Grenzweg im Festfieber: Das Bezirksschützenfest verband Generationen und Regionen

Wenn Fahnen im Sommerwind wehen, Marschmusik durch die Straßen zieht und Jung wie Alt in froher Eintracht feiern, dann ist Schützenfest – und in diesem Jahr stand der Grenzweg wieder ganz im Zeichen des traditionsreichen Bezirksschützenfestes des Bezirksverbandes Viersen-Mitte.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming

Viersen/Willich – Am vergangenen Wochenende wurde der Grenzweg zur lebendigen Bühne für eines der wunderbarsten Heimatfeste der Region, das über Grenzen hinweg verbindet – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die St. Konrad Schützengilde Grenzweg e.V. bringt nicht nur Generationen zusammen, sondern auch Städte und Gemeinden: Gemeindlich zur Stadt Willich gehörend, kirchlich jedoch verwurzelt in der Pfarrgemeinde St. Remigius in Viersen, ist sie ein Symbol gelebter Nachbarschaft und Zusammengehörigkeit. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Vereine aus zwei Bezirksverbänden beim Fest harmonisch aufeinandertreffen – ein Brückenschlag mit musikalischer Untermalung, Paraden, Andacht und ausgelassener Feierlaune.

Foto: Rheinischer Spiegel/Lea Peusens

Im Mittelpunkt des diesjährigen Schützenfestes stand das Königshaus rund um Julian Hardt (Brave Jonges), der gemeinsam mit seiner Partnerin Lina Frings das Regiment führte. Unterstützt wurde er von seiner Mutter Sandra und seiner Schwester Celine, beide fest verwurzelt im Vereinsleben. Mit beeindruckender Treffsicherheit errang Julian nicht nur die Königswürde seiner Bruderschaft, sondern setzte noch einen drauf: Auch der Bezirksvogel fiel unter seinem gezielten Schuss – und so führte er nun als Bezirkskönig im 100. Jubiläumsjahr des Bezirksverbandes Viersen-Mitte die Schützen an.

Doch das wahre Ausrufezeichen setzte eine junge Dame: Marie Meskes, Jungschützenprinzessin der „Grenadiere“, errang nicht nur den Bezirks-, sondern sensationell auch den Diözesanjungschützentitel – als erste Vertreterin aus Viersen-Mitte überhaupt. Unterstützt wurde sie von ihrem Geschwisterpaar Rachel und Niklas Meskes sowie Jungschützenoffizierin Annika Breuer.

Foto: Rheinischer Spiegel/Lea Peusens

Mit ebenso viel Stolz wie Freude erfüllte Sabrina Weis in diesem Jahr das Amt der Schülerschützenprinzessin. Mit gekonnter Souveränität repräsentierte sie die Gruppe der „Zaubermäuse“. Unterstützt wurde sie dabei von ihren Ministerinnen Viviane Weis und Helen Sprenger, die ihr zur Seite standen. Auch bei den jüngsten Teilnehmerinnen gab es eine neue Regentin: Ellena Czeplik wurde zur Kinderschützenprinzessin gekrönt. Sie ernannte Magdalena Schrobenhauser und Zira Hermann zu ihren Ministerinnen – alle drei ebenfalls Teil der fröhlichen und engagierten „Zaubermäuse“.

Die Festtage boten ein Programm, das so bunt war wie die Uniformen der teilnehmenden Gruppen. Die feierliche Krönungsmesse, die stilvolle Parade am Sonntag (übrigens, der Wanderpokal für die Sieger im Marschierwettbewerb ging dieses Jahr an die Omperter der St. Helena Schützenbruderschaft Viersen-Ummer 1803 e. V.), der emotionale Große Zapfenstreich und nicht zuletzt die ausgelassenen Abende mit der „Roland Brüggen–Partyband“ machten das Fest zu einem Ereignis, das weit über den Grenzweg hinausstrahlt. Mit Stolz und Taktgefühl gelang es den Organisatoren erneut, Tradition und Moderne zu verbinden, Inklusion und Vielfalt zu leben – und dabei immer wieder den Menschen ins Zentrum zu stellen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Mit einer eindrucksvollen und zugleich nachdenklichen Rede wandte sich Bundesmeisterin Claudia Küsters am Sonntagmorgen an das versammelte Sommerbrauchtum. In ihrer Ansprache begrüßte sie die zahlreich erschienenen Schützenschwestern und Schützenbrüder, Ehrengäste und Gemeindemitglieder herzlich – und schlug dabei einen eindrucksvollen Bogen von der Pflege jahrhundertealter Traditionen bis hin zu den Herausforderungen der Gegenwart.

„Es ist schön, heute so viele bekannte und neue Gesichter hier zu sehen – Menschen, die das Schützenwesen leben, gestalten und in die Zukunft tragen“, betonte Küsters eingangs. Das Fest sei mehr als eine Feier: ein Tag der Gemeinschaft, der Freude und auch der Besinnung. Im Mittelpunkt ihrer Rede stand das geistliche Leitwort des Jahres aus dem 37. Psalm: „Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertraue auf ihn, er wird’s wohl machen.“

Ein Leitsatz, der, so Küsters, gerade in Zeiten voller Umbrüche Hoffnung und Orientierung gebe – auch und gerade für das Schützenwesen, das sich zwischen der Bewahrung traditionsreicher Bräuche und der Anpassung an moderne Entwicklungen bewege.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

In ihrer Rede hob die Bundesmeisterin hervor, dass die Schützen nicht nur Träger eines kulturellen Erbes seien, sondern auch Brückenbauer in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft. Der Schützengeist lebe von Gemeinschaft, von gelebtem Glauben und von der Bereitschaft, einander zuzuhören – auch über Grenzen hinweg. Küsters ermutigte, „Brücken zu schlagen“: zwischen Generationen, zwischen den Bezirken, zur Kirche, zur Gesellschaft – und letztlich zu Gott.

„Unsere Aufgabe endet nicht beim Festumzug oder der Pflege der Uniformen. Unsere Verantwortung ist größer: Wir müssen Räume schaffen – gerade für junge Menschen – in denen Glaube, Orientierung und Gemeinschaft spürbar werden“, so Küsters. Der Verband stehe in der Pflicht, offen zu sein für neue Ideen und Formen, ohne dabei die Wurzeln zu vergessen.

Am Ende ihrer Ansprache dankte Claudia Küsters allen Beteiligten, die das Bezirksschützenfest möglich gemacht haben – von den Organisatoren über die Musikzüge bis hin zur Geistlichkeit, deren geistliche Impulse das Fundament des Festes mittragen. Ihr besonderer Dank galt den vielen Ehrenamtlichen, die oft im Hintergrund wirken, aber das Rückgrat jedes solchen Ereignisses bilden.

Mit Blick auf das Miteinander und den Zusammenhalt innerhalb der Bruderschaften rief Küsters abschließend dazu auf, das Schützenwesen lebendig zu halten: „Lasst uns diesen Tag in Freude feiern – aber auch in Dankbarkeit und mit einem klaren Blick nach vorn. Lasst uns Brücken bauen – zu unseren Nachbarn, zu unseren Jugendlichen, zu unserer Kirche, zu Gott. Denn: Er wird’s wohl machen.“

Die Auszeichnung des Silbernen Verdienstkreuzes durfte Michaela Albrecht entgegennehmen, mit dem Hohen Bruderschaftsorden wurde Christoph Severin Brandt ausgezeichnet. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Die Grenzweger Sommerparty mit DJ Roland Zetzen rundete den Sonntag stimmungsvoll ab – getanzt wurde bis tief in die Nacht, Generationen übergreifend und mit einer ansteckenden Herzlichkeit, wie man sie nur selten erlebt.

Doch das Fest ist noch nicht vorbei! Der heutige Montag, traditionell dem internen und geselligen Teil gewidmet, verspricht noch einmal ein echtes Highlight zu werden. Der Tag startet um die Mittagszeit um 12:00 Uhr mit dem Schützenbiwak, bei dem Kameradschaft und Gespräche im Mittelpunkt stehen – begleitet vom herzhaften Erbsensuppenessen, das in den Zelten bereits mit Vorfreude erwartet wird.

Im Anschluss folgt gegen 14:00 Uhr die legendäre „Stürmung der Burg“, ein humorvoller und fantasievoller Höhepunkt, der Jahr für Jahr für herzhaftes Lachen und überraschende Wendungen sorgt. Wer hier mitfiebert, erlebt das Schützenwesen von seiner charmantesten Seite – traditionsbewusst, aber mit einem Augenzwinkern. Dabei sein lohnt sich! Denn eines ist sicher: Am Grenzweg wird nicht nur gefeiert – hier wird Gemeinschaft gelebt. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming