Wenn am Grenzweg Wasserschlachten toben, Mehl durch die Luft wirbelt und laute Schlachtrufe über die Niers hallen, dann weiß man: Es ist wieder Zeit für das große Finale des Schützenfestes der St. Konrad-Schützengilde Grenzweg e. V.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker
Willich/Viersen – Was andernorts vielleicht ein stiller Ausklang wäre, gerät hier zum feucht-fröhlichen Höhepunkt – mit allem, was dazugehört: Wasserschläuche, Wasserbomben, schrille Rufe, kreative Verkleidungen und eine selbstgezimmerte Festung, die an diesem Montagmittag wieder hart auf die Probe gestellt wurde.

In diesem Jahr hieß es: Angriff auf König Julian Hardt! Der 28-Jährige hatte sich mit seiner Königin Lina Frings (25), den Ministerinnen Sandra, Celine und Valerie Hardt sowie Standartenträger Christoph Brandt in der „Königsburg“ verschanzt – einem hölzernen Bollwerk direkt am Vereinsheim, stilecht an der Brücke der Niers errichtet. Die Konstruktion aus Sperrholzplatten, Latten und Spanngurten war alles andere als symbolisch: Sie hielt den Angriffen der Schützengruppen lange Zeit stand – und das unter Wasserbomben-Beschuss.
Während auf dem einen Ufer Zuschauer in sicherem Abstand das Geschehen verfolgten, stürmten Gruppen wie die „Mac Alt“-Schotten, die „Tellschützen“, „Zaubermäuse“, „Buure“ und die „Grenadiere“ mit viel Elan und nassen Geschossen das Königshaus. Selbst Mehl wurde zum Einsatz gebracht – das weiße Pulver wehte durch die Luft, als würde es gleich Schnee geben.

Die Verteidiger, teils in Malerkitteln gegen hartnäckige Farbangriffe geschützt, hielten tapfer dagegen. Doch die Übermacht war zu groß. Ein koordinierter Frontalangriff brachte schließlich das mit Spanngurten verstärkte Burgtor zu Fall. Jubelnd rutschten König Julian und seine Begleiter über eine Plastikfolie in die Fluten der Niers – ein nasses Ende, wie es sich die Schützengemeinde wünscht.
Klatschnass, aber einem breiten Grinsen im Gesicht, schwenkte der König sein durchweichtes T-Shirt: Kapitulation! Die Burg war gefallen, das Spektakel gelungen. Noch ehe der angekündigte Sommerregen einsetzte, war ohnehin keiner mehr trocken – die Teilnehmer standen bereits tropfend in der Niers, während auf beiden Ufern Beifall klatschte und Gelächter hallte.
Der symbolische Sturz des Königs aus seiner Burg ist mehr als nur Tradition – er markiert zugleich den Schlusspunkt eines ausgelassenen Schützenfestes und den Startschuss für die Vorfreude auf den nächsten Vogelschuss. Wer wohl im kommenden Jahr die Königsburg verteidigen wird? Das bleibt abzuwarten – sicher ist nur: Auch dann wird kein Hemd trocken bleiben. (nb)





