Am Sonntag, den 17. August 2025, verwandelt sich der Lyzeumsgarten an der Dr.-Carl-Schaub-Allee in der Viersener Südstadt erneut in eine beeindruckende Kulisse für zeitgenössische bildende Kunst. Bereits zum elften Mal lädt die Initiative viersen°openart von 10:00 bis 17:00 Uhr zu einem der größten ehrenamtlich organisierten Open-Air-Kunstfestivals am Niederrhein ein.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler
Viersen – Mit über 40 Künstlerinnen und Künstlern, die in Pavillons ihre Werke aus den Bereichen Malerei, Grafik, Zeichnung, Fotografie und Skulptur präsentieren, ist viersen°openart längst kein Geheimtipp mehr. Es handelt sich um die größte unter freiem Himmel organisierte Kunstveranstaltung der Stadt Viersen – und sogar um eines der bedeutendsten Open-Air-Festivals für bildende Kunst am gesamten Niederrhein.
Was das Festival auszeichnet, ist sein ehrenamtliches Fundament: Die achtköpfige Initiative, bestehend aus Kunstschaffenden, Eventplanern und Südstadt-Liebhaberinnen, organisiert seit 2013 das Kunstereignis ohne finanzielle Interessen – mit dem Ziel, die Kunstszene in Viersen zu fördern und die Viersener Südstadt kulturell zu beleben.
Für 2025 ist der Initiative ein echter Coup gelungen: Thomas Virnich, renommierter Bildhauer, Maler und Teilnehmer der documenta 8, übernimmt die Schirmherrschaft. Der international anerkannte Künstler – bekannt für seine verspielten, collageartigen Skulpturen – reiht sich damit in eine illustre Liste prominenter Vorgänger ein, darunter Wolfgang Adam, Emil Schult und Peter Rübsam.
Virnichs Werk, das Fundstücke und Alltagsgegenstände in kunstvolle Kompositionen verwandelt, war in bedeutenden Häusern zu sehen – von der Neuen Galerie Aachen über das Lehmbruck-Museum Duisburg bis zum Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal. Seine Werke sind Ausdruck einer faszinierenden Symbiose aus Skulptur, Collage und sozialer Narration. Dass dieser Ausnahmekünstler nun die Schirmherrschaft übernimmt, wertet das Festival nicht nur künstlerisch, sondern auch symbolisch weiter auf.
Die diesjährige Ausgabe wird besonders lebendig, denn neben etablierten Künstler*innen sind auch wieder einige ehemalige Schirmherren – etwa Emil Schult, Dr. Ekkehart Köhler und Stefan Kaiser – aktiv vertreten. Die teilnehmenden Kunstschaffenden stammen überwiegend vom Niederrhein, darunter aus Kreis Viersen, Mönchengladbach und Goch, aber auch aus dem Ruhrgebiet. Die Bandbreite der gezeigten Arbeiten ist bewusst offen gehalten. Entscheidend ist allein die künstlerische Qualität, die sich über die Jahre auf einem konstant hohen Niveau bewegt und weiterentwickelt hat.
Ein Highlight des Festivals bildet wie jedes Jahr der „Openart-Spezial“-Live-Act. In diesem Jahr konnte die multidisziplinäre Künstlerin Anna Myrzyglod gewonnen werden. Die in Düsseldorf lebende Künstlerin, die auch international Beachtung findet, wird ab 10 Uhr auf einer 2 m²-Leinwand live ein Kunstwerk erschaffen – mit der Spraydose. Myrzyglod ist ebenso in der Streetart-Szene zuhause wie im Bereich Skulptur, wo sie mit der Motorsäge expressive Werke schafft.
Ihre jüngsten Einladungen zu internationalen Kunstsymposien in Colorado (USA) und Brienz (Schweiz) belegen ihre wachsende Relevanz in der Kunstwelt – umso bemerkenswerter, dass sie beim Festival live zu erleben ist.
Ein weiteres Herzensprojekt ist die Förderung junger Talente. Bereits seit 2019 bietet viersen°openart ausgezeichneten Jungkünstler*innen eine Bühne. In diesem Jahr präsentieren die Bundespreisträgerin Luisa Weiss und die Kreissiegerin Sofia Smakotin ihre prämierten Werke, ausgewählt aus über 1.800 Einsendungen im Wettbewerb „Jugend creativ“ der Volksbank Viersen. Dieser Programmpunkt stößt bei Festivalbesuchern regelmäßig auf große Resonanz – auch, weil er ein Fenster zur nächsten Generation von Kunstschaffenden öffnet.
Kunst ist nicht nur zur Betrachtung da – bei viersen°openart kann sie auch von Bürgerinnen und Bürgern aktiv mitgestaltet werden. Unter dem Motto „Viersen macht Kunst!“ ruft die Initiative wieder zu einer Benefizaktion auf. Gespendete, gerahmte Kunstwerke werden im Bürgerpavillon verkauft. Den fachkundigen Rahmen gibt Emil Schult, der sich erneut als Mentor und Begleiter engagiert. Der Erlös kommt einem sozialen Zweck zugute: der Aktion „Junge Mütter on Tour“ im ALO-Jugendhaus Dülken unter der Leitung von Dipl.-Sozialpädagogin Bettina Passon.
Auch musikalisch setzt das Festival auf Authentizität. Fünf Acts sorgen unplugged und dezent verstärkt für eine stimmige Atmosphäre zwischen den Pavillons:
- Markus Fegers – Walking Sax
- Jimmy-van-Heusen-Trio – Jazzstandards
- Paintings on Concrete – Acoustic Cover
- Homebrew – Americana
- New Roads – Acoustic Streetart
Hier wird Musik nicht zelebriert, sondern integriert – als klingender Begleiter der Kunst.
Auch kulinarisch bleibt viersen°openart seinem bewährten Konzept treu: Die Gastronomie kommt direkt aus der Nachbarschaft. Für das Künstlerinnen- und Besucherinnen-Frühstück öffnet das Café des Paulus-Stiftes seine Türen. Für den Nachmittag gibt es Kaffee & Kuchen, stilvoll serviert von „Kaffee & Konsorten“ mit Frank Schiffers. Der beliebte Gourmetgarten, organisiert von der Weinhandlung „La Cava“, bietet erlesene Weine und mediterrane Spezialitäten – ein Treffpunkt für Kunstliebhaberinnen und Genießerinnen.
Seit der ersten Ausgabe ist die Volksbank Viersen als Hauptsponsor mit an Bord. Ihr langfristiges Engagement hat maßgeblich dazu beigetragen, dass viersen°openart in dieser Qualität und Kontinuität bestehen kann. Die Partnerschaft ist über die Jahre zu einem Fundament der Veranstaltung geworden. (sk)

