Er ist einer der Stars am Remigiusbrunnen: der bronzene Pfau, Sinnbild der Eitelkeit. Normalerweise steht er da, stolz wie Oskar, mit ausgebreiteter Federpracht. Doch in diesem Sommer trug er – man glaubt es kaum – eine knallgelbe Warnweste. Fast so, als wolle er rufen: „Achtung, hier stirbt was!“
Das Vierscher Versehen – Glosse von Jupp van’t Eck
Viersen – Und womit? Mit Recht. Denn rund um den Pfau, in der Fußgängerzone, sieht’s aus, als hätte die Eitelkeit längst den Rückzug angetreten. Einige Lokale leer, Schaufenster blind, Schilder mit „Zu vermieten“ glänzen in der Sonne wie die neuen Statussymbole der Innenstadt. Wer hier noch einzieht, ist höchstens ein Handyshop Nummer 37, eine Ein-Euro-Bude oder ein Barbershop.
Der Pfau weiß es: Früher flanierte man hier. Heute stolpert man eher – über verwaiste Schaufenster und die Frage, ob „Kauf lokal“ mehr ist als eine wohlklingende Phrase. Er steht als letzter Platzhirsch einer Meile, die langsam in den Dornröschenschlaf fällt. Vielleicht ist er das neue Maskottchen der Innenstadt: Nicht mehr Symbol der Eitelkeit, sondern Mahner für das, was bald weg ist, wenn wir weiter auf dem Sofa shoppen.
Dabei wäre es so einfach: „Kauf lokal!“ tönt es auf Plakaten, Flyern und Stadtmarketing-Postkarten. Nur – die Botschaft scheint irgendwo zwischen Amazon-Paket und Lieferando-Tüte verloren zu gehen. Die Stadt predigt es, die Bürger nicken brav – und klicken dann doch beim Onlinehändler. Der Pfau mit seiner Warnweste wirkt fast wie der letzte, der’s noch ernst meint.
Vielleicht sollten wir ihm ein Schild umhängen: „Rette mich – kauf um mich herum ein!“. Denn mal ehrlich: Eine Innenstadt ohne Geschäfte, das ist wie ein Pfau ohne Federn. Traurig, nackt und ohne Stolz.
Oder wie der Willi sagt:
„Wenn der Pfau schon blinkt, dann hör endlich uff zu klicken und geh mal widder in die Stadt.“
Kauft lokal, nicht nur in Viersche, sondern überall – sonst kriegt der Pfau irgendwann noch Gesellschaft: vom Geier.
Euer
Jupp van’t Eck





