Sinkende Kirchensteuereinnahmen, steigende fachliche Anforderungen an Kindertagesstätten und wachsende finanzielle Belastungen für einzelne Gemeinden.
Krefeld/Viersen – Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2023 das Zentrum Evangelische Kindertagesstätten (ZEK) gegründet. Der Kirchenkreis wollte mit diesem Schritt seine Gemeinden nachhaltig entlasten und gleichzeitig die Qualität der evangelischen Kita-Arbeit sichern. Superintendentin Dr. Barbara Schwahn: „Die Gründung war ein bewusstes Signal in herausfordernden Zeiten: Verantwortung teilen, Ressourcen bündeln und Verlässlichkeit schaffen, sowohl für die Gemeinden als auch für Familien und Mitarbeitende. Von Beginn an war klar, dass ein gemeinsamer Trägerverbund dort Stabilität bietet, wo einzelne Gemeinden an Grenzen stoßen.“ Geschäftsführerin Daniela Döhmen-Siebenmorgen: „Trägeraufgaben wie Brandschutz, Baum- und Spielgeräteprüfung, Wasserkontrollen, Sandaustausch können in unserem Trägerverbund zeitsparend und effizienter organisiert werden.“
Die Zusammenführung ist auch ein Bekenntnis zum finanziellen Engagement der evangelischen Kirche für Kitas: Im laufenden Kita-Jahr trägt die evangelische Kirche rund 1 Mio. Euro an Trägeranteilen im ZEK. „Unser Ziel ist es, Gemeinden langfristig vor Überlastung zu schützen und verlässliche Strukturen bereitzustellen“, erklärt Geschäftsführer Martin Schmidt. Wenn Finanzierung oder Gebäudekosten nicht mehr tragbar sind, sucht das ZEK aktiv nach Lösungen mit den Jugendämtern – etwa durch Mietzuschüsse oder angepasste Trägeranteile.
Dass die Entscheidung richtig war, zeigt sich heute deutlich. Die ersten beiden Geschäftsjahre konnten – entgegen der Erwartungen – ohne Defizit abgeschlossen werden. Diese Aufgabe bleibt in Zeiten knapper Mittel dauerhaft eine Herausforderung – zusätzliche, über die Trägeranteile hinausgehende Defizite sollen vermieden werden. Um die wachsenden Anforderungen meistern zu können, wurde der Trägerverbund strukturell breit aufgestellt. Dazu gehören mehr Kapazitäten in der Fachberatung und pädagogischen Leitung, verstärkte Sachbearbeitung und Trägerunterstützung sowie ein eigenes Hausmeister- und Servicekonzept zur Reduktion externer Kosten.
„Wir haben in kurzer Zeit ein leistungsfähiges Fundament geschaffen“, sagt Geschäftsführer Martin Schmidt. „Unser Anspruch sind verlässliche Qualität, klare Verantwortlichkeiten und eine sichtbare evangelische Handschrift.“ Die gemeinsame Trägerschaft entlastet jedoch nicht nur finanziell. Sie stärkt auch die Personalentwicklung, sorgt für einheitliche Standards und macht den Kirchenkreis gegenüber den Kommunen zu einem starken Verhandlungspartner. Mitarbeitende profitieren von erweiterten Entwicklungs- und Qualifizierungswegen, während Gemeinden von administrativen Aufgaben entlastet werden. Familien erleben stabile, planbare Strukturen, auch in Zeiten, in denen personelle oder finanzielle Herausforderungen zunehmen.
Der Erfolg des Modells zeigt sich daran, dass sich weitere Gemeinden anschließen: Zum Kita-Jahr 2025/2026 sind Einrichtungen aus Dülken, An der Nette, Willich, Aachen und Mönchengladbach- Odenkirchen beigetreten. Ab dem Kita-Jahr 2026/2027 gehören dann alle bisher in Trägerschaft von einzelnen Kirchengemeinden betriebenen Kitas zum ZEK, außerdem alle sechs Kitas im Kirchenkreis Aachen. Damit wird ZEK ab dem kommendem Kita-Jahr 26 evangelische Kitas (aktuell 19) umfassen.
Das Wachstum ist jedoch kein Selbstzweck, sondern eine Konsequenz der stabilen Strukturen, die Gemeinden Sicherheit geben. Superintendentin Dr. Barbara Schwahn betont die Bedeutung des ZEK über den Kita-Bereich hinaus: „Der Kita-Verbund ist ein wichtiges Zukunftsmodell – gerade in Zeiten knapper werdender Mittel.“ Die Struktur diene auch als Orientierung für neue Konzept in weiteren gemeinsamen Handlungsfeldern wie Jugendarbeit, Seniorenarbeit und Kirchenmusik. (opm)





