Mit großer Trauer nimmt Süchteln Abschied von einem seiner prägendsten Mitbürger: Heinz Prost ist am vergangenen Samstag im Alter von 85 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die Stadt einen Menschen, der sich über Jahrzehnte mit außergewöhnlichem Engagement für das Gemeinwohl eingesetzt hat – in der Pflege, in der Politik, im sozialen Bereich und als unermüdlicher Gestalter der Irmgardisstadt.
Von RS-Redakteurin Sabrina Köhler und Rita Stertz
Viersen-Süchteln – Geboren wurde Heinz Prost 1939 in Recklinghausen als Sohn eines Bergmanns. Nach ersten Berufsjahren in der Seefahrt führte ihn sein Weg nach Süchteln, wo er eine Ausbildung zum Krankenpfleger an der damaligen Landesheilanstalt Johannistal (heute LVR-Klinik Viersen) begann – ein Wendepunkt in seinem Leben. Hier fand er nicht nur seine berufliche Heimat, sondern auch seine große Liebe. Mit seiner Frau, die er während der Arbeit kennenlernte, baute er ein Haus, gründete eine Familie und wurde Vater zweier Kinder.
Beruflich machte Heinz Prost eine beeindruckende Karriere: Nach seiner Ausbildung und einem Weiterbildungsstudium übernahm er die Leitung des Pflegedienstes sowie der Krankenpflegeschule, bevor er 1989 zum verbeamteten Schulleiter der LVR-Klinik Viersen ernannt wurde.
Sein politisches Wirken begann 1975 mit dem Eintritt in die SPD – motiviert von Willy Brandts Aufruf, „mehr Demokratie zu wagen“. Besonders der Süchtelner Lokalpolitik blieb Heinz Prost über Jahrzehnte mit Herz und Tatkraft treu. 1989 gewann er seinen Wahlkreis direkt mit 43,9 Prozent. Er war kein Politiker, der aus der Distanz agierte – Heinz Prost war vor Ort, im Gespräch, bei den Menschen. Mit Ideen wie dem Arbeitspapier „Unsere Stadt als Lebensraum“ prägte er die Stadtentwicklung und legte Grundsteine für heutige Konzepte.
Als 2016 der Abriss der Feuerwache an der St. Floriansstraße zugunsten eines Supermarkts beschlossen wurde, formierte sich Widerstand in der Bevölkerung. Heinz Prost wurde zur treibenden Kraft hinter dem erfolgreichen Protest – der Rat der Stadt nahm den Beschluss schließlich zurück. Auch sozial benachteiligte Menschen lagen ihm am Herzen: 1997 initiierte er gegen politische Widerstände die Gründung der Viersener Tafel e.V., die bis heute wichtige Unterstützung leistet.
Ein weiteres Herzensprojekt war die Gartensiedlung Viersen, die 2016 auf seine Initiative hin entstand. Mit flexiblen Wohnformen und nachhaltiger Planung sollte sie dem demografischen Wandel begegnen. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtplaner Martin Breidenbach galt als beispielgebend. Bis zuletzt blieb Heinz Prost aktiv: Im Heimat- und Verschönerungsverein Süchteln ebenso wie bei den Senioren „Miteinander – Füreinander“. Besonders setzte er sich für den Neubau der Brücke am Waldfriedhof ein, um älteren Menschen den Zugang zu erleichtern. Sein Wirken wurde vielfach geehrt: Mit dem Bundesverdienstkreuz (2000), der Goldenen Stadtplakette (2002) und dem Weberorden (2017).
Mit Heinz Prost verliert Süchteln nicht nur einen engagierten Politiker und sozialen Visionär, sondern einen Menschen, der sein Leben in den Dienst der Gemeinschaft stellte. Sein Einsatz, seine Beharrlichkeit und seine Nähe zu den Menschen bleiben unvergessen. (sk)





