Schon früh am Morgen herrschte reges Treiben am Busbahnhof in Süchteln. Hier setzte sich nämlich der kostenfreie Shuttle-Bus in Bewegung, um die ersten Wanderfreunde einzusammeln. Ein weiterer Halt am Viersener Busbahnhof folgte, bevor der Bus pünktlich um kurz vor zehn Uhr den Helenenbrunnen in Viersen-Helenabrunn erreichte.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Rita Stertz
Viersen/Süchteln – Bei mildem Spätsommerwetter begrüßte ein leichter Wind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Irmgardiswanderung, die an diesem Wochenende zu ehren der Heiligen Irmgardis im Rahmen des Irmgardisfestes stattfand. Manche waren zum ersten Mal dabei, andere pilgern den Weg schon seit vielen Jahren. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg – entlang von Feldern, Wäldern und Höhenzügen.

Die Route führte die Gruppe über Bockert und Hoser in Richtung Süchtelner Höhen. Immer wieder öffneten sich Ausblicke über die Felder, während auf schmalen Pfaden durch den Wald die Stille des Spätsommers zu spüren war. Die Wegmarkierungen mit den lachsfarbenen Schildern „IL“ wiesen zuverlässig den Weg – sie stehen für „Irmgardis-Lienenpfad“.
Zwischendurch erzählten Ortskundige kleine Anekdoten: Wo einst eine alte Kapelle gestanden haben soll, wo Pilger Rast machten, oder wie der Weg in früheren Jahrhunderten noch beschwerlicher gewesen ist. Das Miteinander war herzlich – manche wanderten in geselligen Grüppchen, andere ganz bewusst in Stille, um den Weg als persönliche Auszeit zu erleben.
Die Geschichte der heiligen Irmgardis schwingt auf dieser Strecke stets mit. Um das Jahr 1025 auf Schloss Aspel bei Rees geboren, soll sie sich im Laufe ihres Lebens von allem Weltlichen losgesagt haben. Als Einsiedlerin lebte sie schließlich auf dem Heiligenberg in Süchteln, wo sie der Legende nach nur selten ihre Klause verließ, um zum Kirchlein der heiligen Helena in Helenabrunn zu pilgern. Der Pfad, den sie damals nahm, gilt als Ursprung des heutigen Irmgardis-/Helenenpfads.

Bereits im 15. Jahrhundert wird die Irmgardiskapelle urkundlich erwähnt. Das erste Gotteshaus wurde im Jahr 1498 errichtet, jedoch 1589 zerstört. Die heutige Kapelle stammt aus dem Jahr 1664 und ist bis heute Ziel gläubiger Pilger – besonders während der Irmgardis-Oktav, die traditionell rund um ihren Todestag am 4. September gefeiert wird.
Nach ihrem Fußweg, durchzogen von Gesprächen, stillem Gebet oder einfach dem Genießen der Natur, erreichte die Gruppe schließlich das Ziel: die Königsburg in Süchteln. Dort warteten nicht nur Sitzgelegenheiten, sondern auch die wohlverdiente Stärkung – Apfelkuchen und Kaffee für alle Wandernden. In geselliger Runde tauschten die Teilnehmenden ihre Eindrücke aus. Manche berichteten von ihrer persönlichen Motivation, den Weg zu gehen – sei es aus Glaubensgründen, wegen der Freude am Wandern oder schlicht, um mit Freunden einen besonderen Tag zu verbringen. Für viele gehört die Wanderung längst fest zum Jahresrhythmus dazu.
Die Irmgardiswanderung ist mehr eben als nur eine sportliche Herausforderung. Sie verbindet Natur, Geschichte und Spiritualität. Seit Jahrhunderten ist der Heiligenberg Anlaufpunkt für Pilger, die hier Ruhe, Besinnung und Gemeinschaft suchen. Dass diese Tradition bis heute fortgeführt wird, zeigt, wie zeitlos die Faszination für die Gestalt der heiligen Irmgardis und den Weg durch die Süchtelner Höhen ist. Und so gingen am Ende des Tages viele Wanderer nicht nur mit müden Beinen nach Hause, sondern auch mit einem Gefühl der Verbundenheit – mit der Landschaft, der Geschichte und miteinander. (cs)





