Sternenflug mit Erinnerung – Wie der Rheinische Spiegel an Bord von Artemis II den Mond umkreist

Wenn im Frühjahr 2026 die mächtige SLS-Rakete vom historischen Startkomplex 39 in Florida abhebt, werden vier Menschen ihre Plätze in der Orion-Kapsel eingenommen haben. Doch neben den Astronautinnen und Astronauten reist noch etwas Unsichtbares mit: Millionen von Namen aus aller Welt, gespeichert auf einer kleinen SD-Karte – darunter auch der Rheinische Spiegel. Ein Stück irdischer Identität schließt sich der großen Mission an, die Geschichte schreiben wird.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Region – Die Mission trägt den Namen Artemis II und gilt als Meilenstein der Raumfahrt. Zum ersten Mal seit über 50 Jahren wagen sich wieder Menschen in Richtung Mond, nicht um zu landen, sondern um ihn zu umkreisen. Es ist der zweite Schritt im ehrgeizigen Artemis-Programm der NASA, das langfristig die Rückkehr zur Mondoberfläche und schließlich die Vorbereitung einer bemannten Marsreise zum Ziel hat.

Die Besatzung ist sorgfältig ausgewählt. Angeführt wird sie von Kommandant Reid Wiseman, einem erfahrenen NASA-Astronauten, der bereits an Bord der ISS war. An seiner Seite sitzt Victor Glover, Pilot der Mission und zugleich erster Afroamerikaner, der den Mond umkreisen wird. Unterstützt werden beide von Christina Koch, die schon mit einem Langzeitaufenthalt auf der ISS Raumfahrtgeschichte schrieb, und dem kanadischen Astronauten Jeremy Hansen. Für Hansen ist es der erste Flug ins All – und gleichzeitig der größte Sprung seines Lebens.

Schon in den ersten Stunden nach dem Start wird Orion auf Herz und Nieren geprüft. Das Team wird die Steuerung in Erdnähe übernehmen, Manöver testen und das Zusammenspiel der Systeme überprüfen. Sobald alles stabil läuft, setzt das Servicemodul den entscheidenden Schub: die sogenannte translunare Injektion. Mit ihr beginnt die Reise hinaus aus der Erdumlaufbahn, hinein in den tiefen Raum.

Die Route führt die Crew auf einen rund 370.000 Kilometer langen Weg, der sie in einer weiten Schleife um die Rückseite des Mondes trägt. Dabei erreichen sie eine Distanz von etwa 7.400 Kilometern von der Mondoberfläche – ein Rekord, der neue Perspektiven auf unseren Nachbarn im All eröffnet. Für rund zehn Tage werden die Astronauten in der Schwerelosigkeit leben, forschen und Systeme erproben. An Bord fliegen wissenschaftliche Experimente mit, die das Verständnis von Strahlung, Kommunikation und menschlicher Gesundheit im All vertiefen sollen.

Doch die Reise ist nicht nur wissenschaftlich bedeutsam. Sie ist auch ein emotionales Symbol: Der Mensch, klein und verletzlich, trägt seine Namen, Hoffnungen und Träume hinaus in die unendliche Weite. Jeder, der möchte, kann seinen eigenen Namen ins All schicken – ein stilles Zeichen dafür, dass auch auf der Erde jeder Teil dieser großen Mission sein kann.

Am Ende der Reise wartet eine der spektakulärsten Rückkehrphasen der Raumfahrt. Mit enormer Geschwindigkeit wird die Orion-Kapsel in die Atmosphäre eintreten, um dann sicher im Pazifik vor San Diego zu wassern. Dort übernimmt ein Bergungsteam von NASA und US-Verteidigungsministerium die Crew und das Raumschiff – ein Moment, der den Kreis der Mission schließt. Die Artemis-II-Mission verbindet Hightech mit Menschlichkeit, Abenteuerlust mit Wissenschaft, Vergangenheit mit Zukunft. Und mittendrin: ein kleiner Datenchip, auf dem auch der Name einer rheinischen Zeitung gespeichert ist – bereit, den Mond zu umrunden und wieder zurückzukehren. Wer auch möchte, dass sein Name mit ins All fliegt, der kann sich hier registrieren: https://www3.nasa.gov/send-your-name-with-artemis/ (nb)

Foto: NASA