Mit der Dü-Ka-Ge startete die Jeckensause in der Stadt mit dem Stripke

Schneeflocken wirbelten am Freitagabend draußen über Dülken, während drinnen im Bürgerhaus ein ganz anderer Wintersturm tobte – ein Wirbelsturm aus Tuschs, Konfetti und Frohsinn.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz und Leo Dillikrath

Dölke – Bereits zum dritten Mal hatte die Dülkener Karnevalsgesellschaft 1948 e.V., kurz Dü-Ka-Ge, zum Närrischen Abend geladen, und die jecken Gäste folgten der Einladung in Scharen. Im Dülkener Bürgerhaus wurde nicht einfach ein Abend gefeiert wurde – hier lebte Karneval in seiner lebendigsten Form, pulsierend, bunt und voller Lebensfreude. Axel Paßmann, seines Zeichens 1. Vorsitzender und an diesem Abend auch Sitzungspräsident, wieder spielerisch gekonnt gemeinsam mit Christian Schöffel, konnte daher voller Stolz seinen Blick über den gut gefüllten Saal schweifen lassen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Die Dü-Ka-Ge, inzwischen rund 150 Mitglieder stark, blickt auf eine bewegte Vereinsgeschichte zurück. Seit ihrer Gründung im Mai 1948 im „Looser Fritz“ am Alten Markt ist sie eines der Herzen und Motoren des Dülkener Karnevals. Besonders die Funkengarde, die 1951 ins Leben gerufen wurde, hat schon zahlreiche Talente hervorgebracht. Dass der Nachwuchs gesichert ist, bewiesen die kleinen Jecken mit strahlenden Augen, geschmeidigen Tänzen und einem Elan, der die Herzen der Zuschauer höherschlagen ließ.

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Moment, ich greife vor, denn schließlich begann der Abend standesgemäß mit dem Einmarsch der Gesellschaft, welcher den Saal sofort in närrisches Treiben tauchten. Stolz und Anmut füllten die Bühne, und es war deutlich zu spüren, dass hier Tradition auf junge Energie traf.

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An die Dü-Ka-Ge mit ihrer wunderbaren Funkengarde schloss sich der Einmarsch des Prinzenpaares Ralf I. und Sandra I. sowie des Kinderprinzenpaares Nico I. und Marie I. an. Prinz Ralf I. ließ es sich dabei nicht nehmen das Mikrofon zu ergreifen und das Prinzenlied der laufenden Session stimmgewaltig zum Besten zu geben. Die Menge sang und lachte im Takt, die Stimmung war elektrisierend.

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Musikalisch ging es mit der Kölner Coverband Kaschämm weiter, deren Name in Köln für Gemütlichkeit und ausgelassene Stimmung steht. Mit Daniel Herzog am Gesang, Carina Hinz an Akkordeon, Gitarre, Saxofon und Ukulele, sowie Sebastian Kuhlen, Philipp Thomas, Sebastian Wegener und Elias Kys, erweckte die Band die Klassiker des kölschen Karnevals zu neuem Leben.

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Es folgte Axel Höfel alias „Ne Kölsche Köbes“, der mit unvergleichlichem Witz und spitzbübischem Humor den Alltag eines Köbes auf seine Bühne brachte. Spontan, charmant und schlagfertig brachte er den Saal zum Johlen, während er aus seiner Welt zwischen Bierbänken, Gesellschaftskritik und närrischem Humor berichtete.

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Jeck traditionell ging es weiter mit einer bereits bekannten Formation, die nicht zum ersten Mal auf der Bühne im Dülkener Bürgerhaus auftrat. Das Tanzcorps der GKG Krefeld 1878 e.V. stürmte die Bühne mit rund 40 Tänzerinnen und Tänzern. Klassischer Paartanz verschmolz mit atemberaubender Akrobatik, und die Tanzmariechen wirbelten über das Parkett, dass einem schwindelig werden konnte.

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Nach dem atemberaubenden Auftritt des Tanzcorps wurde es rockig in Dülken. Schon die ersten Akkorde der Kleinstadt-Rokker ließen den Saal erbeben, und schnell war klar: Hier kommen keine gewöhnlichen Musiker, hier kommen echte Lokalhelden mit Herz für Karneval und Rock’n’Roll.

Die Kleinstadt-Rokker – und ja, die zwei „k“ stehen bewusst für Kaldenkirchen – sind eine Formation, die nicht nur Musik macht, sondern Geschichten erzählt. Gegründet 2010 von vier erfahrenen Musikern, wuchs die Band zu fünf leidenschaftlichen Künstlern heran: Sänger Jörg Simonett, Keyboarder Ingo Heck, Gitarrist Christoph Heussen, Schlagzeuger Guido Simonett und Bassist André Gerhaerts. Jeder von ihnen bringt Erfahrung aus verschiedenen Bands mit, doch auf der Bühne verschmilzt ihr Können zu einem einzigen energiegeladenen Wirbel aus Klang, Rhythmus und Spaß.

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Von Anfang an war ihr Ziel klar: nicht einfach nur Musik spielen, sondern den Karneval in den kleineren Hochburgen am Niederrhein aufmischen. Ihre Lieder – von deutschen Schlagerhits wie „Hey Schatz“ über Party-Kracher wie „Partypiraten“ bis hin zu humorvollen Karnevalssongs wie „Die Frau, die mir gefällt“ – wurden zum kollektiven Ohrwurm. Es war ein Lebensgefühl, eine Party, eine Einladung, den Karneval in all seiner Farbenpracht zu feiern.

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Als die Bühne nach der mitreißenden Musik der Kleinstadt-Rokker wieder frei wurde, herrschte gespannte Erwartung – und dann betrat er sie: Heinrich Schulte-Brömmelkamp, besser bekannt als „Bauer Heinrich“. Kaum hatte er die ersten Schritte in seinen obligatorischen Gummistiefeln gemacht, da war das Publikum gefangen in seiner Welt: Cordhose, Kittel und das typische Landleben-Outfit machten ihn unverkennbar, doch das, was folgte, war alles andere als ländliche Langeweile.

Bauer Heinrich ist kein gewöhnlicher Komiker. Seit über 27 Jahren reist er durch die Republik, immer standesgemäß mit seinem betagten Ford Granada, und erzählt Geschichten vom Bauernhof, die mal zum Schmunzeln, mal zum lauten Lachen bringen. Auf der Dülkener Bühne ließ er sein Publikum eintauchen in das tägliche Chaos auf dem Hof in Kattenvenne: die störrische Kuh, die jeden Morgen die Frühstücksordnung durcheinanderbringt, die pubertierende Enkeltochter Evelyn, die mit Smartphone, Social Media und TikTok-Tricks für Verwirrung sorgt, und Ehefrau Erna, die mit spitzer Zunge und charmantem Humor den Takt vorgibt.

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Heinrichs Geschichten sind gespickt mit aktueller Politik, Fernseh-Klatsch und absurden Alltagssituationen – immer gewürzt mit einem Augenzwinkern und Bauernlogik. Dass er schon lange nicht mehr „Bauer sucht Frau“ braucht, um sein Herz zu finden, erzählte er zwischen Pointen und Lacherlebnissen: Er hatte seine Erna vor über 40 Jahren ganz analog auf dem Nachbarhof gefunden. Die Höhepunkte seines Programms waren Szenen, in denen er das Leben auf dem Bauernhof mit den Sorgen und Freuden des modernen Alltags verband: Urlaubsstress, Familienfeiern, plötzliche Hofkatastrophen oder die absurden Abenteuer einer Enkelin, die den Hof zur Tanzfläche umfunktioniert.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Die Ruhrgarde begeisterte anschließend mit europaweitem Showtanz. Die Gruppe aus der 1976 gegründeten Formation beeindruckte mit perfekter Choreografie, Dynamik und Energie, die jeden Sitzplatz in eine Mitmachzone verwandelte. Farbenprächtige Kostüme, synchronisierte Bewegungen und spektakuläre Hebefiguren ließen die Zuschauer staunen und jubeln. Die Stimmung glühte und eigentlich war der Abend noch viel zu jung, als Kommando3 die Bühne stürmte und den krönenden Abschluss des Starts in den Dölkener Saalkarneval bildete. Schon beim Countdown „Kommando eins, zwei, drei!“ tobte der Saal … bei jedem Refrain vibrierte der Boden. Spontan, energiegeladen und mitreißend brachten sie die Narren zum Singen, Tanzen und Klatschen. Nein, nach Hause wollte man eigentlich noch nicht.

Besondere Ehrungen durften an diesem Abend auch nicht fehlen: Gaby Ruschepaul wurde für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Dü-Ka-Ge gefeiert. Mit stehenden Ovationen und anerkennenden Worten wurde ihre Treue gewürdigt. So endete ein Abend mit Stimmungsraketen, Lachsalven und dem Gefühl endlich wieder im Kreise der närrischen Familie feiern zu können. Wir zogen daher lachend in die kalte Nacht, noch summend das Prinzenlied im Ohr, und wissend: Schon in wenigen Stunden ruft der KV de Üüle ins Bürgerhaus – bis dahin tragen wir den Karneval im Herzen durch den Winterzauber Dülkens. (cs)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath