Vom Eck her –  Freiheitsstraße! Grüne Welle? Eher ein roter Faden

Wer in Viersche einmal entspannt die Freiheitsstraße entlanggleiten will, braucht vor allem eins: Glück. Oder Benzin. Oder Nerven wie ein Verkehrslehrer beim Sehtest.
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck

Viersen – Ich sach mal so: In der Theorie gibt’s sie schon seit Jahren. Die sagenumwobene grüne Welle. Wie das Bernsteinzimmer – oft erwähnt, nie gefunden. Wenn du auf der Freiheitsstraße alle Ampeln bei Grün erwischst, kriegste entweder ’n Orden oder warst aus Versehen in Mönchengladbach.

Ich persönlich hab’s versucht. Mehrfach. Langsam, schnell, mit Blinker, ohne Blinker. Einmal sogar mit Hoffnung. Ergebnis: Jedes Mal Stopp. Und Go. Und Stopp. Und nochmal Go. Viersche spielt halt gerne Verkehrssimulation – nur leider in der Hardcore-Version.

„Fahr 53,7 km/h konstant, dann klappt’s“, sagt der Willi.
Ja, Willi. Und wenn ich 11,3 Sekunden vor der Umstellung losfahre, während der Wind aus Nordwest weht und Merkur rückläufig ist, dann geht vielleicht auch die Schranke an der Stadtgrenze auf.

Aber mal im Ernst: Wer da fährt, denkt unweigerlich, sein Auto sei im Widerstand. Weil jede Ampel denkt: „Du? Hier? Jetzt nicht.“

Klimafreundlich? Klar. Wenn du das Auto stehen lässt.
Weil dieser ewige Stopp-und-Go-Tango auf der Freiheitsstraße frisst Sprit, produziert Frust – und bläst den CO₂-Wert hoch wie der Grillabend vor der nächsten Kaffeekränzchen-Kolonie.

Dabei könnte man so viel erreichen: koordinierte Ampelschaltungen, ruhigere Straßen, weniger Gasfuß-Rodeo. Aber stattdessen: hupende SUVs bei Obi wegen der Blitze und nächtliche Straßensprints von der Autobahnauffahrt Dülken bis hin zur Kölnischen Straße. „Fast & Furious – Viersche Drift.“ Gibt’s bald als Doku, wahrscheinlich bei center.tv.

Apropos: Die Kreuzung Kölnische/Ummerstraße
Da ist der Lärm so laut, da brauchst du keine Uhr – du hörst die Uhrzeit am Motorgeräusch. Und wenn da nachts die Turbos heulen, denkt der Gartenfreund: „Oh, schön. Jetzt wird wieder ein Golf GTI durch den Vorgarten geprügelt.“

Ein Anwohner hat jetzt ’ne Petition gestartet. Will Tempo 50, Blitzer reaktivieren, Ampeln besser takten. Ich sag: Super Idee. Aber leider: „Ist außerhalb der Stadtgrenze!“ Is halt wie immer – wenn’s kracht ist keiner verantwortlich. Nur die Nachbarn, die um 2 Uhr morgens das Fenster zumachen.

Meine Lösung?
Klar. Machen wir ein Quiz draus. Wer alle Ampeln auf Grün schafft, gewinnt ein Monatsticket. Oder besser: einen städtischen Ehrenhelm – für mutiges Durchqueren innerörtlicher Rennstrecken.

Oder wir setzen einfach auf altbewährte Maßnahmen: Schilder aufstellen. „Bitte Geschwindigkeit anpassen – oder wenigstens bremsen, bevor Sie fliegen.“

Und an die Stadt: Ihr wollt weniger Lärm, weniger Emissionen, weniger Beschwerden? Dann gebt uns wenigstens eine Ampel, die mitdenkt. Nur eine. Nicht eine, die erst umschaltet, wenn man kurz davor ist und bereits abgebremst hat. Die anderen können ja dann langsam dazulernen.

Bis dahin bleibt’s bei Viersens grünster Welle: dem Grasmulch aufm Mittelstreifen.

Euer
Jupp van’t Eck

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming