„Wir sind das Fundament der Gesellschaft“

38 Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik aus dem Kreis Viersen, darunter drei Frauen, sind jetzt Gesellen. In Willich feierten sie ihre Lossprechung.

Kreis Viersen – Jamie Eirmbter lud die Gäste im Saal der Hausbrauerei Schmitz-Mönk zu einem Gedankenspiel ein: „Stellt euch vor, ihr wacht morgen auf – und alle Handwerkerinnen und Handwerker sind weg.“ In ihrer begeisternden Rede während der Lossprechungsfeier der Innung E-Handwerke Niederrhein Kreis Viersen schilderte die junge Gesellin, was dann wäre: „Kein Strom. Kein Warmwasser. Die Heizung kalt. Der Aufzug steht. Das Krankenhaus läuft auf Notstrom. Kein Haus wäre gebaut worden. Keine Straße asphaltiert. Keine Schule eingerichtet. Kein Supermarkt mit Licht, kein Zug auf der Strecke, kein Handy geladen.“

Für die Elektronikerin ist deshalb klar: „Das Handwerk ist nicht der Hintergrund der Gesellschaft. Es ist das Fundament“, erklärte die Kempenerin. Zum Beispiel bei der Energiewende und der Klimaneutralität. Am Ende seien es Elektronikerinnen und Elektroniker, die Wallboxen an die Wände schrauben und Solaranlagen auf die Dächer bringen. „Ohne uns bleibt die Energiewende eine PowerPoint-Präsentation“, sagte Jamie Eirmbter, die ihre Ausbildung im Betrieb VM Elektrotechnik von Markus Vianden in Grefrath absolviert hat.

Die jungen Handwerkerinnen und Handwerker trügen Verantwortung – nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche. „Wir gestalten mit, wie dieses Land in 20 Jahren aussieht“, erläuterte Jamie Eirmbter. Ausdrücklich sprach sie sich für eine offene und faire Gesellschaft aus, die niemanden zurücklasse. „Ich baue Infrastruktur für alle. Nicht für manche“, betonte sie. Angesichts des geringen Frauenanteils in Elektroberufen von bundesweit unter fünf Prozent ermunterte sie Mädchen und Frauen zu einer Ausbildung im Handwerk: „Traut euch. Es ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich.“ An die Betriebe appellierte sie: „Stellt Frauen ein. Nicht als Quotenerfüllung – sondern weil Vielfalt bessere Ideen bringt.“

Herzliche Glückwünsche sagte den jungen Gesellinnen und Gesellen der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein, Thomas Gütgens. In seiner Rede hob er hervor, wie das Elektrohandwerk für hohe Wohn- und Lebensqualität sorge. Dazu trage die Vernetzung von Haustechnik, Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik bei. „Ohne Elektroniker kein Smart Home“, stellte Gütgens fest.

Lehrlingswart Thomas Pickers sprach die bisherigen Auszubildenden während der von Stefanie van der Wielen (Kreishandwerkerschaft) moderierten Feier nach alter Tradition von den Pflichten des Lehrvertrages los und erhob sie in den Gesellenstand. Als Jahresbesten zeichnete er Julian Herold aus, der bei Elektrotechnik Deckers in Schwalmtal seinen Beruf erlernte. Ursprünglich wollte der 22-Jährige nach dem Abitur Architektur studieren, aber dann stellte er bei einem Praktikum fest: „Das war mir alles viel zu theoretisch – ich wollte etwas Praktisches machen.“ Über die Berufsberatung der Arbeitsagentur kam er zum Elektrohandwerk.

An seinem Beruf reizen ihn die Abwechslung – und die vielfältigen Möglichkeiten: Inzwischen arbeitet Julian Herold als Servicetechniker bei einem Unternehmen, das komplexe Einbruchmeldeanlagen baut. Da er seine Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen konnte und die Prüfung bereits im Sommer ablegte, konnte er 2025 an der Deutschen Meisterschaft im Handwerk teilnehmen – er wurde Dritter im Bezirk der Handwerkskammer Düsseldorf. Inzwischen hat Julian bereits mit der Meisterschule begonnen, die er in Blöcken absolviert. Seine Bestleistung bei der Gesellenprüfung würdigte die Sparkasse Krefeld mit einem Spargutschein über 150 Euro. (opm)

Als neue Fachkräfte hieß die Innung E-Handwerke Niederrhein Kreis Viersen die jungen Elektronikerinnen und Elektroniker willkommen. Foto: Kreishandwerkerschaft