Wenn die Dölker Möhne sammeln, profitiert das Ehrenamt

In der Filiale der Sparkasse Dülken herrschte eine Atmosphäre gespannter Erwartung. Auf dem Tisch standen mehrere prall gefüllte Sammelbüchsen, ihr metallisches Klirren ließ bereits erahnen, dass der diesjährige Karnevalssamstag ein erfolgreicher gewesen sein musste.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath

Dölke – Es ist nämlich gute Tradition, dass sich die Dölker Möhne gemeinsam mit den Prinzenpaaren der Stadt mit dem Stripke während der karnevalistischen Hochzeit auf eine ganz besondere Wanderung durch Dülken begeben. Als die engagierten Dölker Möhne nun gemeinsam mit Filialleiter Frank Dors die Büchsen schließlich öffneten und den Inhalt zählten, wich die Spannung rasch großer Freude: 4.500 Euro waren zusammengekommen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Für die Karnevalistinnen ist dieses Ergebnis weit mehr als nur eine Zahl. Es ist Ausdruck einer gewachsenen Tradition, die in Dülken seit Jahrzehnten fest verankert ist. Seit über 45 Jahren ziehen die Dölker Möhne während der närrischen Zeit durch die Straßen der Innenstadt. Mit Humor, Charme und einer gehörigen Portion rheinischem Frohsinn sammeln sie Spenden für karitative Zwecke.

Auch in diesem Jahr war der Zug ein farbenfrohes und lebendiges Bild. Rund 35 Möhnen, unterstützt von etwa 15 Gardisten, zogen gemeinsam mit dem großen und dem kleinen Prinzenpaar durch die Dülkener Innenstadt. Sie besuchten Geschäfte, suchten das Gespräch mit Passanten und baten um Unterstützung für soziale Projekte in der Region. Überall begegneten ihnen offene Türen, freundliche Worte und großzügige Spendenbereitschaft.

Die Sammlung dauerte rund vier Stunden – eine Zeit, in der nicht nur Geld zusammenkam, sondern auch zahlreiche Begegnungen entstanden. Händler, Besucher und Bewohner der Stadt ließen sich von der guten Laune der kostümierten Gruppe anstecken. Viele der angesprochenen Menschen zückten spontan ihr Portemonnaie. Andere blieben stehen, tauschten ein paar Worte aus oder ließen sich gemeinsam fotografieren.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Am Ende dieses fröhlichen Zuges standen die gefüllten Sammelbüchsen – und schließlich das Zählergebnis in der Sparkasse. Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind für die Dölker Möhne dabei selbstverständlich. Gemeinsam mit Filialleiter Frank Dors wurde der Betrag sorgfältig ermittelt und offiziell bestätigt. Die Höhe der Spendensumme liegt damit im Bereich der vergangenen Jahre. Regelmäßig kommen zwischen 4.000 und 5.000 Euro zusammen – Beträge, die für kleinere Vereine und Initiativen von erheblicher Bedeutung sind. Sie ermöglichen Projekte, schaffen konkrete Hilfe und setzen genau dort an, wo Unterstützung unmittelbar gebraucht wird.

Auch in diesem Jahr profitieren mehrere Einrichtungen von dem karnevalistischen Engagement. 150 Euro gehen an die Initiative der Sternenkinder, deren Mitglieder ehrenamtlich Kleidung und Erinnerungsstücke für früh verstorbene Babys und Frühchen nähen, stricken und häkeln. Schlaf- und Pucksäckchen, kleine Kleidchen, Mützen oder Einschlagdecken werden betroffenen Familien kostenlos zur Verfügung gestellt – verbunden mit einem Andenken aus demselben Stoff, das als bleibende Erinnerung dient.

Jeweils 1.450 Euro erhalten drei weitere Organisationen, deren Arbeit in der Region große Anerkennung genießt. Der Verein Löwenkinder – Unterstützung krebskranker Kinder e. V. Viersen begleitet Familien mit schwer erkrankten Kindern. Neben individueller Beratung und praktischer Hilfe im Alltag organisiert der Verein Netzwerke zwischen betroffenen Familien, unterstützt regionale Kliniken und beteiligt sich an Forschungsprojekten zur Behandlung von Krebs im Kindes- und Jugendalter.

Ebenfalls bedacht wird die Stiftung Fundación für Kinder mit Sitz in Viersen-Dülken. Sie setzt sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche, die soziale Benachteiligung oder Ausgrenzung erfahren, bessere Chancen erhalten. Projekte wie das „Blaue Haus“, der Dülkener Kindertag, Sprachförderprogramme, Sportcamps oder kreative Angebote sollen jungen Menschen ein starkes Fundament geben und ihnen ermöglichen, ihre Talente zu entfalten.

Schließlich profitiert auch der Dülkener St. Martinsverein 1869 e. V., einer der ältesten Martinsvereine im Rheinland. Seit über 150 Jahren pflegt der Verein das Brauchtum rund um das Martinsfest. Bemerkenswert ist dabei seine soziale Tradition: Statt Martinstüten auszugeben, verwendet der Verein die gesammelten Spenden, um bedürftige Schulkinder in Dülken mit Winterbekleidung zu versorgen – eine Praxis, die bis zur Gründung im Jahr 1869 zurückreicht.

Bei der offiziellen Übergabe der Spenden durften selbstverständlich auch die Tollitäten der vergangenen Session nicht fehlen. Das gemeinsame Handeln der Jecken unterstrich die enge Verbindung zwischen dem karnevalistischen Brauchtum und gesellschaftlicher Verantwortung, die in Dülken seit jeher gepflegt wird. Für die Dölker Möhne steht dabei fest: Karneval ist für sie nicht nur ein Anlass zum Feiern. Jede freundliche Begegnung, jede noch so kleine Spende sei Teil einer großen Gemeinschaftsleistung, auf die die ganze Stadt stolz sein könne. Gerade diese Mischung aus Frohsinn und Hilfsbereitschaft mache den besonderen Charakter der Sammlung aus. So zeigen die Dölker Möhnen Jahr für Jahr, dass der Karneval weit mehr ist als bunte Kostüme, Musik und ausgelassene Stimmung. In Dülken ist er auch eine Zeit des Miteinanders – geprägt von Herzenswärme, Engagement und gelebter Nächstenliebe. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath