Vom Eck her – Dat digitale Vierscher Wunder

„Die Digitalisierung macht auch vor unserer Stadt nicht Halt!“ Jo mei. Wenn se denn wenigstens mal kurz anhalten würde, um zu fragen, ob jemand einsteigt.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck

Glosse – Die Stadt Viersen ist nämlich digital unterwegs. Sagt sie selbst. Online-Dienste gibt es, Anträge, Formulare, Klick hier, Klick da – theoretisch alles ganz modern. Praktisch fühlt sich dat aber eher an wie ein Faxgerät mit WLAN. Funktioniert irgendwie, aber keiner weiß so genau, wie.

Und jetzt kommt der Knaller: Die Stadt fragt nach. Öffentlich. Freundlich. Auf dem Portal Beteiligung NRW. Seit Juni 2025 läuft da ein Projekt zur Digitalisierung der Verwaltung. Motto: „Ihre Meinung ist gefragt!“
Un wisst ihr, wat da passiert? Nix. Gar nix. Totenstille. Leerer als der Gereonsplatz sonntags um sieben.

Dabei wird doch sonst so gerne genörgelt. Am Bäckertresen, beim Friseur, an der Ampel, auf Facebook sowieso: „Dat Rathaus kann nix“, „Alles viel zu kompliziert“, „Früher war alles besser“, „Ich hab da mal drei Stunden gewartet“.
Aber wenn man mal ganz offiziell sagen darf, was besser laufen soll – dann is plötzlich Funkstille. Dat digitale Meckern hat wohl Öffnungszeiten.

Dabei könnte man hier richtig wat bewegen. Abläufe vereinfachen, Anträge verständlicher machen, vielleicht mal Formulare, die man nicht dreimal ausdrucken, unterschreiben, einscannen und wieder hochladen muss. Oder Online-Termine, die auch wirklich online bleiben und nicht doch wieder am Schalter enden. Dat volle Programm.

Aber nee. Die Nörgler nörgeln lieber unter sich. Beteiligung? Verantwortung? „Ach, sollen die da oben ma machen.“
Ja, aber wie denn, wenn keiner sagt, wo der Schuh drückt? Oder besser: wo der Drucker wieder mal streikt.

Digitalisierung lebt nicht nur von Servern und Software, sondern auch davon, dass die Leute mitmachen. Dat is kein Wunschkonzert – dat is eher wie ’ne Bürgerversammlung im Internet. Nur ohne Kaffee und ohne Ausrede, man hätte keine Zeit.

Also, liebe Viersener: Wenn ihr das nächste Mal sagt „Die Stadt macht ja nix“, dann denkt dran: Sie hat gefragt. Ihr habt geschwiegen.
Un dat is dann keine digitale Verwaltung – dat is digitales Schulterzucken.

Euer
Jupp van’t Eck