Viersen setzte beim Stadt.Land.Markt auf nachhaltige Impulse

Die Viersener Fußgängerzone hat sich gestern in eine Mischung aus Markt, Mitmachmeile und Informationsforum verwandelt. Beim Stadt.Land.Markt standen in diesem Jahr regionale Erzeugnisse, handwerkliche Angebote, Naturthemen und nachhaltige Konzepte nebeneinander, ergänzt vom verkaufsoffenen Sonntag, der zusätzliche Besucher in die City zog.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Martin Häming

Viersen – Ein herrlicher Maitag, passend für einen schönen Spaziergang durch die Viersener Innenstadt. Zwischen Hauptstraße und Sparkassenvorplatz reihten sich Stände mit Lebensmitteln, Pflanzen, Alltagsprodukten und Initiativen aneinander; die interessierten Besucher bewegten sich durch ein Angebot, das weniger auf bloßen Konsum als auf Herkunft, Verarbeitung und gesellschaftliches Engagement setzte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Schließlich knüpfte der Markt an das bewährte Format der vergangenen Jahre an, führte es aber zugleich inhaltlich enger mit den Viersener Aktionstagen Nachhaltigkeit zusammen. Diese gingen 2026 bereits in ihre vierte Auflage unter städtischer Regie und hatten ihren Zeitraum vom 7. bis 17. Mai unter das Motto „Gut. Für uns. Und für Viersen.“ gestellt. Der Stadt.Land.Markt bildete dabei den räumlichen und thematischen Mittelpunkt der Halbzeit, und verfolgte das Ziel, Nachhaltigkeit nicht abstrakt zu verhandeln, sondern im Alltag sichtbar, anfassbar und im besten Sinne diskutierbar zu machen. Wer durch die südliche Fußgängerzone ging, traf deshalb nicht nur auf Verkaufsstände, sondern auch auf Vereine, Beratungsstellen, Initiativen und Gruppen, die konkrete Handlungsoptionen aufzeigten.

Das Spektrum reichte von Energiefragen über Ernährung, Abfallvermeidung und Reparatur bis hin zu Klimaanpassung und Fairtrade. Die Bürger-Energie-Genossenschaft Viersen erläuterte an ihrem Stand, wie gemeinschaftlich organisierte Energieversorgung funktionieren kann und welche Wege es für Bürgerinnen und Bürger gibt, sich etwa an Photovoltaikprojekten zu beteiligen. Die Bürgersolarberatung der Stadt Viersen ergänzte dieses Angebot mit zwei Modulen und einer Live-Anzeige des erzeugten Stroms, wodurch die technische Seite der Solarenergie anschaulich wurde. Der Kreis Viersen stellte über seine Abteilung Klimaschutz eigene Projekte vor und verwies unter anderem auf das Netzwerk ALTBAUNEU, das Informations- und Beratungsangebote rund um energieeffizientes Sanieren bündelt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Nachhaltigkeit im Alltag verankert werden kann. Der Ernährungsrat Kreis Viersen machte deutlich, dass eine nachhaltigere Ernährung nicht Verzicht bedeuten muss, sondern saisonale, regionale, faire und zugleich genussvolle Lebensmittel in den Mittelpunkt rückt. Foodsharing Viersen lenkte den Blick auf die Verschwendung von Lebensmitteln und zeigte Wege auf, wie sich im Haushalt und in der Gemeinschaft dagegen steuern lässt. Das Forum Eine Welt Viersen widmete sich dem Fairtrade-Gedanken und setzte spielerisch auf Beteiligung: Am Glücksrad konnten Besucher Fragen ziehen und ihr Wissen testen. Der Stand machte deutlich, dass nachhaltiges Handeln nicht bei regionalen Produkten endet, sondern auch globale Lieferketten, Produzentenbedingungen und Konsumentscheidungen umfasst.

Auch der ökologische Gartenbau fand seinen Platz. Der Verein NaturGarten, Regionalgruppe Westliches Rheinland, informierte über die Neuanlage und Pflege naturnaher Gärten, Balkone und Außenflächen. Die Präsentation reichte von Fachliteratur bis zu Samen einheimischer Wildpflanzen und samenfester Nutzpflanzen. Damit wurde ein Bereich angesprochen, der in Kommunen zunehmend an Bedeutung gewinnt: Biodiversität im privaten und halböffentlichen Raum. Die Botschaft war unmissverständlich und zugleich alltagstauglich: Schon kleine Flächen können einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten, wenn sie nicht steril, sondern ökologisch gedacht werden.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Neben den Informationsständen nahm die praktische Seite des Marktes breiten Raum ein. Das Repair Café Viersen warb für die Reparatur statt des Wegwerfens und stellte Hilfe für Elektro- und Elektronikgeräte, Textilien, mechanische Geräte und Holzteile in Aussicht. Das Angebot passte inhaltlich zum Leitgedanken der Veranstaltung: Ressourcen schonen, Nutzungsdauer verlängern, Gegenstände erhalten. Dass ein solches Thema in Viersen nicht trocken oder belehrend aufbereitet wurde, zeigte sich auch an den Angeboten für Familien. Das Jugendrotkreuz Ortsverein Viersen richtete unter dem Motto „Menschlichkeit bewahren – Umwelt schützen“ Bastelaktionen und Spielstationen aus. Kinder und Eltern konnten dort in einer Umgebung mitmachen, ausprobieren und lernen, ohne dass der pädagogische Anspruch belehrend wirkte.

Ergänzt wurde das Programm durch Angebote, die sich bereits in früheren Jahren bewährt hatten und erneut ein breites Publikum anzogen. Greifvogelvorführungen und die rollende Waldschule gehörten wieder dazu und verbanden Naturerlebnis mit Wissensvermittlung.  Apropos Wissen … Der Schaustellerbetrieb Eschenhof bot auf dem Sparkassenvorplatz seine „Eschenhof Fritten“ an. Die Kartoffeln für die Pommes stammten aus der Region, genauer vom Kuhnenhof in Kerken-Stenden. Neben dem Verkaufsstand war ein Aktionsmodul aufgebaut, an dem Kinder unter Anleitung selbst Kartoffeln zu Fritten pressen konnten. Mmmh lecker! (sk)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming