Er war vor der „Wende“ aus der 1949 gegründeten Deutschen Demokratischen Republik in den Westen gekommen. Er war gekommen, obwohl er „drüben“ eine gute Position innehatte. Er war gekommen, obwohl er seine Heimat und seine Freunde dort liebte und zurücklassen musste.
Von Peter Josef Dickers
Literarisches – Ich lernte ihn kennen. Er hatte ein exzellentes Wissen. Das hing nicht vom politischen System ab, sondern von seinem Engagement. Seine persönliche Freiheit hatte er sich bewahrt. Er lehrte mich vieles deutlicher und überhaupt zu sehen.
Der Alltag West kam. Unerfüllt persönliche und berufliche Erwartungen. Begrabene Hoffnungen. Seinen Gedanken konnte er freien Lauf lassen, doch stießen sie an Grenzen. Was möglich war oder nicht, bestimmten andere. Er war Fachmann-Ost; hier suchte man den Fachmann-West. Interpretation von Freiheit nach westlichen Maßstäben. Was gelingen sollte, passte nicht immer zusammen.
Er blieb gelassen. Sein Optimismus kam ihm zugute. Als wir einmal an einer Straßenbahnhaltestelle lange auf das Eintreffen der Bahn warteten und ich ungeduldig wurde, beruhigte er mich mit der Bemerkung: „Die Schienen liegen schon.“ Kein Arbeitsplatz war ihm zu weit entfernt, oft getrennt von Frau und Freunden. Manche behaupten, Partnerschaft gelinge am besten, wenn man sich selten sehe und zwei Mal in der Woche essen gehe, er dienstags, sie freitags. Auf Dauer ist das frustrierend.
Ohne Vorwarnung starb er. Was hatte er gelitten? Wer hatte wen nicht verstanden? Er uns? Wir ihn? Die Erinnerung zerbröselt. „Vergesslich zu sein tut nicht weh, vergessen zu werden, schon.“ Ich vermisse ihn. (opm)


Peter Josef Dickers wurde 1938 in Büttgen geboren. Nach einem Studium der Katholischen Theologie sowie der Philosophie und Pädagogik in Bonn, Fribourg/Schweiz, Köln sowie Düsseldorf erhielt er 1965 die Priesterweihe. Anschließend war er in der Seelsorge und im Schuldienst tätig, bis er sich 1977 in den Laienstand rückversetzen ließ und heiratete. Nach der Laisierung war er hauptamtlich tätig an den Beruflichen Schulen in Kempen (jetzt Rhein-Maas-Kolleg) mit den Fächern Kath. Religionslehre, Pädagogik, Soziallehre, Jugendhilfe/Jugendrecht.
„Seit der Pensionierung bin ich weiterhin engagiert durch meine Schreibtätigkeit, mein Vorlese-Engagement in diversen Einrichtungen und sonstige Initiativen. In den Sommermonaten lese ich zeitweise als „Lektor“ auf Flusskreuzfahrt-Schiffen aus meinen bisher erschienenen Büchern“, so Peter Josef Dickers, der mittlerweile in Mönchengladbach beheimatet ist.




