Mitten im historischen Zentrum von Cádiz erhebt sich die Kirche San Agustín, ein eindrucksvolles Relikt des alten Klosters San Agustín. Die Kirche, die an der halben Höhe der belebten Calle de San Francisco liegt, ist eines der wenigen erhaltenen Elemente des ehemaligen Klosterkomplexes.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz
Reisen/Magazin – Die Bauarbeiten begannen 1617 und erstreckten sich über dreißig Jahre, bis die Fertigstellung im Jahr 1647 erfolgte. Schon beim ersten Blick fällt die elegante Marmorfassade auf, ein Paradebeispiel des manieristischen Stils, das Besucher mit seiner Detailverliebtheit und harmonischen Proportion beeindruckt.
Das zweistöckige Portal zeigt im unteren Bereich eine breite Tür, flankiert von Paaren kassettierter Pilaster, während das obere Stockwerk von einem geschwungenen Giebel mit einem kleinen Altarbild gekrönt wird. In der zentralen Nische thront das Bild des Heiligen Augustinus, umgeben von kunstvollen Fialen und weiteren dekorativen Elementen, die das Portal zu einem der herausragendsten Bauwerke Cadízes machen.

Im Inneren offenbart die Kirche San Agustín eine reiche künstlerische Ausstattung. Das dreischiffige Kirchenschiff mit seinem breiten Querschiff wird von einer Kuppel auf Pendentifs überspannt, die das Licht sanft in den Raum fallen lässt. Die Kapellen, von einflussreichen Kaufmannsfamilien der Stadt gestiftet, sind mit beeindruckenden Gemälden aus dem 17. Jahrhundert geschmückt, darunter Werke von Domingo Álvarez Enciso.
Der Hauptaltar, ein neoklassizistisches Werk von Pedro Ángel Albizu, zieht mit seiner klaren Struktur und den kunstvollen Verzierungen die Blicke auf sich. Besonders bemerkenswert sind die Prozessionsbilder: der Christus des guten Todes, dessen Urheberschaft einigen Historikern zufolge Martínez Montañés oder Alonso Cano zugeschrieben wird, sowie der Christus der Demut und Geduld, geschaffen von Jacinto Pimentel. Diese Figuren sind nicht nur künstlerisch bedeutend, sondern spielen auch eine zentrale Rolle in den religiösen Feierlichkeiten Cadízes.

Neben der Kirche liegt der große Kreuzgang des ehemaligen Klosters, der bis vor kurzem dem Lehrinstitut Nuestra Señora del Rosario angehörte. Vier Säulengänge aus Marmorsäulen der toskanischen Ordnung rahmen den Innenhof ein, während die oberen Galerien mit Öffnungen gestaltet sind, die wie Balkone wirken und dem Kreuzgang ein luftiges, elegantes Ambiente verleihen. Die Architektur des Kreuzgangs spiegelt die gleiche harmonische Kombination aus Funktionalität und Ästhetik wider, die auch die Kirche prägt, und vermittelt einen lebendigen Eindruck von der religiösen und kulturellen Bedeutung des Klosters im 17. Jahrhundert. (cs)





