Sparkassenstiftung und Landeszentrale für politische Bildung unterstützen eine neue Publikation über die NS-Zeit

Eine Anlieferung von bislang nicht ausgewerteten und veröffentlichen Meldekarteien von Zwangsarbeitern in das Kreisarchiv Viersen war der Anstoß, das Thema Zwangsarbeiter im Stadtgebiet Viersen zu untersuchen und 2022 die Publikation „Fremd- und Zwangsarbeit in Viersen von 1939 bis 1945“ zu veröffentlichen.

Viersen – Die seitdem entdeckten kommunalen Quellen sowie die Melde- und Versichertenkarteien der Landkrankenkasse und die Kennkarten aus dem Gebiet des heutigen Kreises Viersen stellen einen Glücksfall dar und können dabei helfen, ein aktuelleres Bild des Zwangsarbeitersystems zu gewinnen. Somit ist die weiterführende Untersuchung einerseits eine Art Fortsetzung der bestehenden Publikation, andererseits eine Vertiefung in der systematischen Auseinandersetzung mit dem Thema „Mensch als Ware“ im Kreisgebiet Viersen zu sehen.

Stefan Grunwald (Vorstand Sparkasse), Dr. Martin Plum (MdB Kreis Viersen), Dr. Leah Floh (Vorsitzende Jüdische Gemeinde Mönchengladbach-Viersen) Silvia Pfaar (Sparkasse), Franciska Lennartz (Autorin) – Foto: Privat

Vor nahezu einem Vierteljahrhundert stellte der ehemalige Kreisarchivar Dr. Gerhard Rehm in seinem Beitrag über Fremd- und Zwangsarbeiter im Gebiet des Kreises Viersen fest, dass dieses Kapitel unserer Geschichte noch nicht in einer umfassenden Gesamtdarstellung ausgearbeitet sei. Er verwies auf die Notwendigkeit, das Thema über die Grenzen einer Skizze hinaus wissenschaftlich zu erschließen – ein Auftrag, der bis heute nichts an Dringlichkeit verloren hat.
Dass wir uns nun dieser Aufgabe stellen, ist von doppelter Bedeutung: Zum einen trägt die Forschung dazu bei, ein bislang nur unzureichend beleuchtetes Feld der regionalen Geschichte systematisch zu erfassen. Zum anderen erfüllt sie einen Auftrag an unsere Gesellschaft, denn sie verleiht jenen Menschen ein Stück ihrer Würde zurück, die während der Zeit des Nationalsozialismus zur Zwangsarbeit im Kreis Viersen gezwungen wurden.

Die Quellenlage ist, wie in vielen Kommunen, durch Aktenverluste der Kriegs- und Nachkriegsjahre lückenhaft. Umso wertvoller sind die überlieferten Dokumente, wie sie insbesondere aus Nettetal-Kaldenkirchen vorliegen. Dort ermöglichen nahezu 300 Zwangsarbeiterkarteien – ergänzt durch Passfotos – nicht nur statistische Erkenntnisse, sondern auch persönliche Einblicke, die den Opfern ein Gesicht geben.

Mit der vorliegenden Arbeit von Franciska Lennartz wird ein wissenschaftliches Desiderat eingelöst. Ihre Untersuchung schließt an ihre frühere Publikation über die Stadt Viersen an und erweitert sie auf das gesamte Kreisgebiet. Damit leistet sie nicht nur einen wichtigen Beitrag zur regionalhistorischen Forschung, sondern auch zur politischen Bildungsarbeit im Sinne von Erinnerung, Aufklärung und Verantwortung.
Wissenschaftliche Aufarbeitung, Bürgernähe und moralische Verantwortung gehören dabei untrennbar zusammen. Das Erinnern an das Leid der häufig sehr jungen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ist nicht nur ein wissenschaftliches Projekt – es ist ein Auftrag an uns alle.

Nach der Publikation von Franciska Lennartz über die Fremd- und Zwangsarbeit in der Stadt Viersen im Jahr 2022 ist es zum zweiten Mal gelungen, namhafte Förderer für ein Werk über die Zeit des Nationalsozialismus zu gewinnen. Eine Stiftung der Sparkasse Krefeld sowie die Landeszentrale für politische Bildung NRW haben dazu beigetragen, das nunmehr der Kreis Viersen der erste Landkreis in Nordrhein-Westfalen ist, über den eine selbstständige Veröffentlichung zu diesem Thema zum wiederholten Male erscheint (https://www.politische-bildung.nrw/buchbestellung). (opm)

Holger Michels (Stellv. BM Nettetal), Stefan Grunwald (Vorstand Sparkasse), Franciska Lennartz (Autorin), Christoph Hopp (BM Viersen), Dr. Martin Plum (MdB Kreis Viersen), Guido Görtz (MdL Kreis Viersen), Andreas Gisbertz (BM Schwalmtal) – Foto: Privat