„Schöpfungsbewahrung“ im Rahmen des Projekts „Schwein haben“

Unterstützung seitens der Gesellschaft gefordert – Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Schwein haben“ setzte sich mit den aktuellen Entwicklungen im Bereich Tierhaltung auf die Zukunft der Landwirtschaft auseinander.

Mönchengladbach – „Die Gesellschaft bekommt die Landwirtschaft und Tierhaltung, die sie verdient. Sie muss sich fragen, was ihr eine extensive Landwirtschaft wert ist.“ Dieser Satz von Thomas Genfeld, Landwirt aus Nettetal mit konventioneller Schweinezucht als einer der eingeladenen Fachleute auf dem Podium, deckte sich mit dem, was bei der Veranstaltung zum Thema „Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen im Bereich Tierhaltung auf die Zukunft der Landwirtschaft“ in der Jugendkirche St. Albertus (JIM) in Mönchengladbach im Rahmen des Projekts „Schwein haben“ deutlich wurde: Viele Konsumenten bekunden, dass sie dafür sind, dass die Erzeuger in der Landwirtschaft angemessen entschädigt werden sollten, zahlen dann aber doch den günstigeren Preis an der Ladentheke.

Foto: Eva Weingärtner

Auch die Politik sei in der Pflicht finanzielle Unterstützung der Landwirte zu leisten, um ihr Überleben zu sichern und „wir nicht in zehn oder 15 Jahren das Fleisch importieren müssen“, wie der ebenfalls eingeladene Fachmann Professor Dr. Friedhelm Jaeger, Referatsleiter der Projektgruppe „Nutztierstrategie“ und Ministerialrat für Tierschutz, Tiergesundheit und Tierarzneimittel im MULNV (Ministerium für Umwelt u, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz) der Landes Nordrhein-Westfalen, unterstrich. Diese Aussagen der Fachleute waren für die Teilnehmer*innen, die der Einladung des KAB-Diözesanverbandes Aachen als Träger des Projektes in Kooperation mit den Katholikenräten der Regionen Heinsberg und Mönchengladbach und das durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW gefördert wird, live und online gefolgt waren, nachvollziehbar. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Landwirte heute flexibel sein müssen, bedarfsorientiert produzieren und gleichzeitig dem Tierwohl entsprechen und eine extensive Landwirtschaft in Kauf nehmen. Sofern diese ihnen Sicherheit für ihre Existenz bietet. So hatte am Ende kurz Moderator Hans-Peter Katz, Mitglied des Katholikenrats der Region Mönchengladbach den Abend zusammengefasst.

Er war es auch, der zunächst die Ergebnisse der im Vorfeld der Veranstaltung erfolgten Betragung zum Thema „Intensivierung versus Extensivierung in der Landwirtschaft“ vorstellte. Das Bild war eindeutig: Die meisten der 59 Teilnehmer*innen sind gegen eine Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft, für eine begrenzte Produktion in der Tierhaltung, für „Klasse statt Masse“, ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis, angemessene Entlohnung der Erzeuger und Aufwandsentschädigung sowie regional statt global. Dem gegenüber standen die Äußerungen von Thomas Genfeld, der bezüglich der Zukunftsperspektive als Landwirt gegenwärtig einen Wandel in der Gesellschaft sieht. Wurde in der Anfangszeit von Corona bewusster eingekauft, so werde vor dem Hintergrund der Inflation und dem Ukraine-Krieg bei den Nahrungsmitteln gespart, stellt er fest. Der Schweinepreis fiel im Jahr 2020/21 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Hinzu kommt seinen Aussagen zufolge, dass der Verbrauch von Schweinefleisch in Deutschland nach wie vor am größten, dennoch rückläufig sei. Er wisse nicht, wohin es für ihn und seine Kollegen in Zukunft gehe. Zwar sei er heute leidenschaftlich gerne Schweinezüchter. „Früher oder später muss ich entscheiden, ob es nur ein kostspieliges Hobby ist“, gab er zu bedenken. Eine Möglichkeit sei die Direktvermarktung, eine weitere, dass es eine vertragliche Perspektive gibt, um die Produkte zu höheren Preisen verkaufen zu können.

Auch Christoph Leiders, Biolandwirt vom Stautenhof in Anrath-Willich, erklärte, dass gegenwärtig – entgegen seiner Vorstellungen vor zwei Jahren – die Biovermarktung in der größten Krise stecke seit es Bio gebe. „Nachhaltigkeit spielt keine Rolle mehr.“ Zu beobachten sei derzeit eine Stagnation in der Weiterentwicklung zu mehr Nach-haltigkeit in der Landwirtschaft. Er habe aber die Hoffnung, dass es in ein oder zwei Jahren wieder besser werde. Theo Lenzen, Tierzuchtberater Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Viersen mbH, unterstrich, dass Nachhaltigkeit und Tierwohl wieder mehr in den Fokus genommen werden müssten. Auch er geht davon aus, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung sich verändern und verkleinern wird. Bernhard Conzen, Präsident Rheinischer Landwirtschafts-Verband (RLV) e. V. und Vorsitzender Kreisbauernschaft Heinsberg e. V., stellte fest, dass derzeit die Futterkosten und Energiekosten die Landwirte bzw. Erzeuger von Schweinen „auffressen würden“. Ein Umbau in Richtung zu mehr Tierwohl und Nachhaltigkeit könne nur durch die Gesellschaft getragen werden.

Professor Dr. Friedhelm Jaeger ergänzte, dass die Landwirte im internationalen Wettbewerb stehen. Ohne eine staatliche Förderung könnten sie die Kostensteigerungen nicht stemmen. Er sprach an, dass zur Gegenfinanzierung eine Erhöhung der Mehrwertsteuer bei Lebensmitteln von sieben auf 19 Prozent nötig sei. Mehr Tierwohl koste nun einmal auch mehr Geld. Einen guten Weg habe die Expertenkommission unter der Leitung des früheren Bundesagrarministers Jochen Borchert eingeschlagen, die einen Zeitstrahl erarbeitet habe, wie es den Tieren in Stufen besser ergehen soll. Doch leider sei dies seitens der Bundesebene nicht mehr aufgegriffen worden. „Wenn ich mehr Tierwohl als Gesellschaft will, muss ich bereit sein, einen Gesellschaftsvertrag einzusetzen und Steuergelder nehmen sowie mehr selber als Konsument zahlen“, bemerkte er noch.

Die nächste Veranstaltung zum Thema „Schöpfungsbewahrung“ im Rahmen des Projekts „Schwein haben“ findet am Donnerstag, 26. Januar, von 19 bis 21.30 Uhr, in der Jugendkirche St. Albertus (JIM), Albertusstraße 38, 41061 Mönchengladbach, in hybrider Form statt. Weitere Informationen auf der Projekthomepage www.projekt-schwein-haben.de sowie bei der KAB Diözese Aachen, Telefon 0241-400180 oder dem Büro der Regionen Mönchengladbach und Heinsberg, Telefon 02161-980633. (opm/Eva Weingärtner)