Wie engagiert und kreativ Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Mönchengladbach das Thema „Keine Armut“ aufgegriffen haben, zeigte die Preisverleihung zum Wettbewerb „Zusammen für eine gerechte Zukunft. Keine Armut – mehr Chancen“ am Montag im Gymnasium Am Geroweiher.
Mönchengladbach – Zehn Einrichtungen hatten sich mit elf Projekten beteiligt, die sich dem ersten Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen – SDG 1 „Keine Armut“ – widmen und zugleich deutlich machen, wie sehr das Thema auch in Mönchengladbach den Alltag vieler Familien berührt.
Fachbereichsleiter für Schule und Sport, Dr. Sascha Derichs, eröffnete die Preisverleihung und würdigte das Engagement aller Beteiligten: „Die Projekte zeigen beeindruckend, wie früh Kinder und Jugendliche Verantwortung übernehmen, hinschauen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Mönchengladbach kann stolz auf dieses Engagement sein.“
Bereits am Vormittag ermöglichte der „Markt der Möglichkeiten“ im Foyer einen Einblick in die Projektarbeiten. Gäste konnten sich mit den jungen Gestaltenden austauschen und kreative Angebote ausprobieren.
Die Preisträger*innen
Platz (800 Euro): Evangelische Grundschule Pahlkestraße – „Schule gegen Armut“
Platz (600 Euro): Gymnasium Am Geroweiher – „Weihnachtströdel“
Platz (400 Euro): Jugendzentrum JuKomm in Kooperation mit Initiative Rückendwind e.V. – „Lesen verbindet“
Der Beitrag „Warum sind wir stumm?“ von Rheydt Side wurde spontan bei der Veranstaltung mit dem Sonderpreis von der Jury Monika Bartsch (Mönchengladbacher Tafel e.V.), Nazime Kirici (Verbraucherzentrale NRW e.V.) und Julian Strzalla (Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach e.V.) geehrt.
Stimmen aus der Jury
Jurymitglied Monika Bartsch betonte: „Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, sich schon in jüngeren Jahren Gedanken zum Thema ‚Armut‘ zu machen. Es war spannend zu sehen, wie – je nach Alter der Kinder und Jugendlichen – das Thema angegangen, aufgearbeitet und mit praktischen Ideen gestaltet wurde. Ein großer Dank gilt auch allen begleitenden pädagogischen Fachkräften für ihre Anleitung und Unterstützung.“
Jurymitglied Julian Strzalla ergänzte: „Bei der Durchsicht der einzelnen Beiträge fand ich es sehr bewegend, mit wie viel Engagement in den Einrichtungen am Thema Armut gearbeitet wurde und mit wie viel Empathie die Kinder und Jugendlichen ihm begegnet sind. Ich wünsche mir, dass der Wettbewerb dazu beitragen konnte, den gewonnenen Blickwinkel, das Gemeinschaftsgefühl und das Vertrauen, etwas bewirken zu können, langfristig zu erhalten.“
Junge Stimmen, die bewegen
Das Projekt „Lesen verbindet“ beeindruckte besonders durch eine spontane Lesepatenschaft auf der Bühne. Drei Teilnehmerinnen zeigten live, wie ältere Jugendliche Grundschulkinder im Lesen unterstützen – ein Moment, der für große Begeisterung sorgte.
Beim Projekt „Warum sind wir stumm?“ aus Rheydt Side entstanden Song, Text und Musikvideo in vollständiger Eigenregie. „Dieses Thema betrifft uns alle. Jeder hat seine eigene Geschichte; wenn wir darüber sprechen, haben wir eine gemeinsame Geschichte“, erklärte eine Mitarbeiterin des Jugendzentrums. „Genau das wollen die Jugendlichen mit ihrem Musikvideo ausdrücken.“
Alle eingereichten Projekte im Überblick FZ MoBilee – Musik beREICHert Das Familienzentrum MoBilee ermöglicht Kindern unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund den Zugang zu klassischer Musik. Durch Bastelaktionen, Bewegungsangebote, Instrumentenbau, Theaterbesuche und Kooperationen mit der Musikschule sowie den Niederrheinischen Sinfonikern erleben Kinder Musik mit allen Sinnen. Das Projekt stärkt Ausdrucksfähigkeit, Gemeinschaft und Selbstvertrauen.
EGS Pahlkestraße – Schule gegen Armut
Mit einer Fotoausstellung machte die Grundschule Pahlkestraße ihre Maßnahmen gegen soziale Benachteiligung sichtbar. Gezeigt wurden Angebote zur Unterstützung von Familien, begleitet durch das Familiengrundschulzentrum und Ehrenamtliche. Ziel ist, Bildungschancen unabhängig von der sozioökonomischen Situation zu fördern und Eltern zu sensibilisieren.
Villa Sonnenschein – Chancen statt Schranken
Die Kita Villa Sonnenschein sensibilisierte Kinder für soziale Ungleichheit. In Gesprächskreisen, Spendenaktionen und Mitmachprojekten lernten Kinder, Verantwortung zu übernehmen und zu teilen. Kooperationen mit der Tafel und Elternbeteiligung machten das Thema Armut im Alltag greifbar.
Stadtteilhaus PE12 – Fair Gleich
Im Kunstprojekt „Fair Gleich“ setzten sich Kinder gestalterisch mit sozialen Unterschieden auseinander. Aus recycelten Materialien entstand eine symbolische „Erde“, begleitet von Diskussionen über Armut und globale Gerechtigkeit. Das Projekt fördert Selbstwirksamkeit, Kreativität und Empathie.
FZ Zauberland – Armutssensibles
Arbeiten mit Vorschulkindern Das Familienzentrum Zauberland zeigte, wie gezielte Angebote für angehende Schulkinder Teilhabe unabhängig von sozialem Status ermöglichen. Durch vielfältige Kooperationen – etwa mit Borussia, Theater oder Fachbereich Gesundheit – wurde der Ansatz „Kein Kind zurücklassen“ praktisch umgesetzt.
PauleKids – „Kunst begehrt auf!“
Die Hausuafgaben- und Lernhilfe „PauleKids“ gestaltete ein Kunstprojekt, in dem Kinder aus Recyclingmaterialien ein Gemeinschaftsbild schufen. Neben Kreativität standen Zusammenhalt, Nachhaltigkeit und Empathie im Mittelpunkt. Eine Spendenaktion und Präsentation rundeten das Projekt ab.
Gymnasium am Geroweiher – Weihnachtströdel
Mit der Idee von einem schulinternen Weihnachtsmarkt am 18.12. wollen sich Schüler*innen für Menschen in Armut engagieren. Durch Verkauf, Tausch und Spendenaktionen wird soziales Bewusstsein gestärkt und eine Kultur des Teilens etabliert. Das Projekt soll langfristig ein festes soziales Format im Schuljahreskalender werden – getragen von der gesamten Schulgemeinschaft.
FZ Pfiffikus – Die Pfiffigen machen Theater gegen Armut
Kinder entwickelten im Familienzentrum Pfiffikus eigene Theaterszenen rund um Armut und Gerechtigkeit. Aus Geschichten wie „Der ewig hungrige Junge“ entstanden Puppenspiele mit selbstgebauten Requisiten. Das Projekt förderte Empathie, Mitgefühl und Selbstwirksamkeit.
FZ Pfiffikus – Die Pfiffigen Reporter machen Musik
In einem Musikprojekt komponierten Kinder das Lied „Wir teilen das Glück“. Sie beschäftigten sich kreativ mit Themen wie Teilen, Freundschaft und Gerechtigkeit. Die Aufführung vor Eltern stärkte Stolz und Gemeinschaftsgefühl.
JuKomm – Lesen verbindet
Das JuKomm initiierte gemeinsam mit der Initiative Rückenwind e.V. ein Patensystem zur Leseförderung: Ältere Schüler*innen unterstützen Grundschulkinder regelmäßig beim Lesen. So entstehen Vertrauen, sprachliche Fortschritte und Motivation. Das Projekt soll zu einem stadtweiten Netzwerk ausgebaut werden.
Rheydt Side – Warum sind wir stumm?
Jugendliche aus Rheydt Side entwickelten eigenständig Song, Text und Musikvideo zum Thema Armut. Das Projekt stärkt Medienkompetenz, Verantwortungsgefühl und Kreativität. Durch die Veröffentlichung wurde ihre Botschaft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die Preisverleihung zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig, empathisch und lösungsorientiert Mönchengladbachs Kinder und Jugendliche gesellschaftliche Herausforderungen annehmen. Ob Kita, Schule oder Jugendzentrum – sie alle leisten einen wichtigen Beitrag für mehr Chancen, Teilhabe und Gerechtigkeit in unserer Stadt. (opm)





