Wenn Kühe ins Home-Office ziehen – Stefan Verhasselt brachte die Königsburg zum Lachen und Schmunzeln

Ein Freitagabend in Süchteln: Im teilweise renovierten Saal der traditionsreichen Königsburg feierte das Publikum nicht nur die besondere Spielstätte, sondern auch einen Kabarettisten, der längst zum Kult geworden ist. Stefan Verhasselt, WDR4-Stimme und scharfzüngiger Beobachter vom Niederrhein, brachte mit seinem sechsten Programm „Mit euch ist es schöner“ den vollbesetzten Saal zum Lachen, Nachdenken – und zum zustimmenden Kopfnicken.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Rita Stertz

Viersen-Süchteln – Die Gäste im ausverkauften Saal erlebten Kabarett pur, ohne Requisiten, ohne Maskerade – dafür mit einer Prise schwarzen Humors und dem unverwechselbaren Charme des Niederrheiners. Verhasselt seziert Alltagsszenen mit Wortwitz, wechselt mühelos vom Gerücht im Dorf zum Problem der braunen Tonne und landet plötzlich bei der künstlichen Intelligenz. „Manchmal reicht ein kleiner Gedanke – und schon prakesiert sich alles von selbst“, erklärte er lachend auf der Bühne.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Das neue Programm lotet die komischen Tiefen der Gegenwart aus: Kühe im Home-Office, Hunde mit Übergangsmäntelchen, Veganer-Debatten oder Milch als Ersatzreligion. Selbst die Datenschutzdiskussionen bekommen ihren Platz im Reigen der Absurditäten.

„Genau so is et – wie bei uns zuhaus“, murmelte eine Zuschauerin in der dritten Reihe und wischte sich Tränen des Lachens aus den Augen. Die Königsburg zeigte sich passend zum Anlass: fast vollständig renovierte Wände, alte Atmosphäre, ein Saal voller Energie. Es war das erste größere Gastspiel seit der langen Pause – und es geriet zum Erfolg.

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz

Dass Verhasselt seine Mitmenschen durch den Kakao zieht, ohne verletzend zu werden, macht den Unterschied. Immer schwingt Empathie mit, wenn er sich etwa über hippe Bowls statt klassischem Spargel wundert oder den absurden Niederrheiner Alltag ins Scheinwerferlicht stellt. Das Publikum lachte über sich selbst – und genau darum geht es dem Kabarettisten.

„Lachen heißt erkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen“, formulierte einer der Zuschauer augenzwinkernd zum Finale, bevor es langen Applaus und stehende Ovationen gab. Ein Abend, der zeigte: Kabarett lebt nicht von großen Kulissen, sondern von Nähe, Beobachtungsgabe – und der Kunst, kleine Dinge groß werden zu lassen. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Rita Stertz