„Wir lieben Leben“: Selbstbestimmtes und möglichst eigenständiges Wohnen im Belgischen Viertel eröffnet

Mieter und Mieterinnen, Familienmitglieder, Mitarbeiter sowie viele Gäste aus Wirtschaft und Politik hatten gerne den Weg in den Gemeinschaftsraum der Tagespflege im „Belgischen Viertel“ gefunden, die nun gemeinsam mit dem Betreuten Wohnen eröffnet wurde.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Das Seniorenzentrum der Ev. Kirchengemeinde Viersen gGmbH und deren Tochtergesellschaft DIAKONIA hatten eingeladen zu einer Andacht und einer feierlichen Eröffnungsfeier, denn nach der Bauzeit der vergangenen Monate konnte nun das Betreute Wohnen und die Tagespflege im Belgischen Viertel eröffnet werden. „Aus den Erfahrungen und Nachfragen in den letzten Jahren entstand der Gedanke, parallel zu unseren vollstationären Einrichtungen die ambulante Versorgung älterer Menschen hier in Viersen noch umfassender, noch komfortabler und entlastender zu gestalten, um ein Leben in Eigenständigkeit und Unabhängigkeit in einem geeigneten eigenen Wohnumfeld so lange wie möglich zu garantieren“, so Geschäftsführer Martin Stoof mit Blick auf das Betreute Wohnen der neuen, seniorengerechten und barrierearmen Wohnanlage mit 45 Einheiten in ganz unterschiedlichen Größen sowie die weitläufige Tagespflege mit viel Platz für achtzehn Gäste, die vor Ort einen abwechslungsreichen Tagesablauf erleben können.

Geschäftsführer Martin Stoof im Gespräch mit Dr. Barbara Schwahn, Superintendentin des Ev. Kirchenkreises Krefeld-Viersen und Katarina Esser, die Dezernentin für Soziales, Gesundheit und Arbeit Kreis Viersen. Foto: Rheinischer Spiegel

Viele der betreuten Wohnungen sind bereits bezogen, bis Anfang Dezember werden im Belgischen Viertel 55 Menschen ein neues Zuhause gefunden haben, denn alle Wohnungen sind vermietet. „Meine Generation erlebt jetzt gerade, wie die Eltern sich fragen was ist, wenn man nicht mehr fit ist“, betrachtete Dr. Barbara Schwahn, die neue Superintendentin des Ev. Kirchenkreises Krefeld-Viersen, in ihrer Rede. „Weit ist es nicht mehr, bis wir geburtenstarken Jahrgänge, uns diese Frage stellen. Das heißt, wenn Sie als Kirchengemeinde, wenn Sie heute offiziell ein Betreutes Wohnen eröffnen mit angegliederter Tagespflege, dann treffen Sie genau den Nerv der Zeit. Sie machen ein Angebot für angepasstes Leben im Alter und Sie tun das als Kirchengemeinde.“ Ein Umstand, den die Superintendantin als besonders eindrucksvoll herausstellte, da Kirche und Diakonie untrennbar miteinander verbunden, zwei Seiten eines gemeinsamen Auftrags, seien. „Die Palette, die Sie in Viersen vorhalten, die finde ich schon sehr beeindruckend“, ergänzte Dr. Schwahn, die sich für den großen Einsatz bedankte und Gottes Segen überbrachte. Ebenfalls Pfarrer Hans Bretschneider sprach seine Freude und Dankbarkeit über das neue Projekt aus, denn mit dem neuen Angebot wurden auch zwei neue Standbeine innerhalb der Kirchengemeinde geschaffen. Er wies darauf hin, dass der Evangelischen Kirchengemeinde in Viersen der diakonische Auftrag schon immer sehr wichtig gewesen sei, dies würde deutlich an den drei Kindertagesstätten oder den beiden Seniorenheimen in Viersen. Angebote, die allen Menschen in Viersen zugutekommen sollen, so wünscht es sich der Pfarrer der Evangelischen Gemeinde in Viersen.

Hans Kettler, stellv. Landrat Kreis Viersen, überbrachte anerkennende und würdigende Worte zu dem neuen Angebot am Belgischen Viertel. Foto: Rheinischer Spiegel

In die Laudatoren reihten sich der stellvertretende Landrat, Hans Kettler, ebenso wie Katarina Esser, die Dezernentin für Soziales, Gesundheit und Arbeit im Kreis Viersen ein. Kettler wagte dabei einen Sprung in die Vergangenheit, als der Rollator noch nicht erfunden und der demografische Wandel nicht so ausgeprägt sichtbar war wie in unserer aktuellen Gesellschaft. In einer Zeit, als Senioren noch nicht so umfassend am Leben teilnahmen, seltener den Weg aus den Wohnungen fanden. Gegebenheiten, die sich mittlerweile geändert haben, weshalb Kettler auf die ruhige und doch stadtnahe Lage im Belgischen Viertel hinwies. Dabei zeigte er auf die Nähe zum Bahnhof auf: „Wenn denn die Aufzüge funktionieren“, fügte er hinzu und erntete breite Zustimmung. „Unsere Gesellschaft hat sich in diesen sechzig Jahren gründlich verändert. Heute ist im Alter selbstbestimmtes und möglichst eigenständiges Wohnen unter Zuhilfenahme von Unterstützung und Pflege das Ziel.“ Er ging darauf ein, wie wichtig der Neubau ist, schließlich zeigten die Vermietungs- und Belegungszahlen, dass der Kreis Viersen ein weiteres Angebot dieser Art dringend benötige. Wertschätzung und Anerkennung, die in ihrer Rede ebenfalls Dezernentin Katarina Esser aus Sicht der Fachbehörde überbrachte bevor im Anschluss an die Eröffnungsfeier für die Gäste die Möglichkeit bestand sich selbst einen Eindruck von dem großen Gebäudekomplex und den Angeboten der DIAKONIA zu verschaffen. (nb)