Literarisches: Ich spare

Meine Mutter war sparsam. Am Wochenende saß sie auf der Küchenbank. Vor ihr auf dem Tisch lag ein Stapel alter Zeitungen. Mit dem Brotmesser zerteilte sie Seite für Seite in kleine, handliche Stücke und legte sie zu einem Block aufeinander.
Von Peter Josef Dickers

Literarisches – Mit der Schere bohrte sie ein Loch am oberen Ende durch den Stapel und zog eine Schnur hindurch. Mit dem Bündel in der Hand ging sie nach draußen zu jenem Ort, den wir „Örtchen“ nannten. Die „Sitzungen“ dauerten mal kürzer, mal länger, je nachdem, welche Nachricht man vom Stapel holte. Wenn ich Schiffchen aus Zeitungspapier bauen wollte, war es schwierig, eine Zeitung vor dem Stapel zu retten. „Spare in der Zeit, spare für das Klo.“ Mutters Sparanleitungen waren vielfältig.

Auch ich bin sparsam. Eine Nachbarin wollte ich im Krankenhaus besuchen. Musste ich etwas mitbringen? Blumen konnten nicht teuer sein. Sechs Euro sollte der kleine Strauß kosten. Ich entschied mich für die entzückenden Blümchen hinten in der Ecke. Unscheinbar waren sie, aber für den Zweck ausreichend. Packen Sie mir die als Geschenk ein, bat ich die Verkäuferin. Die zwei Euro, die ich widerstrebend auf die Theke legte, reichten nicht. Acht Euro, zuzüglich ein Euro für das Geschenkpapier.

Foto: Peter Josef Dickers

Das passiert mir nicht noch einmal. Auch nicht das mit der Parkuhr. Muss ich mit meinen Parkgebühren die Straßenlaternen finanzieren? Ich nehme das Parkhaus am Stadtrand. Der Supermarkt liegt zehn Gehminuten vom Zentrum entfernt. Täglich ein kleiner Fußmarsch senkt den Cholesterinspiegel. Als ich mich kurz nach neunzehn Uhr mit Einkaufstasche und Tragetüten bepackt, zu meinem Auto gequält habe, versperrt eine Schranke die Ausfahrt. Morgen früh um neun Uhr kann ich das Parkhaus verlassen.

Die Rückfahrt mit dem Taxi hatte ich nicht eingeplant. Die Kosten werde ich beim Heizen einsparen. Eskimos haben in ihrem Iglu auch keine Heizung. Sparen sei die richtige Mitte zwischen Geiz und Verschwendung, heißt es. Ich werde michdarauf einstellen. (opm)


Aus: Peter Josef Dickers. Esel haben keine Lobby

Foto: Winkler

Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend  war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.

„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.