Vom Eck her – Die Dülkener Kirmes oder wat davon übrig is

Leev Lü, heute dürft ihr mich direkt noch ens lese. Jupp war nämlich gestern mit unserem Redakteur Leo Dillikrath uff der Dülkener Herbstkirmes. Oder besser jesaat: uff dem, wat sich noch Kirmes nennt.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck

Viersen-Dülken – Früher hätt der Alte Markt gebebt, da standen die Buden dicht an dicht, Frittenfett und Zuckerwatte in der Luft, un et war voll bis zum letzten Pflasterstein. Heute? Große Lücken, eingeschränktes Angebot, mehr Trauerspiel als Volksfest.

Ja, ich weiß, Kirmes lockt die Masse nit mehr wie früher. Netflix und Handyglotze haben die Kinder abjesaugt, un wenn se dann doch noch rauskommen, dann höchstens bis zum Foodtruck mit Burger in de Pappschachtel. Aber, liebe Stadt Viersen: So kann das nicht bleiben! Traditionsfeste wie die Herbstkirmes sind doch das Herzstück von Dülken. Und wenn das Herz nur noch stolpert, dann ist irgendwann Ende mit „Up ten Mardt“.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Seit 1484 ist der Markt schriftlich belegt – Mittelalter! Da hat man in Dülken schon gefeiert, als anderswo noch nicht mal ein anständiger Schöppenmarkt erfunden war. Und heute? Da wirkt selbst der Autoscooter einsam. Die Stadt sagt: „Wir suchen Schausteller“ – per Mail an markt@viersen.de. Schön und gut. Aber wer glaubt, dass man so eine jahrhundertealte Tradition mit einer E-Mail am Leben hält, der glaubt auch, dass ein Kettenkarussell von alleine dreht. Da braucht es Ideen, da muss Leben rein. Sonst wird die Herbstkirmes bald zur Herbstpause.

Und mal ehrlich: Die Buden stehen verstreut, das Angebot ist mickrig, die Besucher bleiben aus – und das, obwohl diese Kirmes seit Jahrzehnten ein Herzstück des Dülkener Lebens ist. Ohne frischen Wind, neue Ideen und mutige Schausteller wird aus der Tradition schnell ein Trauerspiel. Wer die Herbstkirmes retten will, muss handeln – damit auch in zehn Jahren noch Kinder staunend Zuckerwatte schlecken, Erwachsene auf Autoscootern kreischen und alle zusammen sagen können: Ja, hier lebt die Stadt!

So traditionsreich wie der Schöppenmarkt is dat hier. Den plant man ja auch net erst am Vortag. Also, liebe Stadt – rafft euch! Sonst feiert in zehn Jahren nur noch die Spinne im Zuckerwattestand. 

Euer
Jupp van’t Eck

Der Alte Markt um 1809 – Foto: Privatarchiv Leo Dillikrath