Zum 80. Geburtstag von NRW: Neuer Bildband reist in die Geburtsstunde des Bundeslandes.
Literatur – Endlich wieder genug zu Essen. Ein gemütliches Zuhause. Und schöne, neue, bunte Kleider. Man muss versuchen, sich das vorzustellen: Gerade mal sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs kauften die Menschen in Deutschland wieder so viel ein wie im Jahr 1939. In der kurzen Zeit nach Kriegsende hatte man Städte wieder aufgebaut, die Lebensmittelproduktion nach oben gefahren und die Wirtschaft ans Laufen gebracht. Und der Motor dieses Wirtschaftswunders brummte in Nordrhein-Westfalen am lautesten.
Die eindrucksvollen Bilder der Fotografen Dr. Paul Wolff und Alfred Tritschler nehmen uns mit in diese magische Zeit des Neubeginns: Da strahlen rußverschmierte Bergleute in die Kamera, junge Frauen stehen mit glänzenden Augen vor Schaufenstern, italienische „Gastarbeiter“ rühren in einem Topf Spaghetti und Kinder quetschen sich glücklich auf eine viel zu kleine Wippe. Sie zeigen, wie Menschen nach der Gründung des Bundeslands zusammenarbeiteten, wohnten und lebten. Sie machen deutlich, dass alle viel gewannen, weil aus Zugezogenen Nachbarn wurden und aus Fremden Freunde. Die Euphorie, die Energie, aber auch der Kraftakt dieser Zeit strahlen aus den Fotografien heraus – auch 80 Jahre später noch. Deswegen stehen die Bilder, opulent über großformatige Doppelseiten gedruckt, auch im Mittelpunkt des neuen Bildbands „Nordrhein-Westfalen. Aufbruch ins Wirtschaftswunder“.
Dr. Paul Wolff und Alfred Tritschler zählen zu den berühmtesten Fotografen Deutschlands, von den 1920er bis in die 1960er Jahre arbeiteten sie für ihre Fotoagentur oft auch im Auftrag von Wirtschaft und Industrie. Und deswegen führte ihr Weg sie besonders häufig nach NRW. Denn kein anderes der neu gegründeten Bundesländer war in der Nachkriegszeit wirtschaftlich so erfolgreich. Doch dabei ging es nicht nur um Kohle und Stahl, auch andere Wirtschaftszweige wie die Textilindustrie und Maschinenbau boomten.
Autor Helge Matthiesen ordnet diese Bilder in einen historischen Kontext ein und bewahrt stets einen kritisch distanzierten Blick auf die Quellen. In seinen kurzen, gut verständlichen Texten geht der Journalist, Historiker und Politikwissenschaftler der Frage nach, warum ausgerechnet das frisch gegründete Bundesland Nordrhein-Westfalen so erfolgreich sein konnte, wie es trotz seiner starken Zertrümmerung gleich in den ersten Jahren nach Kriegsende einen so unfassbaren Aufschwung erleben konnte.
„Nordrhein-Westfalen. Aufbruch ins Wirtschaftswunder“ nimmt Leserinnen und Leser mit auf eine Zeitreise in die Geburtsstunde des Bundeslandes – und stimmt sie ein auf die Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag im kommenden Jahr.
Der Autor: Helge Matthiesen, geb. 1964, ist Historiker und promovierter Politikwissenschaftler. Außerdem ist er gelernter Zeitungsjournalist und arbeitet seit 2015 als Chefredakteur des „General-Anzeiger“ Bonn. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Grandhotel Petersberg. Vom Glück und Unglück der 4711-Familie Mülhens“ im Greven Verlag.
Die Fotografen: Paul Wolff (1887–1951) und Alfred Tritschler (1905–1970) zählen zu den bedeutendsten Fotografen ihrer Zeit. Als Pioniere der Leica-Fotografie prägten sie mit ihrer 1927 gegründeten Agentur Dr. Paul Wolff & Tritschler die Bildästhetik eines halben Jahrhunderts. Ihre technisch brillanten und atmosphärisch dichten Aufnahmen machten die Agentur von den 1920er- bis in die 1960er-Jahre zur einflussreichsten Fotoadresse Deutschlands.
Helge Matthiesen (Text), Dr. Paul Wolff und Alfred Tritschler (Fotos)
Nordrhein-Westfalen. Aufbruch ins Wirtschaftswunder
Hardcover, 176 Seiten, 200 Abbildungen, 31 x 24 cm
ISBN 978-3-7743-0973-9
40 Euro (opm)





