Ein voller Saal, das Klirren mitgebrachter Tassen und ein verlockender Duft nach Kaffee und frisch gebackenem Kuchen: Im Josefshaus herrschte am vergangenen Dienstag lebendige Betriebsamkeit, als die kfd-Süchteln zu ihrem traditionsreichen Theaternachmittag einlud. 156 Anmeldungen waren eingegangen – so viele, dass kaum ein Platz frei blieb und sich das Haus binnen weniger Minuten in ein fröhlich plauderndes Publikum verwandelte.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Rita Stertz
Viersen-Süchteln – Unter der Leitung von Gaby Weyers präsentierte die kfd-Theatergruppe ihr neues Stück mit dem Titel „Wellness … und andere Katastrophen“, eine turbulente Komödie, die eigens für diesen Anlass geschrieben wurde. Seit vielen Jahren spielen die Frauen Sketche, Theater und kleine Szenen. Alle Nummern stammten aus eigener Feder und spiegelten mit viel Witz das Leben, die Eigenheiten der Süchtelner Heimat und das Zeitgeschehen wider.

Schon die Ausgangsidee sorgte für schmunzelnde Gesichter: Auf den Süchtelner Höhen eröffnet ein Wellnesshotel, das seinen Gästen alles bietet, was das Wohlfühlherz begehrt – und manchmal lieber nicht. Vom frühen Morgenprogramm mit Yoga und nordic walking über Massagen eines charmanten Therapeuten bis hin zu weniger angenehmen Anwendungen wie Glaubersalztrinken wurde kein Klischee ausgelassen. „Ich habe Tränen gelacht“, erzählte Zuschauerin Maria L. nach der Vorstellung. „Man hatte wirklich das Gefühl, selbst dabei zu sein.“
Zwischen den Wohlfühlmomenten stolperten die Darstellerinnen in herrlich überzeichnete Katastrophen. Plötzlich erschien sogar königlicher Besuch: Der König von England samt Gemahlin gab sich die Ehre, um die historischen Ausgrabungen Süchtelns zu bestaunen. In einer weiteren Szene schwebte der Weber vom Brunnen – samt seiner Frau am Spinnrad – direkt aus dem Himmel auf die Bühne. In einem komischen Wortgefecht nahm er sich der Süchtelner Dauerbaustellen an und wunderte sich lautstark über deren zähen Fortschritt. Auch eine Anspielung auf Nachtwächter Heinz Prost durfte nicht fehlen – verbunden mit dem Versprechen, ihn im kommenden Jahr kurzerhand selbst mitzubringen.

Der Humor lebte dabei nicht nur von lokalen Seitenhieben und liebenswerter Übertreibung, sondern auch vom feinen Zusammenspiel der Akteurinnen, die mit sichtbarer Freude spielten. „Es war herrlich zu sehen, wie viel Herzblut die Frauen in dieses Stück gesteckt haben“, sagte Besucherin Gisela, die zum ersten Mal bei einem Theaternachmittag der kfd war. „Man fühlt sich sofort als Teil der Gemeinschaft.“
Die kfd-Süchteln, Teil eines bundesweit aktiven Verbandes, nutzt solche Veranstaltungen nicht nur zur Unterhaltung. Sie versteht sich als Stimme für Demokratie, Gleichberechtigung und die Belange von Frauen in Kirche und Gesellschaft. Obwohl sie eine Organisation im katholischen Kontext ist, steht sie ausdrücklich allen offen, die die Grundwerte teilen. „Wir sprechen nicht nur Frauen im engeren Sinne an, sondern auch queere Personen“, so die kfd. Die Ortsgruppe in Süchteln zählt derzeit 131 Frauen, organisiert in Altersgruppen sowie einer engagierten Theatergruppe.

Doch der Verband kämpft – wie viele andere – mit Überalterung. Neue Mitglieder werden dringend gesucht, besonders jüngere Frauen oder Menschen, die neue Ideen einbringen möchten. Ob Spieleabende, Kreativtreffen oder eigene Projekte: Die Struktur bietet Raum für Neues. Auch bei Veranstaltungen wie dem Gemeindebasar oder der Organisation der Cafeteria wird Unterstützung benötigt. Gleichzeitig bleibt die kfd lebendig durch feste Programmpunkte im Jahreslauf: Ausflug, Oasentag, Theaternachmittag, Maiandacht, Kreuzwegandacht sowie die beliebten Klöntreffs.
Am Dienstag jedoch stand allein der Spaß im Mittelpunkt. Das Publikum feierte die Premiere mit langem Applaus, viele blieben anschließend noch bei einer weiteren Tasse Kaffee sitzen und ließen den Nachmittag ausklingen. Ein gelungener Beweis dafür, welche Kraft Gemeinschaft, Humor und ehrenamtliches Engagement entfalten können. (sk)





