Einblicke zwischen Hightech und Heilung in der Süchtelner Orthopädie

Mit einem breiten Programm aus Medizin, Technik, Information und Hausgeschichte hat sich die LVR-Klinik für Orthopädie am Samstag in Süchteln der Öffentlichkeit präsentiert.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Leo Dillikrath

Viersen-Süchteln – Das orthopädische Kompetenzzentrum am Niederrhein nutzte ihren diesjährigen Tag der offenen Tür, um Einblicke in operative Verfahren, konservative Therapien, Ausbildungswege und die Entwicklung des Hauses über mehr als ein Jahrhundert hinweg zu geben. Der Zuspruch zeigte, dass Orthopädie längst nicht nur ein Thema für Patientinnen und Patienten ist, sondern für viele Menschen mit Fragen nach Mobilität, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Auf dem Gelände an der Horionstraße fanden die Besucher keinen bloßen Informationstag, sondern ein sorgfältig gestaltetes Angebot, das medizinische Kompetenz anschaulich machte. Die Klinik, die als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung überregional einen ausgezeichneten Ruf genießt, stellte ihre Rolle als spezialisierte Einrichtung für Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates in den Mittelpunkt. Knochen, Gelenke, Muskeln und Sehnen bildeten dabei nicht nur die medizinische Ausgangslage, sondern auch den roten Faden eines Tages, der den Blick gleichermaßen auf Präzision im Operationssaal, auf Prävention und Rehabilitation sowie auf die alltägliche Arbeit der Teams richtete.

Ein Schwerpunkt lag auf der robotisch gestützten Operationstechnik, die in Viersen seit Jahren eingesetzt wird und zu den Verfahren gehört, mit denen moderne Orthopädie heute arbeitet. Das Ärzteteam erläuterte, wie digitale Unterstützung die Genauigkeit bei Gelenkersatzoperationen erhöhen kann und wie sich daraus individuelle Lösungen für unterschiedliche anatomische Voraussetzungen ergeben. Dass technische Innovationen hier nicht als Selbstzweck verstanden werden, sondern als Teil eines Behandlungskonzepts, das Patientensicherheit und Passgenauigkeit verbindet, wurde in den Gesprächen immer wieder deutlich. Gerade bei Eingriffen an Knie und Hüfte zeigte sich, wie stark sich die operative Orthopädie in den vergangenen Jahren verändert hat: weg von standardisierten Abläufen, hin zu einer stärker personalisierten Planung.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Auch außerhalb der technischen Demonstrationen war der Tag auf Verständlichkeit angelegt. Besucherinnen und Besucher konnten sich bei Rundgängen durch verschiedene Bereiche der Klinik ein Bild davon machen, wie ein orthopädisches Zentrum organisatorisch funktioniert und welche Stationen eine Behandlung durchläuft. Die Führungen führten in den klinischen Alltag hinein und machten sichtbar, dass hinter jedem Eingriff diagnostische Vorbereitung, Pflege, Therapie und Nachsorge stehen. Besonders gefragt waren auch die historischen Rundgänge, die den Weg des Hauses über mehr als 100 Jahre nachzeichneten.

Ein weiterer Zugang zur Arbeit der Klinik ergab sich über anschauliche Formate. Eine Fotoausstellung gab Eindrücke aus den OP-Sälen und machte jene Räume sichtbar, die Patienten sonst verborgen bleiben. An Modell und Demonstration wurde zudem erklärt, wie operative Abläufe strukturiert sind. Wer den Stationen folgte, konnte nachvollziehen, wie ein Eingriff vorbereitet, technisch begleitet und durchgeführt wird. Solche Formate zielten nicht auf Sensation, sondern auf Aufklärung. Gerade im medizinischen Bereich besitzt diese Form der Vermittlung Gewicht, weil sie Ängste abbauen und Verständnis für komplexe Prozesse schaffen kann.

Das Spektrum der LVR-Klinik für Orthopädie reicht weit über den Gelenkersatz hinaus. Auch das wurde am Tag der offenen Tür deutlich. Die Besucher erfuhren, dass die Einrichtung neben der Knie-, Hüft- und Schulterendoprothetik auch Bandscheibenchirurgie, Arthroskopien, Fußchirurgie und Kinderorthopädie anbietet. Gerade die Arthroskopie, also die Gelenkspiegelung, spielte in der Vorführung eine wichtige Rolle. Sie steht exemplarisch für minimalinvasive Verfahren, die heute vielerorts zum Standard gehören und kleinere Eingriffe mit geringerer Belastung für die Betroffenen ermöglichen. Ebenso wurde auf Wechseloperationen an Hüfte und Knie hingewiesen, die zu den anspruchsvolleren Bereichen des Faches zählen und eine hohe operative Erfahrung verlangen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Neben dem Operationsspektrum nahm auch die nicht operative Orthopädie breiten Raum ein. Dabei wurde auf die Behandlung akuter Wirbelsäulenbeschwerden ebenso verwiesen wie auf die Betreuung multimodaler Schmerzpatientinnen und -patienten. Gerade in diesem Feld ist Orthopädie nicht allein eine Disziplin des Eingriffs, sondern auch eine des Zuhörens, der Diagnose und der abgestimmten Therapie. Differenzierte Diagnostik, schmerztherapeutische Maßnahmen und physiotherapeutische Angebote greifen hier ineinander. Dass Prävention und Rehabilitation in der Klinik einen hohen Stellenwert haben, war folgerichtig kein Nebenaspekt, sondern Teil des Selbstverständnisses des Hauses.

Und nach einer OP? Was kommt dann? Auch die Physiotherapie präsentierte sich als aktiver Bestandteil der Versorgung. Mit Übungen zur Rückenschule, zum Heben und Tragen sowie zur Belastung und Belastbarkeit wurde ein Bereich sichtbar, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft hinter der Chirurgie zurücktritt, in der Praxis aber für den Behandlungserfolg von zentraler Bedeutung ist. Hinzu kamen Angebote wie Taping und kurze Vorträge zu orthopädischen Themen, unter anderem zu Schulter- und Hüftbeschwerden sowie zur Rehabilitation.

Ebenso wichtig war der präventive Blick … Besucherinnen und Besucher konnten Blutdruck und BMI bestimmen lassen und sich an den Infoständen über Gesundheitsfragen informieren. Das Bildungszentrum der LVR-Kliniken in Viersen und Mönchengladbach stellte Ausbildungswege vor und verband die medizinische Information mit dem Hinweis auf den Nachwuchs im Gesundheitswesen. Ergänzt wurde dies durch Hinweise zur gesunden Ernährung. Für eine Klinik, die jährlich rund 3000 Patientinnen und Patienten behandelt und davon mehr als 2000 operativ versorgt, ist Transparenz mehr als ein kommunikatives Angebot. Sie gehört zur medizinischen Praxis selbst. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath