmende Getränke. Die traditionelle Eisenbahn lässt Kinderaugen leuchten. Rodeln und Eisbahn versprechen zusätzliche Attraktion. „Zauberhafte Einstimmung in die Adventszeit.“ „Genießen Sie weihnachtliche Magie. Sichern Sie sich Tickets für den Weihnachtscircus.“ „Hänsel und Gretel“. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ auf den Fernsehkanälen. Knödel und Rotkohl statt „Heiligabend zuerst Kirche, dann Bescherung.“ Anschließend sinkt man ins Sofakissen.

Kann man im Trubel Atem holen, still werden? Vereinbaren sich Besinnlichkeit und Stille nicht mit dem „Leben in der schnellen Spur“, mit angespannter Geschäftigkeit? Schattenlose Helligkeit verdrängt die Dunkelheit. Advent ohne Lichterglanz ist nicht vorstellbar. Wenn den Nächten die Dunkelheit genommen wird, werden sie zum Tag. Die Heiligen Drei Könige bräuchten ein Navigationsgerät, um ihren Stern zu finden. Ohne „Navi“ finden wir uns nicht zurecht. Dass alles Leben im Verborgenen entsteht, Geheimnisvolles und Dunkles Bedeutung haben, rückt in den Hintergrund. Alles wird offengelegt, nichts verheimlicht.

Lähmende Belehrung ist dennoch fehl am Platz. Was nicht gefällt oder den eigenen Vorstellungen nicht entspricht, ist deswegen nicht inakzeptabel. Jahreszeiten und Traditionen ändern sich, Prioritäten verschieben sich. Was Feste bedeuten und wie sie gefeiert werden, regelt jede Zeit neu. Den Weihnachtstexten der Bibel erging es ähnlich. Es dauerte lange, ehe sie die heute vorliegende Form gefunden hatten.

Es wird noch oft Advent und Weihnachten im Kalender stehen. Wird man den Blick wieder auf das Wesentliche richten und das Fest von Ballast befreien, der über ihm abgeladen wurde? Erinnert man sich daran, dass es auf christlicher Überlieferung beruht und durch sie geprägt wurde?
Vielleicht gelingt es uns, Advent und Weihnachten neu zu entdecken. (opm)

Foto: wal_172619/Pixabay

Foto: Privat

Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend  war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.

„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.