Dülkens Narrenmühle öffnet wieder ihre Pforten

Dülken hat am vergangenen Wochenende einmal mehr gezeigt, wie eng sich historische Überlieferung und gelebte Tradition miteinander verweben lassen: Mit der Wiederaufnahme der regelmäßigen Sonntagsöffnungen der Narrenmühle ist ein bedeutendes kulturhistorisches Kleinod am linken Niederrhein erneut in den Fokus zahlreicher Besucher gerückt.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath

Viersen-Dülken – Mit Beginn der Sommermonate öffnet die Dülkener Narrenakademie ihre markante Bockwindmühle wieder verlässlich an den Sonntagvormittagen bis September. Auch am gestrigen Sonntag nutzten zahlreiche Interessierte die Gelegenheit, das bekannte Wahrzeichen zu betreten und sich durch das vielschichtige Innenleben führen zu lassen. Übrigens gab es auch direkt eine passende Besucherurkunde für die interessierten Gäste. Zwischen 11 und 12 Uhr gewährten sachkundige Begleiter Einblicke in die ungewöhnliche Verbindung aus Technikgeschichte, lokalem Brauchtum und gelehrter Narrenkultur.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Im Inneren der Mühle entfaltet sich eine eigentümliche Welt: Das Museum mit seinen „elf Geheimnissen“, der sogenannte Große Weisheitssaal sowie der Steinspeicher mit der originalen Mühlentechnik dokumentieren nicht nur handwerkliche Entwicklungen vergangener Jahrhunderte, sondern auch die besondere Rolle, die der Ort im kulturellen Selbstverständnis Dülkens spielt. Besucher begegnen hier historischen Zeugnissen wie Orden, Fahnen, Hüten und Büchern, die von einer Tradition künden, die bis in das 18. Jahrhundert zurückreicht.

Die heutige Narrenmühle, ursprünglich als Holtzmühle bekannt, ist ein technisches und historisches Unikat. Als Bockwindmühle mit Segelgatterflügeln und Steertflügelnachführung verfügt sie über einen ziegelummauerten Ständer. Errichtet wurde sie entgegen der landläufigen Annahme nicht vom namensgebenden Pächter Johann Holtz, sondern von dessen Witwe, die nach seinem Tod eine zentrale Rolle beim Bau spielte. Eine Inschrift im Inneren der Mühle erinnert bis heute an diese ungewöhnliche Baugeschichte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Die Ursprünge der Dülkener Mühlentradition reichen jedoch deutlich weiter zurück. Bereits im Jahr 1505 entstand die sogenannte Tränkenmühle, die erste „Narrenmühle“, an der sich das närrische Treiben der Bevölkerung bis ins späte 19. Jahrhundert entfaltete. Naturgewalten und Brände setzten dem Bauwerk mehrfach zu: Ein Orkan zerstörte die Mühle um 1800, bevor sie mit Unterstützung der französischen Verwaltung wiederaufgebaut wurde. Ihr endgültiges Ende fand sie 1880 durch ein Feuer. Über Jahrzehnte hinweg blieb das närrische Treiben ohne festen Ort, bis die Stadt Dülken 1908 die heutige Mühle erwarb und sie wenige Jahre später durch eine bauliche Anhebung und die Einrichtung eines Museums neu positionierte.

Einen entscheidenden Einschnitt markierte das Jahr 1937, als die Mühle an die Narrenakademie der „Berittenen Akademie der Künste und Wissenschaften“ überging. Seither dient sie nicht nur als Museum, sondern auch als Versammlungsort. Im oberen Teil, dem Weisheitssaal, treten die Mitglieder der Akademie zusammen, während im unteren Bereich die Geschichte der Dülkener Narrenkultur bewahrt wird. Alljährlich am 11. November beginnt hier mit dem traditionellen „Narrenritt“ auf hölzernen Steckenpferden die Karnevalssession.

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath

Die Ursprünge der Narrenakademie selbst reichen bis in die frühe Neuzeit zurück. Bereits im 16. Jahrhundert wurde mit der „Illuminata universitas lunaris“ eine Institution geschaffen, die das Narrentum in akademische Formen kleidete. Ihre symbolische Gründung wird auf eine noch frühere Ankündigung Herzog Adolfs II. zurückgeführt, der den Bürgern Dülkens eine solche Einrichtung in Aussicht gestellt hatte. Die Idee einer „Monduniversität“, an der selbst Hofnarren akademische Grade erlangen konnten, zeugt von einem eigenwilligen, bis heute gepflegten Humorverständnis.

Neben den regulären Öffnungszeiten bietet die Narrenmühle weiterhin die Möglichkeit, individuelle Führungen zu vereinbaren. Über die offizielle Internetseite können Interessierte nahezu jederzeit Sondertermine buchen und sich intensiver mit der Geschichte und Technik des Bauwerks auseinandersetzen (https://www.die-narrenmuehle.de/kontakt/)

Ein weiterer Höhepunkt steht bereits bevor: Am Pfingstmontag, dem 25. Mai 2026, beteiligt sich der Förderverein der Narrenmühle am Deutschen Mühlentag. In der Zeit von 11 bis 16 Uhr werden zusätzliche Führungen angeboten, die die Bedeutung historischer Mühlen, die Funktionsweise einer Bockwindmühle sowie die besondere Stellung der Dülkener Narrenmühle innerhalb der regionalen Geschichte anschaulich vermitteln. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Leo Dillikrath