Zwischen 80er-Glanz und 90er-Beats: Bettrath feierte in den Mai

Bettrath hat in der Nacht zum 1. Mai einen jener seltenen Abende erlebt, an denen sich Tradition und Gegenwart zu einem dichten musikalischen Ereignis verbinden. Unter dem programmatischen Motto „Remember the Night“ hatte die St. Johannes-Junggesellen-Bruderschaft Hoven – Bettrath – Lockhütte e.V. zur traditionellen „Tanz in den Mai“-Feier geladen, die sich in diesem Jahr zu einer ausgedehnten Musiknacht zwischen Nostalgie, Partyästhetik und Live-Performance entwickelte.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler

Mönchengladbach – Der Abend setzte dabei auf ein bewusst breit angelegtes musikalisches Konzept, das zwischen 80er-Jahre-Pop und Rock, 90er-Jahre-Clubästhetik und aktuellen Dance-Elementen changierte. Ergänzt wurde das Live-Programm der Remember Band durch DJ Shinsky, der mit einem Set aus Pop-, House- und Partyklassikern für eine durchgehende Tanzdynamik sorgte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums

Im Zentrum des Abends stand mittlerweile schon traditionell die Remember Band, deren Konzept sich seit Jahren der Neuinterpretation populärer Musikgeschichte widmet. Es folgten Stücke wie „Don’t Stop Believin’“, „Summer of ’69“, „What’s Up“ und „Wonderwall“. Die Remember Band lebt von Musikern, die nicht einfach nur begleiten, sondern den Abend tragen. Heinrich Verheyden stand mit Gesang, Gitarre, Trompete und gelegentlicher Bluesharp am Frontmikrofon und brachte genau jene Vielseitigkeit ein, die dem Programm seinen Charakter verlieh. Seine musikalische Laufbahn, die ihn seit 2004 bewusst ins Cover-Genre geführt hat, spiegelt sich in seiner souveränen Bühnenpräsenz wider: geerdet, wach, mit hörbarer Lust an der Performance. Neben ihm überzeugte Alex Behrens mit einer Stimme, die auf klassischer Ausbildung fußt und zugleich die Erfahrung aus Band-, Orchester- und Bigband-Kontexten mitbringt. Dass sie schon mit den Heavytones auf Tour war und mit Künstlern wie Kool & the Gang, Ronan Keating und Cliff Richard auf der Bühne stand, war ihrer Darbietung anzumerken: sicher, kraftvoll und jederzeit präsent.

Foto: Rheinischer Spiegel/Inge Kroese

Am Keyboard setzte Michael Sommer die klanglichen Akzente, die viele Songs erst in jene Form brachten, in der sie an diesem Abend ihre volle Wirkung entfalteten. Seine Sounds und Pianolinien gaben dem Repertoire Struktur und Tiefe; zugleich hielt er als musikalischer Leiter die Fäden zusammen. Bernd Liffers an der Gitarre brachte die Mischung aus Ausdruck, Präzision und Energie ein, die große Songs braucht, um nicht bloß nachgespielt, sondern wirklich belebt zu werden. Am Bass arbeitete Jonas Köpke mit einem sicheren Gespür für Groove und Dynamik. Seine musikalische Laufbahn, die vom Schlagzeug zum E-Bass führte und ihn über verschiedene Stationen schließlich nach Mönchengladbach brachte, spiegelt sich in einem Spiel, das gleichermaßen flexibel wie souverän wirkt. Den rhythmischen Rahmen schließlich setzte Michael Grulke am Schlagzeug. Seit 2012 ist er das verlässliche Fundament der Band, ein Taktgeber, dessen Spiel zwischen kraftvoller Präsenz und kontrollierter Zurückhaltung genau jene Stabilität schafft, auf der ein solcher Abend ruht.

Im weiteren Verlauf des Programms verdichtete sich die musikalische Dramaturgie zunehmend. „Shut Up and Dance With Me“, „I Wanna Dance With Somebody“ und „Sex on Fire“ sorgten für eine spürbare Steigerung der Publikumsenergie, während „Numb“ eine etwas dunklere, rockorientierte Farbgebung in den Abend einbrachte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Inge Kroese

Während die Live-Setlists immer wieder neue Energie freisetzten, übernahm DJ Shinsky eine zweite, nicht minder wichtige Rolle. Mit 80s Pop- und Rockhits, Dance House Pop sowie 90s Trash brachte er eine weitere Ebene in das Geschehen, die den Abend nicht nur verlängerte, sondern verdichtete. Was diesen „Tanz in den Mai“ in Bettrath besonders machte, war die Verbindung aus handfester lokaler Verankerung und professioneller musikalischer Umsetzung. Die Bruderschaft als Veranstalter verlieh dem Abend den Rahmen, die Band den Klang, der DJ den zusätzlichen Druck auf der Tanzfläche. Der Titel „Remember the Night“ erwies sich dabei als mehr als ein Motto. Er wurde zum Leitgedanken eines Abends, der in Bettrath mit vollem Haus, viel Bewegung und hörbarer Begeisterung in den Mai geführt wurde. Kurz gesagt … wer nicht dabei war, der hat wirklich etwas verpasst. (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Maris Rietrums