Niederkrüchten: FDP lehnt Betreibervertrag für Freibad ab und stellt Sanierungsprojekt infrage

Der Rat der Gemeinde Niederkrüchten ist am Dienstagabend (20. Januar 2026) mehrheitlich dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt, die Betriebsführung des sanierten Freibads für den Zeitraum vom 1. Januar 2027 bis zum 31. Dezember 2031 an die NEW mobil und aktiv Mönchengladbach GmbH zu vergeben.

Niederkrüchten – Die FDP-Fraktion hat diesem Vorschlag nicht zugestimmt. „Für uns steht der Nutzen eines Freibads in einem angemessenen Verhältnis zu den entstehenden Kosten“, erklärt der FDP-Fraktionsvorsitzende Lars Gumbel.
In der vorliegenden Form sei der Betreibervertrag aus Sicht der Freien Demokraten nicht verantwortbar.

Angesichts der aktuell veröffentlichten Zahlen stelle die FDP inzwischen sogar das gesamte Sanierungsprojekt infrage. Dabei betont die FDP ausdrücklich, dass ihre Entscheidung keine Abkehr vom Bürgerentscheid aus dem Jahr 2022 darstelle. Dessen Rechtmäßigkeit und Ergebnis seien nie angezweifelt worden. Auch nach der Schließung des Freibads in Niederkrüchten sowie des Hallenbads in Elmpt habe sich die FDP stets für eine Lösung der Bäderfrage eingesetzt. Bereits im Vorfeld habe man jedoch den Kosten-Nutzen-Faktor eines Freibads kritisch gesehen und deshalb auf eine interkommunale Lösung hingearbeitet.

Bis zur Ratssitzung am 20. Januar 2026 habe die FDP die Sanierungspläne konstruktiv, aber kritisch begleitet. Seit dem Bürgerentscheid hätten sich jedoch die Rahmenbedingungen deutlich verschlechtert. Die Baukosten seien von ursprünglich 5,9 Millionen Euro auf aktuell rund 7,5 Millionen Euro gestiegen. Gleichzeitig hätten sich die jährlich veranschlagten Betriebskosten von etwa 400.000 Euro auf inzwischen rund 750.000 Euro nahezu verdoppelt – mit witterungsbedingtem Risiko weiterer Steigerungen. Hinzu kämen erhebliche Belastungen für den kommunalen Haushalt infolge der Corona-Pandemie, des Krieges in der Ukraine sowie gestiegener Ausgaben durch Flüchtlingszuweisungen. In der Ratssitzung habe die Kämmerin auf Nachfrage erklärt, dass die Finanzierung der laufenden Betriebskosten ausschließlich über weitere Erhöhungen der Grundsteuer möglich sei – Einsparpotenziale seien nicht vorhanden. Zudem würden diese Steuererhöhungen nicht das strukturelle Defizit der Gemeinde beseitigen, sondern lediglich die Mehrkosten für den Freibadbetrieb decken.

Bereits jetzt seien die Hebesätze der Grundsteuer von 505 auf 639 Prozentpunkte angehoben worden. Für die kommenden Jahre sei eine weitere Erhöhung in ähnlicher Größenordnung absehbar – zusätzlich zu allgemeinen Kostensteigerungen bei Energie, kommunalen Abgaben und Lebenshaltungskosten. Risiken durch weitere Krisen oder zusätzlichen Investitionsbedarf, etwa im Bevölkerungsschutz, in Bildung oder im Sozialbereich, seien dabei noch nicht berücksichtigt. „Ein Teil der Bürgerinnen und Bürger wird diese Belastungen auffangen können, für andere können sie jedoch existenzbedrohend sein oder zu massiven Einschränkungen führen“, so Gumbel.
Zudem bleibe die Gefahr einer Haushaltssicherung bestehen, die mit dem Wegfall freiwilliger Leistungen wie Vereinsförderung, Sportstätten, Bibliothek, Klimaschutz und sozialen Angeboten verbunden wäre – trotz höherer Steuern. Den Hinweis, man habe bereits vor dem Bürgerentscheid vor Steuererhöhungen gewarnt, lässt die FDP nicht gelten. Diese Warnungen hätten sich damals auf eine zusätzliche Sanierung neben einem interkommunalen Ganzjahresbad bezogen.

Nach dem Bürgerentscheid sei auf diese interkommunale Lösung verzichtet worden. Dennoch müssten nun erhebliche Steuererhöhungen getragen werden – obwohl es künftig weder eine Ganzjahresnutzung noch mehrere Bäder in der Gemeinde gebe. Vor diesem Hintergrund lehnt die FDP das Projekt nicht nur aus finanziellen Gründen ab, sondern auch wegen der auf wenige Monate im Jahr begrenzten Nutzbarkeit des Freibads.
„Wir bedauern, dass die Ratsmehrheit diese Verantwortung nicht übernehmen wollte und sich stattdessen auf den Standpunkt zurückzieht: Der Bürger hat es gewollt, also soll er es auch zahlen“, erklärt Gumbel.

Die FDP stehe zu ihrer Entscheidung, auch wenn sie unpopulär sei. „Wir sehen es als unsere Pflicht, langfristig verantwortungsvoll mit den Finanzen der Gemeinde umzugehen – im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger“, so der Fraktionsvorsitzende Lars Gumbel abschließend. (opm)

Foto: FDP Niederkrüchten

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert