Stadtgeschichte – Die „12 Lustigen“ und das „Bockerter“ Schützenfest

Das Fest Peter und Paul, am 29.6., war früher für die Sektionsbewohner von Bockert stets ein hoher Festtag, denn dann war Schützenfest. Der Tag war damals eine Art gesetzlicher Feiertag, der von den Dorfbewohnern direkt nach dem Weihnachtsfest eingeordnet wurde.

Viersen-Bockert/Stadtgeschichte – Traditionsgemäß wurde am Fronleichnamstag der Vogel geschossen. Im Jahre 1947 durfte der Schützenkönig nur durch „Vogelputzen“ ermittelt werden. Die englischen Besatzungsmächte untersagten das Schießen mit Gewehren. Nach der Teilnahme an der Fronleichnamsprozession beschlossen „Die lustigen 12“ bei einem Bier in der Gaststätte Vennedey, dass einer von ihnen den Schützenkönig machen sollte. Die Idee wurde dann in die Tat umgesetzt und alle gingen zum Drießenhof. Dort wurde der Vogel auf einer Schiefertafel geputzt. Nachdem schon einige Mitglieder der Bruderschaft große Teile des aufgemalten Vogels mit verbundenen Augen weggewischt hatten, war Walter Woters an der Reihe.

Foto: Dorfzeitung Bockert

Mit „Unterstützung“ von Cornelius Busch putzte er den Rest des Vogels aus und war Schützenkönig. Präsident Peter Jennen sagte zu ihm: „Mach dir keine Sorgen, ich rede mit deinen Eltern, wir unterstützen dich.“ Im Hause Woters, Hardter Straße 199, ging wie wir heute sagen „die Post ab“. Walter bekam von seiner Mutter Sofia Woters (Chef der Familie) den „Segen von Kloster Kamp“. Es rappelte so, dass die Wände wackelten. Wo sollten sie denn den schwarzen Anzug und den Zylinder herbekommen usw. Letztlich borgte sein Onkel, der in Dülken wohnte, Walter seinen Anzug und Zylinder.

Ähnlich erging es Hermann Opdenbusch und Paul Hüpkes, den beiden Ministern. Königin wurde Juliane Hüpkes. Ministerin wurde Hanna Fonger und Elisabeth Stappen. Die Frauen sorgten selber für die langen Kleider. Es wurde ein schönes Schützenfest auch wenn das Geld knapp war. Der Schriftführer der St. Peter und Paul Bruderschaft August Brüggemann bemerkte jedoch in seinem Jahresbericht, dass sich die jugendlichen Majestäten am Königstisch nicht immer würdevoll benommen haben.

v.l.n.r. Hanna Fonger, Paul Hüpkes, Juliane Hüpkes, Walter Woters, Elisabeth Stappen, Hermann Opdenbusch. Foto: Dorfzeitung Bockert